Kranke Frau trinkt Tee
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Videosprechstunde: Krankschreibung ohne Arztbesuch künftig möglich

Seit einiger Zeit dürfen Ärzte unter engen Voraussetzungen Videosprechstunden anbieten. Wer jedoch eine Krankschreibung brauchte, musste bisher persönlich beim Mediziner vorstellig werden. Doch bald können Patienten volle Wartezimmer umgehen. Denn der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Krankschreibung per Video für die gesetzliche Krankenversicherung beschlossen.

  • Kassenpatienten müssen sich künftig nicht mehr krank zum Arzt schleppen.
  • Im Rahmen der Videosprechstunde dürfen die Ärzte ihre Patienten nun für bis zu sieben Tage krankschreiben.
  • Voraussetzung ist unter anderem, dass der Patient dem Mediziner bekannt ist.

Die Videosprechstunde ist seit einiger Zeit Teil der ärztlichen Versorgung beziehungsweise wird von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Wer jedoch aufgrund seiner Erkrankung eine Krankschreibung benötigt hat, musste dennoch in die Arztpraxis. Denn die entsprechende Richtlinie sah bislang vor, dass die „Feststellung von Arbeitsunfähigkeit nur aufgrund ärztlicher Untersuchung erfolgen darf.“ Ließen sich Erkrankte eine Krankschreibung bei einem der verschiedenen Dienstleister von Videosprechstunden ausstellen, liefen sie Gefahr, dass diese vom Arbeitgeber nicht anerkannt wurde.



Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass gesetzlich Krankenversicherte künftig vom Arzt über die Videosprechstunde krankgeschrieben werden dürfen. Dem Beschluss ging eine Bitte der Bundesärztekammer und des Bundesgesundheitsministeriums zur Klarstellung an den G-BA zuvor. Denn seitdem die Videosprechstunde erlaubt ist, stellte sich die Frage „ob und wenn ja, auf welche Weise im Rahmen einer Fernbehandlung die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit erfolgen kann“, teilt der G-BA auf Anfrage mit.

Voraussetzungen für die Krankschreibung per Videosprechstunde

Die Krankschreibung über die Videosprechstunde darf nur erfolgen, wenn der Patient dem Arzt bekannt ist, er dort also in der Vergangenheit schon mal vorstellig gewesen ist. Zudem muss die Untersuchung der Erkrankung auch per Video möglich sein. Trifft beides zu, darf der Mediziner eine Krankschreibung von bis zu sieben Kalendertagen ausstellen. Einen Anspruch auf die AU-Bescheinigung nach einer Untersuchung per Videosprechstunde haben Patienten jedoch nicht.

Handelt es sich um eine Folgekrankschreibung, ist diese unter diesen Bedingungen nicht möglich. Stattdessen setzt diese „die vorherige Krankschreibung aufgrund unmittelbarer persönlicher Untersuchung“ voraus, so der G-BA. Das bedeutet, dass Patienten die erste AU-Bescheinigung im Zuge des persönlichen Arztbesuches erhalten haben müssen.

Als Beispiele, wann eine Krankschreibung per Videosprechstunde möglich ist, nennt der G-BA unter anderem Erkältung, Menstruationsbeschwerden, Magen-Darm-Infekt, Blasenentzündung und Migräne.

Persönlicher Arztbesuch soll die Regel bleiben

Der Gemeinsame Bundesausschuss regelt unter anderem, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen erstatten. Er weist darauf hin, dass Krankenschreibungen weiterhin ausgeschlossen bleiben, wenn diese lediglich auf einer Online-Befragung, eines Telefonats oder einer Chatbefragung basieren. Zudem soll die Krankschreibung über die Videosprechstunde eher die Ausnahme bleiben. „Als Standard für die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit gilt weiterhin die unmittelbare persönliche Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt“, so Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied beim G-BA.

Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran

Ab Januar 2021 werden die Krankenkassen zudem digitaler. Dann soll die AU-Bescheinigung digitalisiert und elektronisch übermittelt werden. Dies war bereits mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz, das Mitte 2019 in Kraft getreten ist, vereinbart gewesen. Nun setzt der G-BA den Beschluss um.