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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Steigt der Krankenkassenbeitrag 2022 auf 16,7 Prozent?

Die gesetzlichen Krankenkassen steuern 2022 auf ein riesiges Defizit zu. Um das zu vermeiden, wollte Gesundheitsminister Spahn den Kassen zusätzlich 12,5 Milliarden Euro zukommen lassen. Nun werden es wohl nur sieben Milliarden Euro. Aus Sicht des AOK-Bundesverbands ist das zu wenig. Es droht ein Beitragssprung auf 16,7 Prozent.

  • Die gesetzlichen Krankenkassen werden im kommenden Jahr wohl mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds erhalten.
  • Trotz einer deutlichen Steigerung des Bundeszuschusses reicht dies nicht aus, um Beitragserhöhungen abzuwenden.
  • Der durchschnittliche Krankenkassenbeitrag müsste demnach von 15,9 Prozent auf 16,7 Prozent angepasst werden.

Zunächst ist es eigentlich eine gute Nachricht: Die Krankenkassen sollen im kommenden Jahr mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds erhalten, um ihre steigenden Ausgaben zu decken. Denn den Kassen könnten voraussichtlich bis zu 19 Milliarden Euro fehlen. Nun die schlechte Nachricht: Die veranschlagte Summe wird wohl nicht reichen, um die Finanzlücke zu schließen, sodass nach dem jetzigen Stand Beitragserhöhungen für gesetzlich Krankenversicherte als wahrscheinlich gelten.

Derzeit beläuft sich der Bundeszuschuss auf 14,5 Milliarden Euro. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollte diesen 2022 um 12,5 Milliarden Euro auf 27 Milliarden Euro erhöhen. Allerdings waren diese Pläne noch nicht mit dem Finanzministerium besprochen. Wie das Handelsblatt nun berichtet, haben sich beide Ministerien auf einen Zuschuss von sieben Milliarden Euro geeinigt.

GKV-Verband kritisiert „leeres Versprechen“

Zusätzlich zu diesem Geld will sich die Regierung eine weitere Erhöhung offenhalten, sofern sich das Gesundheits- und Finanzministerium darauf verständigen und der Bundestag der Anpassung zustimmt. Für den GKV-Spitzenverband ist diese Aussicht allerdings völlig unzureichend. „Die Ankündigung, dass es noch mehr werden könnte, ist angesichts der Bundestagswahlen nur ein leeres Versprechen“, so die Vorstandsvorsitzende Doris Pfeiffer. „Jetzt braucht die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung eine glasklare gesetzliche Regelung, die eine verlässliche Haushaltsplanung der Krankenkassen ermöglicht, um steigende Zusatzbeiträge zu vermeiden.“

Kritiker der geplanten Regelung befürchten, dass die nach der Bundestagswahl neu aufgestellte Regierung keine Entscheidung bezüglich der Höhe der Zuwendungen treffen wird. Die sei in der ersten Phase der Regierungsbildung „völlig unwahrscheinlich“, mahnt der Vorstand der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, im Handelsblatt.

Krankenkassenkosten drohen für Versicherte zu explodieren

Auch für den AOK-Bundesverband ist klar, dass die zusätzlichen Milliarden Euro nicht ausreichen werden, um den Krankenkassenbeitrag stabil zu halten. Dazu hätten schon die von Spahn angekündigten 12,5 Milliarden nicht gereicht, kritisiert der Vorstandsvorsitzende Martin Litsch, gegenüber dem Handelsblatt.

Um das Defizit zu decken, müsste der Krankenkassenbeitrag nach derzeitigem Stand um 0,8 Prozentpunkte steigen. Dies bedeutet eine Erhöhung von aktuell 15,9 Prozent auf 16,7 Prozent. Der Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung würde damit auf Rekordniveau liegen.