Frau schaut sich Stadt an
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Tag der Arbeit: Feiertag soll möglichst nachgeholt werden

2022 fallen mit dem 1. Mai und dem 25. Dezember gleich zwei Feiertage auf einen Sonntag. Entsprechend groß ist die Enttäuschung bei Arbeitnehmern, denn sie haben so zwei Tage weniger frei. Die Linkspartei fordert daher, solche Feiertage an einem anderen Tag im Jahr nachzuholen. Andere Länder tun dies bereits. Warum nicht auch in Deutschland?

  • Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, verlieren Arbeitnehmer einen freien Tag in der Arbeitswoche.
  • Politiker der Linken und von den Grünen wollen dies ändern und fordern einen gesetzlichen Ausgleich.
  • Kritiker aus der Wirtschaft wenden ein, dass Deutschland im EU-Vergleich bereits zu viele Feiertage habe und durch Ausgleichstage Geld verliere.

Am Sonntag ist der 1. Mai, als „Tag der Arbeit“ ein gesetzlicher Feiertag, der eigentlich einen arbeitsfreien Tag bedeutet. In diesem Jahr leider nicht. Viele Erwerbstätige nehmen dies mit einem „Schade“ hin und freuen sich schon auf das nächste Jahr, wenn der Feiertag wieder auf einen Werktag fällt.

Kein Feiertag soll mehr ausfallen

Die Politiker der Linken und der Grünen sprechen sich nun für eine Änderung der Feiertagsregelung aus. Sie fordern eine Anpassung und schlagen vor, Feiertage nachzuholen, die auf einen Sonntag fallen.

Jan Korte, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, hat dabei vor allem die Sicht der Arbeitnehmer im Blick. Für sie bedeute jeder verlorene Feiertag mehr Stress und weniger dringend benötigte Erholung von den Belastungen durch die Arbeit und die Pandemie, wie er gegenüber der Rheinischen Post erklärt. Damit greift er eine Debatte auf, die die Linken bereits 2018 in den Bundestag eingebracht haben.

Unterstützung erhält er nun von der Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik. Auch sie spricht sich gegenüber der Rheinischen Post für eine stärkere Diskussion darüber aus, dass Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachgeholt werden.

Feiertage ausgleichen: Wie machen es andere EU-Länder?

Andere EU-Länder sind in diesem Punkt schon einen Schritt weiter. Ganz einheitlich sind die Regeln jedoch nicht:

Großbritannien, Irland, SpanienFällt ein Feiertag auf das Wochenende, wird er am nachfolgenden Montag nachgeholt. Ausnahme: Feiertage, die immer an einem Sonntag stattfinden (zum Beispiel Ostern)
LuxemburgInnerhalb von drei Monaten muss ein freier Ersatztag angeboten werden, um den Feiertag nachzuholen.
BelgienArbeitnehmer können innerhalb des Jahres selbst einen Ersatztag bestimmen. Oder der Arbeitgeber bestimmt einen Tag, der für alle Mitarbeiter gilt.
ItalienEinen Ersatzfeiertag gibt es für die Italiener nicht. Sie erhalten einen Lohnausgleich, wenn ein gesetzlicher Feiertag auf ein Wochenende fällt.

Kontra von Arbeitgeberseite: Deutschland hat zu viele Feiertage

Ganz anders sieht das die Arbeitgeberseite. Christoph Schröder, Arbeitszeitexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einem Pro-und-Kontra-Beitrag des IW.

Bereits als einmalige Feiertage wie der bundesweite Reformationstag 2017 (31. Oktober 2017) zum Gedenken an Martin Luther beschlossen wurden, rechnete er aus, was ein weiterer Feiertag kostet: Etwa 0,1 bis 0,2 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. Auf das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland übertragen bedeutet dies, dass die Wirtschaft durch einen zusätzlichen Feiertag etwa 3,5 Milliarden Euro verliert.

Deutschland muss wettbewerbsfähig bleiben

Mit Blick auf die Jahresarbeitszeit und die Anzahl der gesetzlichen freien Tage erklärt Schröder zudem, dass die Deutschen im Vergleich zu anderen EU-Ländern sehr viel mehr Freizeit haben. Deutschland weist ihm zufolge die kürzeste Jahresarbeitszeit in der EU auf. Gemeinsam mit Dänemark hat es die meisten Frei-Tage. Selbst Länder mit Feiertagsausgleich übertreffen diese Anzahl nicht.

Eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit durch Ersatzfeiertage würde sich ungünstig auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auswirken.

Schröder plädiert daher vielmehr Lösungen, die Arbeitgeber bieten. Arbeitnehmer, die großen Wert auf Freizeit und flexible Arbeitszeiten legen, könnten sich nach Unternehmen umschauen, die mehr Urlaubstage, Sabbaticals oder einige Tage unbezahlten Urlaub anbieten (weniger Lohn, dafür mehr Urlaub).