Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Überfüllte Notaufnahmen: Müssen Patienten bald für Behandlung zuzahlen?

In Deutschland gibt es Jahr für Jahr mehr Patienten, die bei leichten Beschwerden die Notaufnahmen ansteuern. Ein Großteil von ihnen könnte jedoch auch an anderer Stelle behandelt werden. Für die Kliniken bedeuten solche Fälle eine zusätzliche Belastung – finanziell wie personell. Eine Zuzahlung von den Hilfesuchenden könnte der Behandlung ohne Not nun entgegenwirken.

Die Notaufnahmen in deutschen Krankenhäusern platzen aus allen Nähten. Inzwischen kommen bis zu 25 Millionen Menschen jährlich, um sich vor Ort behandeln zu lassen – und es werden stetig mehr. Doch um einen richtigen Notfall handelt es sich dabei nur bei etwa jedem dritten Patienten. Viele Personen könnten ebenso zum Hausarzt gehen. Die Kliniken kostet die Behandlung eine Menge Geld und sie schluckt vor allem Ressourcen für die akuten Fälle.

Verschiedene Kassenärztliche Vereinigungen fordern nun eine Eigenbeteiligung für Patienten, die bei geringen Beschwerden in der Notaufnahme verarztet werden wollen. Dies könnte die Krankenhäuser entlasten und einigen Menschen als Abschreckung dienen. Ob sich diese Forderung allerdings durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Notaufnahmen bieten Erkrankten Rund-um-die-Uhr-Versorgung

Ein Grund, warum Menschen mit leichten Symptomen wie Husten, Durchfall oder Rückenschmerzen in die Notaufnahme gehen, ist Unsicherheit. Oftmals wissen Patienten nicht, an wen sie sich wenden können, wenn sie beispielsweise am Wochenende Fieber oder einen Magen-Darm-Infekt haben. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst, den sie jederzeit kostenlos unter der bundesweiten Rufnummer 116117 erreichen, kennen viele nicht. Dort erfahren sie unter anderem, welche Arztpraxis in ihrer Nähe Notdienst hat.

Stattdessen befragt so mancher Patient vorsorglich das Internet, was seine Beschwerden wohl bedeuten könnten. Die entsprechenden Suchergebnisse tragen jedoch häufig nicht gerade dazu bei, den Arztbesuch noch einmal zu verschieben. Da der Hausarzt an Wochenenden oder Feiertagen nicht erreichbar ist, liegt die Notaufnahme als Alternative nahe. Dort werden Menschen rund um die Uhr behandelt. Für einige Hilfesuchende kommt hinzu, dass sie in der Notaufnahme weitaus schneller einen Facharzt zu Gesicht bekommen als auf dem Terminweg.

Notaufnahme-Patienten bedeuten Verlustgeschäft für Kliniken

Erkrankte müssen in überfüllten Notaufnahmen oftmals stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn sie vergleichsweise leichte Beschwerden haben. Denn Vorrang haben stets die akuteren Fälle. Dieses Prinzip erscheint zwar nachvollziehbar, führt jedoch nicht selten dazu, dass die Erkrankten ungeduldig oder gar ungehalten werden. Sie haben teilweise kein Verständnis dafür, warum jemand, der später da war als sie, zuerst drankommt.

Während Patienten viel Zeit in den Wartezimmern der Notaufnahmen opfern, um nach kurzer Diagnose wieder nach Hause zu dürfen, entsteht den Krankenhäusern durch zahlreiche ambulante Behandlungen ein Verlustgeschäft. Denn jeder Fall in der Notaufnahme kostet im Schnitt etwa 120 Euro, von denen die Klinik nur knapp 32 Euro erstattet bekommt. Sie muss demnach fast 90 Euro selbst beisteuern, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft beispielsweise für 2015 errechnet hat. Deutschlandweit ergibt sich laut dem Hauptgeschäftsführer Georg Baum dadurch jedes Jahr ein Fehlbetrag von circa einer Milliarde Euro.

Eigenanteil zur Behandlung könnte Notaufnahmen entlasten

Die Kassenärztlichen Vereinigungen Rheinland-Pfalz und Nordrhein schlagen aktuell eine Patientenzuzahlung vor, um der Überlastung der Notaufnahmen entgegenzuwirken. Damit sollen Menschen, die sich ohne Not behandeln lassen, einen Eigenanteil tragen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Bundesärztekammer machen sich dagegen unter anderem für eine bessere Steuerung von Erkrankten stark. Sogenannte Portalpraxen an Krankenhäusern könnten beispielsweise als erste Anlaufstelle dienen, die über die weitere Behandlung entscheidet. Dieses Vorhaben unterstützt auch der Verband der Ersatzkassen. Er fordert zudem eine bessere Verzahnung zwischen ambulantem und stationärem Notdienst sowie dem Rettungsdienst.