Mehrfamilienhaus in der Stadt
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Vonovia & Deutsche Wohnen Fusion: Worauf Mieter sich gefasst machen

Die beiden größten deutschen Wohnungskonzerne, Vonovia und Deutsche Wohnen, wollen fusionieren. Was der Zusammenschluss für Bestandsmieter und den Wohnungsmarkt bedeutet, fasst finanzen.de zusammen.

Mit mehr als 400.000 Wohnungen ist Vonovia der größte private Wohnungskonzern in Deutschland. Deutsche Wohnen besitzt rund 150.000 Wohnungen, etwa 113.000 davon liegen im Großraum Berlin. Mit der Fusion könnten die beiden größten Konkurrenten auf dem Wohnungsmarkt nun zu Europas größtem Wohnimmobilienkonzern aufsteigen.

Ein Schritt, der sich für das Unternehmen nicht nur aufgrund möglicher Kosteneinsparungen bei Verwaltung & Co. lohnt. Besonders im Großraum Berlin würde der Einfluss des neuen Unternehmens wachsen. Von den knapp 1,63 Millionen Berliner Mietwohnungen würde der Megakonzern knapp zehn Prozent halten. Im Vergleich: Bundesweit wären es etwa zwei Prozent.

Vonovia und Deutsche Wohnen: Aller guten Dinge sind drei?

Ob die Fusionspläne Bestand haben werden, ist längst noch nicht klar. Es handelt sich bereits um den dritten Anlauf. 2016 war der erste Versuch einer Fusion an den Aktionären der Deutschen Wohnen gescheitert, die das Kaufangebot der Vonovia nicht annahmen. Anfang 2020 hatte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Vonovia erneut erwog Deutsche Wohnen zu übernehmen.

Vonovia hat den Aktionären nun deshalb ein großzügiges Angebot gemacht. Pro Deutsche-Wohnen-Aktie werden 53,03 Euro geboten – das sind 18 Prozent mehr als der Schlusskurs am letzten Freitag vor Bekanntwerden der Fusionspläne. „Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass sehr viele Aktionäre dieses Angebot annehmen werden”, bekräftigt Deutsche-Wohnen-CEO Michael Zahn am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Stimmt das Kartellamt einer Fusion zu?

Auch wenn mindestens die Hälfte der Deutsche Wohnen Aktionäre das Angebot annimmt, könnten kartellrechtliche Bedenken einer Fusion im Weg stehen. Mit knapp zehn Prozent am Berliner Wohnungsmarkt wäre die Stellung einer Vonovia SE zwar noch nicht marktbeherrschend. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sieht die Pläne dennoch kritisch: „Eine Fusion der beiden größten privaten Immobilienkonzerne Deutschlands ist problematisch, da es dadurch weniger Wettbewerb geben dürfte und die Marktmacht des neuen Konzerns noch stärker wird.”

Aufgrund der Wohnungsknappheit sieht Fratzscher die Macht der großen Wohnungskonzerne bei einer Fusion kritisch erhöht – beim Kartellamt könnte die Beurteilung ähnlich ausfallen.

Was bedeuten die Pläne für Mieterinnen und Mieter?

In Berlin treffen die Pläne auf den ohnehin schon bestehenden Widerstand der Mieter. Hier ist die Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen” seit 2019 auf Erfolgskurs. Die Initiative fordert, Immobilienunternehmen zu verstaatlichen, die über 3.000 Wohnungen halten. Ende April hatte sie bereits 130.000 Stimmen gesammelt. Schafft „Deutsche Wohnen & Co. enteignen” bis zum 25. Juni 2021 175.000 Unterstützerunterschriften zu sammeln, wird es am 26. September parallel zu den Bundestagswahlen in Berlin einen Volksentscheid zur Enteignung geben. Ob solche Enteignungspläne auch vor dem Verfassungsgericht Bestand hätten, ist jedoch fraglich.

Vonovia versucht die Befürchtungen steigender Mietpreise bei einer Fusion schon jetzt beim Berliner Senat zu beschwichtigen. So sollen dem Land Berlin 20.000 Mietwohnungen verkauft werden. Außerdem will Vonovia nach der Fusion 13.000 neue Wohnungen in Berlin bauen. Auch Mietpreissteigerungen sollen auf maximal ein Prozent pro Jahr bis 2024 begrenzt werden.

Für Bestandsmieter gibt es zunächst keine unmittelbaren Konsequenzen

Rouzbeh Taheri, Sprecher der Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen”, hält von den Beschwichtigungsversuchen der Konzerne nichts. „Diese Ankündigungen sind reines Whitewashing. Wir wissen, wie Vonovia und Deutsche Wohnen in der Praxis agieren. Nur dort, wo es starke Mieterbewegungen gibt, kommen diese Konzerne den Mietern entgegen“, sagt er gegenüber der Wirtschaftswoche.

Bestandsmieter der beiden Konzerne dürften von einer Fusion vorerst kaum tangiert werden. Bestehende Mietverträge müssen auch weiter eingehalten werden. Mögliche Kosten einer zunkünftigen energetischen Sanierung sollen laut Vonovia zudem nicht voll auf die Mieter umgelegt werden – was das im Detail bedeutet, ist unklar.

Mieterschützer befürchten, dass die hohen Kosten einer Fusion am Ende trotzdem auf dem Rücken der Mieter beglichen werden. „Irgendjemand muss ja die Milliarden aufbringen, die jetzt dafür verwendet werden, dass der eine den anderen schluckt. Und letztlich wird man dieses Geld dann möglicherweise doch aus den Mieterinnen und Mietern herausholen wollen”, befürchtet Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes.

Tipp: Um bei eventuellen Streitigkeiten mit dem Vermieter abgesichert zu sein, empfiehlt sich eine Mietrechtschutzversicherung.