Hausbau Dachstuhl
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Stiftung Warentest: Bausparkassen beraten überwiegend schlecht

Die Stiftung Warentest hat für die Finanztest-Ausgabe 01/2020 einen Blick auf die Beratungsqualität verschiedener Bausparkassen geworfen. Das Fazit: Kunden müssen Glück haben, um eine sehr gute Beratung zu erhalten. Denn in vielen Fällen passen die vorgeschlagenen Bausparverträge nicht zu den Zielen des Bausparers. Nur eine Bausparkasse wird daher im Test mit gut bewertet.

  • Ein Bausparvertrag stellt eine optimale Ergänzung der Baufinanzierung dar.
  • Bausparer müssen sich dabei darauf verlassen können, dass das Geld aus dem Vertrag zum gewünschten Zeitpunkt abrufbereit ist.
  • Einige Angebote, die Bausparkassen im Test für die Stiftung Warentest erstellt haben, können jedoch genau dies nicht liefern.

Aus Sicht der Stiftung Warentest war die Aufgabe eigentlich einfach: Ihre Tester ließen sich in 16 Bausparkassen mehrmals beraten und hatten dabei ganz bestimmte Vorgaben, was sie mit ihrem Bausparvertrag erreichen wollen. Ein Kunde will sich in zehn Jahren einen Immobilie kaufen und bis dahin maximal 450 Euro monatlich ansparen. Ein anderer Kunde möchte sich schon in acht Jahren ein Eigenheim zulegen und kann jeden Monat 300 Euro zurücklegen. Zusätzlich hat er schon jetzt 10.000 Euro angespart, die er in den Bausparvertrag einzahlen könnte. Gleiches gilt für den dritten Beratungswunsch. Allerdings ist dabei eine Modernisierung in Höhe von 50.000 Euro in sechs Jahren geplant.



Trotz der überschaubaren Wünsche der Tester ließen die Beratungen der „Bausparkassen kaum einen Fehler aus“, so die Stiftung Warentest. Im Gesamtergebnis des Vergleichs bedeutet dies nur eine gute Bewertung sowie drei Mal das Finanztest-Urteil mangelhaft.

So wurde getestet

Für den Bausparkassen Test prüfte die Stiftung Warentest vor allem die Qualität des Angebots:

  • Wurde der Kundenstatus richtig erfasst?
  • Passt der Bausparvertrag zu den Sparzielen des Bausparers?
  • Was kostet der vorgeschlagene Bausparvertrag?

Darüber hinaus wurde geprüft, wie ausführlich die Kundeninformationen ausfielen.

In der Summe passte lediglich bei sechs der 16 Bausparkassen das Angebot gut zum Kundenwunsch. Der Kundenstatus wurde sogar nur bei einer Bausparkasse, der Deutschen Bausparkasse Badenia, gut erfasst. In der Mehrheit bewertete die Stiftung Warentest diesen Aspekt mit ausreichend oder mangelhaft.

Nur die LBS Schleswig-Holstein-Hamburg kann die Verbraucherorganisation mit ihrer Beratung zum Bausparvertrag insgesamt gut überzeugen. Mit Alte Leipziger, BHW (über die Deutsche Bank), LBS Saar und Signal Iduna werden vier Bausparkassen mit befriedigend bewertet, neun sind ausreichend. Für die Bausparkasse Mainz, Debeka und die LBS Südwest fällt das Qualitätsurteil mit mangelhaft sehr enttäuschend aus.

Viele Beratungsmängel der Bausparkassen

Gründe für die zum Teil schlechte Beratungsqualität gibt es aus Sicht der Stiftung Warentest viele. So war die Bausparsumme in 24 Testfällen so hoch angesetzt, dass die Zuteilung des Darlehens mehr als ein Jahr nach dem gewünschten Termin erfolgt.

In fast 80 Fällen passte die im Bausparvertrag angesetzte Sparrate nicht zu den Vorgaben, 13 Mal war die Tilgungsrate des Bauspardarlehens viel zu hoch. Die Stiftung Warentest kritisierte zudem, dass die Mitarbeiter der Bausparkassen nicht immer über die anfallenden Abschluss- und Jahresgebühren informierten.

Tipp:

Aus Sicht der Verbraucherorganisation kann sich ein Bausparvertrag bei der Immobilienfinanzierung rechnen, wenn die Bausparsumme und die Sparrate genau auf die Wünsche des künftigen Eigenheimbesitzers zugeschnitten sind. Sinnvoll ist es daher, sich mehrere Angebote zum Bausparvertrag einzuholen und diese miteinander zu vergleichen.