Ärztin hält Spritze in der Hand
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Biontech, Johnson & Co: Welche Corona-Impfung ist die beste?

Nach Biontech und Moderna steht jetzt der Astrazeneca-Impfstoff in den Startlöchern. Ein viertes Präparat von Johnson&Johnson könnte im Februar kommen. Doch was sind die Unterschiede und welche Vor-und Nachteile bringen die Impfstoffe gegen das Corona-Virus? Ein Überblick.

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2021

Am 26. Dezember 2020 startete die deutsche Impfkampagne mit dem ersten zugelassenen Impfstoff von Biontech/Pfizer. Der Impfbeginn verlief aufgrund der hohen Nachfrage und nicht ausreichend vorhandener Impfdosen zunächst sehr schleppend. Inzwischen findet auch das Moderna-Vakzin hierzulande Anwendung. Mittels weiterer Impfstoffzulassungen steigt die Wahrscheinlichkeit auf ein schnelles Voranschreiten der Impfkampagne.

Dritter Kandidat, dessen Zulassung nun kurz bevorstehen könnte, ist das Vakzin des Konzerns Astrazeneca. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will bis zum 29. Januar über eine Zulassung entscheiden.

Die zugelassenen oder sich auf dem Weg der Zulassung befindlichen Präparate unterscheiden sich nicht nur im Preis pro Dosis, sondern auch was Wirksamkeit, Art der Lagerung oder auch die Anzahl notwendiger Impfungen angeht. Zudem werden sie in unterschiedliche Vakzin-Typen eingeordnet.

Pfizer / Biontech Moderna Astra­zeneca Johnson&­Johnson (noch in Testphase III)
Wirksam­keit 95 % 94,1 % 70 % 66 %
Anzahl der Impfungen 2 (nach 21 Tagen) 2 (nach 28 Tagen) 2 (nach 4 bis 12 Wochen) 1 (nach aktuellem Kenntnis­stand)
Kosten pro Dosis 12 Euro 14,70 Euro 1,78 Euro 6,98 Euro
Lagerung -70 °C -20 °C 2 bis 8 °C 2 bis 8 °C
Vakzin-Typ mRNA mRNA Virale Vektoren Virale Vektoren

Wichtig:

Studien deuten bei allen Impfstoffen darauf hin, dass sie sehr gut vor Komplikationen und schweren Krankheitsverläufen schützen.

Wie funktionieren die Impfstoffe und welche Unterschiede gibt es?

Biontech und Moderna haben RNA-Impfstoffe entwickelt. Diese genbasierten Stoffe wurden im Zuge der Corona-Vakzine zum ersten Mal für den Menschen zugelassen. Bei der Impfung gelangt Messenger-, also Boten-RNA, in die menschliche Zelle und liefert dort ein Transkript mit Informationen zur Kodierung von Antigenen ab. Diese Antigene lösen im Immunsystem die Bildung von T-Zellen und Antikörpern aus. Bei Kontakt mit dem Coronavirus bekämpfen die neu gebildeten Antikörper dieses.

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca und auch das für eine Zulassung im Februar diskutierte Präparat der US-Firma Johnson&Johnson sind hingegen sogenannte Vektor-Impfstoffe. Diese Methode gehört auch zu der neuen Generation von Impfklassen, die genbasiert sind. Gegen das Dengue-Fieber und gegen Ebola wurden solche Vektor-Impfstoffe bereits für Menschen zugelassen.

Vektor-Impfstoffe nutzen Trägerviren als virale Transporter beziehungsweise Schleuser. Die Schleuserviren werden mit einem Wirkstoff gegen das zu bekämpfende Virus versehen. Das können Gensequenzen sein, es kann aber auch die Oberfläche des Schleuservirus mit Merkmalen des zu bekämpfenden Virus versehen werden. Auch hier produzieren die menschlichen Zellen anschließend das Erreger-Antigen und so Antikörper.

Logistik: Wie unterscheiden sich die Präparate in der Lagerung und Anzahl der Impfungen?

Biontech, Moderna und Astrazeneca bedürfen alle einer Zweitimpfung, die je nach Präparat schon nach 21 Tagen oder spätestens sechs Wochen erfolgen muss. Die Ständige Impfkommission lehnte eine Streckung der von den Herstellern empfohlenen Angaben zur Zweitimpfung ab, da sonst die Wirkung nicht garantiert werden kann. Das Vakzin des US-Herstellers Johnson&Johnson könnte hier einen echten Vorteil bieten. Zwar wird aktuell noch die Testphase III ausgewertet. Doch scheinbar muss das Johnson&Johnson-Mittel nur einmal verabreicht werden. Dies könnte die Impfkampagne enorm beschleunigen.

Auch bei der Lagerung liegen die Vektor-Impfungen von Johnson&Johnson und Astrazeneca vorn. Sie können in normalen Kühlschränken aufbewahrt werden und sind deshalb für Impfungen in Arztpraxen leichter zu handhaben als die Mittel von Biontech und Moderna. Denn die müssen bei -70 Grad beziehungsweise -20 Grad gelagert werden.

Welcher Corona-Impfstoff wirkt am besten?

Zwar sind die neuartigen mRNA-Präparate in der Handhabung komplizierter und liegen auch preislich an der Spitze der vier Impfstoffe, dennoch ist ihre Wirksamkeit ausgesprochen hoch. So liegt Biontech bei 95 Prozent, Moderna nur knapp dahinter bei 94,1 Prozent.

Astrazeneca hat eine durchschnittliche Wirksamkeit um die 70 Prozent. Studienergebnisse zeigen, dass sie bei Teilnehmern, die zwei volle Impfdosen verabreicht bekommen hatten, bei 62 Prozent lag. War die erste Impfdosis jedoch nur eine halbe, erreichte die Wirksamkeit 90 Prozent. Zu dieser Erkenntnis kamen die Forscher nur aufgrund einer „glücklichen” Panne. Die Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse müssen jedoch noch geklärt werden.

Auch die Wirksamkeit bei Senioren steht derzeit noch zur Debatte. In Großbritannien wird der Astrazeneca-Impfstoff schon in zwei vollen Impfdosen verabreicht. Das Astrazeneca-Präparat ist mit Kosten von nicht mal zwei Euro pro Dosis das günstigste Vakzin.