Alte Person im Krankenhausbett
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Stiftung Warentest: Rund die Hälfte der Pflegeversicherungen ist gut

Die meisten Menschen werden im Alter wahrscheinlich auf die Hilfe anderer Personen angewiesen sein. Pflege kostet allerdings, insbesondere wenn Pflegebedürftige zu Hause versorgt werden wollen. Um sich gegen diese Kosten abzusichern, empfiehlt sich eine private Pflegeversicherung. Viele Tarife sind dabei aus Sicht der Stiftung Warentest gut, wie ein neuer Test zeigt.

  • Die Stiftung Warentest hat das Leistungsniveau von knapp 30 Pflegeversicherern überprüft.
  • Viele Tarife schneiden dabei mit einem guten Ergebnis ab.
  • Auffällig sind die großen Unterschiede bei der Höhe des Pflegegelds.

2.200 Euro – so hoch schätzt die Stiftung Warentest die monatliche finanzielle Lücke, die Pflegebedürftige stopfen müssen, wenn sie sich im Pflegegrad 4 oder 5 zu Hause versorgen lassen wollen. Dabei hat die Verbraucherorganisation bereits die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung berücksichtigt. Bei der Unterbringung im Heim geht sie von einer Pflegelücke in Höhe von 1.500 Euro pro Monat aus. Wer auf Pflege angewiesen ist, muss daher nicht nur mit seiner schlechter werdenden Gesundheit zurechtkommen, sondern auch mit hohen Pflegekosten.



Gegen letztere können sich Verbraucher jedoch mit einer privaten Pflegeversicherung schützen. Welche Versicherer dabei den besten Mix aus Preis und Leistung bieten, hat die Stiftung Warentest in einem aktuellen Vergleich herausgefunden (Finanztest-Ausgabe 02/2020).

Schutz der privaten Pflegeversicherung individuell anpassen

Bei den untersuchten Pflegeversicherungen von 27 Anbietern handelt es sich um sogenannte Pflegetagegeldversicherungen. Diese zahlen Versicherten jeden Monat eine vorab festgelegte Summe aus, mit der sie ihre Pflegelücke schließen können.

Die Stiftung Warentest unterscheidet dabei zwischen drei Modellen: Neben Tarifen, bei denen die Leistungen sowohl für die ambulante als auch die stationäre Pflege mit zunehmender Pflegebedürftigkeit steigen, gibt es Angebote, bei denen das Pflegetagegeld ab Pflegestufe 2 konstant bleibt. Das hat den Vorteil, dass Pflegebedürftige auch in den niedrigen Pflegegraden gut abgesichert sind. Eine weitere Variante stellt einen Mix aus beiden Optionen dar: Die ambulanten Leistungen steigen analog zum Pflegebedarf, die stationären sind dagegen ab Pflegegrad 2 stabil.

Die Tabelle zeigt beispielhaft die Leistungshöhen im ambulanten (A) und stationären (S) Bereich:

Steigend Konstant Ambulant steigend
Pflegegrad 1 A & S: 91 € A & S: 600 € A: 69 € / S: 69 €
Pflegegrad 2 A & S: 511 € A & S: 1.050 € A: 389 € / S: 1.509 €
Pflegegrad 3 A & S: 991 € A & S: 1.050 € A: 1.029 € / S: 1.509 €
Pflegegrad 4 A & S: 1.561 € A & S: 1.050 € A: 1.600 € / S: 1.509 €
Pflegegrad 5 A & S: 1.650 € A & S: 1.050 € A: 1.600 € / S: 1.509 €

Die Ergebnisse

Für ihren Test prüfte die Stiftung Warentest anhand von zwei unterschiedlich alten Musterkunden das Leistungsniveau der Pflegeversicherungen. Der 45-Jährige möchte rund 57 Euro für die Absicherung ausgeben, der 55-Jährige rund 89 Euro pro Monat.

Die Analyse der Leistungshöhe floss zu 80 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Die restlichen 20 Prozent entfielen auf weitere Vertragsbedingungen, etwa ob die Versicherungsgesellschaften Wartezeiten vorsehen oder ob sie eine Einmalzahlung bei Beginn der Pflegebedürftigkeit zahlen.

22 der berücksichtigten 46 Pflegetagegeldversicherungen erreichen für den 55-Jährigen eine gute Bewertung. Das höchste Leistungsniveau bieten unter anderem

  • DFV „Deutschlandpflege Flex / 2200“
  • DKV „PTG / 50“ und „KPET / 70“
  • HanseMerkur „PG (PGA/ 2303, PGS / 1703)“

Das höchste Pflegetagegeld bietet dabei DFV mit 2.200 Euro in den Pflegegraden 4 und 5, unabhängig davon, ob Versicherte im Pflegeheim oder zu Hause von Angehörigen oder einem Pflegedienst versorgt werden.

Die genannten Tarife überzeugen auch beim 45-jährigen Modellkunden. Der Versicherer HanseMerkur erzielt mit dem Angebot „PG (PGA /2375, PGS / 1775)“ allerdings als einziger eine sehr gute Bewertung. Weitere 24 Pflegetagegeldversicherungen sind in den Augen der Tester gut.

Beim Blick in die Ergebnisse fallen vor allem die großen Leistungsunterschiede auf. Während einige Versicherer im höchsten Pflegegrad bei stationärer Unterbringung über 2.000 Euro im Monat zahlen, bieten manch andere nicht einmal 1.000 Euro. Gleiches gilt für den ersten Pflegegrad. Dort schwankt das Pflegetagegeld für den 45-Jährigen zwischen 4 Euro und 1.590 Euro. Interessierte sollten daher stets mehrere Angebote hinsichtlich der Leistungen in den einzelnen Pflegegraden vergleichen, um eine Absicherung zu finden, mit der sie langfristig zufrieden sind.

Tipp:

Weitere Testsieger gibt es auf der Themenseite „Private Pflegeversicherung im Test“.