Rentner sitzt vor großem Fernseher
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Umbruch bei der Riester-Rente: Kommt der Reformvorschlag noch 2020?

Rund ein Jahr ist die aktuelle Bundesregierung noch im Amt. Es bleibt daher nicht mehr viel Zeit, die Reform der Riester-Rente umzusetzen. Die Finanzbranche will schon im Oktober ein Eckpunktepapier und bestenfalls Ende 2020 einen Entwurf haben. Doch die Coronapandemie hat den Zeitplan ordentlich durcheinandergewirbelt.

  • Die Finanzbranche möchte möglichst noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf sehen, der den Umbruch der Riester-Rente einleitet.
  • Weniger Garantien, mehr Zulagen und einfachere Zulagenbewilligung sollen Punkte des Entwurfs sein.
  • Das Finanzministerium gibt derweil bekannt, mit Hockdruck am Entwurf zu arbeiten.

Am Mittwoch trafen sich Vertreter aus der Finanzbranche, um im Rahmen einer Veranstaltung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) über die Zukunft der privaten Altersvorsorge zu diskutieren. Aus ihrer Sicht hat die Bundesregierung einen klaren Auftrag: Sie muss die Riester-Rente noch in dieser Legislaturperiode reformieren und darf kein weiteres Jahr verlieren. Damit die Versicherer kommendes Jahr neue Produkte anbieten können, braucht es noch im Oktober ein Eckpunktepapier und bis Dezember einen Reformentwurf aus dem Bundesfinanzministerium.



Finanzministerium ist am Entwurf dran

Schon 2019 haben die Anbieter von Riester-Renten Vorschläge erarbeitet, mit denen die geförderte Altersvorsorge neuen Schwung bekommen soll. Sonderlich schnell ging es danach von Regierungsseiten nicht voran, in diesem Jahr schüttelte Corona den Zeitplan ordentlich durcheinander. Nun arbeite man allerdings mit „Vehemenz“ an einem Referentenentwurf, zitiert das Handelsblatt aus Berliner Regierungskreisen.

Riester-Rente hat viel Reformbedarf

Die Riester-Rente hat mehrere Probleme. Eines der größten ist die Beitragsgarantie. Versicherte können sich sicher sein, mindestens ihre eingezahlten Beiträge zum Rentenalter wieder ausgezahlt zu bekommen. Um diese Garantie zu erfüllen, legen die Anbieter die Versichertengelder sehr sicher an. Dadurch gibt es kaum Spielraum für Rendite. Mancher Versicherer hat sich daher bereits vom Geschäft mit der klassischen Riester-Rente verabschiedet. Neue Riesterprodukte hat es zudem schon lange nicht mehr gegeben.

Entsprechend ist ein Kern der Forderungen, die Beitragsgarantie abzuschaffen. Einen ähnlichen Vorschlag hat die Rentenkommission im März unterbreitet. So könnte es künftig „modifizierte Garantien“ für „ein angemessenes Verhältnis von Renditechancen, Sicherheit und Risiken“ geben.

Mehr Zulagen, mehr Förderung, weniger Hürden

Weitere Probleme sehen die Versicherer im komplizierten Zulagenverfahren und der unzureichenden Förderung. So schlägt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor, die Grundzulage von 175 Euro auf 200 Euro zu erhöhen. Die steuerliche Förderung sollte zudem auf vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung ausgeweitet werden. Gleiches nennt die Rentenkommission als Maßnahme zur Verbesserung der Riester-Rente. Statt 2.100 Euro im Jahr könnten Versicherte somit 3.408 Euro ihrer eingezahlten Beiträge steuerlich absetzen.

Auch die Einführung eines einfachen Riester-Standardprodukts steht zur Diskussion. Dem Plan, die Riester-Rente zu reformieren, steht allerdings auch die Abschaffung der geförderten Altersvorsorge gegenüber. So liegen mit der Extrarente des Verbraucherzentrale Bundesverbands und der Deutschlandrente zwei Vorschläge vor, die die Riester-Rente ersetzen sollen.