Dachstuhl im Rohbau
Hagen Schulz
Hagen Schulz

Redakteur

Wo sich Bausparen in Zukunft wieder lohnt

Das Bausparen hat eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Galt es vor einigen Jahren noch als der sicherste Weg ins Eigenheim, nahm die Zahl der Vertragsabschlüsse in der Niedrigzinsphase deutlich ab. Da die Zinsen künftig wieder langsam, aber stetig steigen dürften, wird auch das Bausparen wieder attraktiver. Dies zeigen auch aktuelle Tests.

  • Steigen die Zinsen, werden Bausparverträge für die Finanzierung des Eigenheims wieder attraktiver. 
  • Ein Vergleich der Bausparverträge ist jedoch schwierig, da diese sehr komplex gestaltet sind. 
  • Testpublikationen wie Focus-Money oder Finanztest zeigen daher anhand von Musterfällen, welche Angebote überzeugen. 

Ein Bausparvertrag ist Geldanlage und Kredit in einem. Entsprechend setzte die Niedrigzinsphase den Bausparkassen besonders zu. Sparern konnten sie keine lohnende Rendite bieten. Kreditnehmer fanden bei spezialisierten Banken günstigere Angebote. Dadurch halbierte sich die Zahl der Neuabschlüsse von Bausparverträgen seit 2013.

Die sich andeutende Zinswende könnte diesen Trend nun umkehren. Zwar liegen die Zinsen für ein Bauspardarlehen mit 1,85 bis 2,95 Prozent aktuell vergleichsweise hoch. Allerdings sind sie auch für lange Zeit garantiert – auch wenn der Kunde das Darlehen beispielsweise erst in zehn Jahren abruft. Welche Anbieter sich für Bausparer jetzt schon lohnen, haben Focus-Money und die Stiftung Warentest untersucht.

Bausparverträge: Bei diesen Anbietern werden Darlehen schnell und günstig abbezahlt

Bausparverträge miteinander zu vergleichen, ist nicht einfach. Schließlich gilt es, Darlehens- und Sparzinsen sowie Abschlussgebühren und maximale Bausparsumme miteinander zu verrechnen. Focus-Money (Ausgabe 51/2018) erstellte seinen Test der Bausparkasse daher anhand von vier Musterfällen und fragte bei 19 Bausparkassen Angebote für die jeweiligen Varianten ab.

  • Klassisches Bausparen: Der Anleger möchte in sieben Jahren eine Immobilie erwerben und sie selbst zu Wohnzwecken nutzen. Ihm steht dafür ein festes monatliches Budget zur Verfügung.
  • Flexibles Bausparen: Der Anleger möchte in zehn Jahren eine Immobilie erwerben und eventuell vermieten. Nach der Art der Nutzung richtet sich sein monatliches Budget.
  • Zinssicheres Bausparen: Der Anleger hat bereits einen Betrag angespart, den er in den Kaufpreis einer selbst genutzten Eigentumswohnung investieren möchte. Den übrigen Betrag will er mit garantierten Zinsen und einem festen monatlichen Budget finanzieren.
  • Riestergefördertes Bausparen: Der Anleger möchte in zehn Jahren eine selbst genutzte Immobilie kaufen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er kann daher sein monatliches Budget mit einer Riesterförderung aufstocken.

Die Testsieger ermittelte Focus-Money je nach Musterfall anhand der kürzesten Tilgungsdauer, der höchsten Darlehenssumme, dem niedrigsten Darlehenszins und den niedrigsten Gesamtkosten.

Beim Klassischen und dem Flexiblen Bausparen platziert sich jeweils Signal Iduna Bauspar ganz vorne, gefolgt von Alte Leipziger Bauspar. In puncto Zinssicheres Bausparen überzeugen die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die Aachener Bausparkasse. Wer seinen Bausparvertrag mit einer Riesterförderung kombiniert, ist bei der Wüstenrot Bausparkasse am besten aufgehoben.

TippDie Experten der Testpublikationen weisen darauf hin, dass ein pauschales Urteil über die Qualität eines Bausparvertrags aufgrund seiner Komplexität nicht möglich ist. Interessierte sollten sich daher von einem Experten beraten lassen, um das Angebot zu finden, das am besten zu den individuellen Bedürfnissen passt.  

Über 2.000 Euro Vorteil gegenüber klassischen Baufinanzierungen

Auch die Stiftung Warentest (Finanztest Ausgabe 01/2019) arbeitete für ihren Vergleich der Bausparkassen mit vier Musterfällen. Die Bedingungen waren:

  • Geplante Baufinanzierung in acht Jahren, monatliche Sparrate 300 Euro
  • Geplante Baufinanzierung in zehn Jahren, monatliche Sparrate 200 Euro
  • Geplante Modernisierung in vier Jahren, keine Sparrate, Kapitalbedarf 50.000 bis 70.000 Euro, Soforteinzahlung 21.000 Euro
  • Geplante Modernisierung in sechs Jahren, flexible Sparrate, Kapitalbedarf 30.000 Euro, Soforteinzahlung 3.000 Euro

Die Stiftung Warentest errechnete dabei, welchen Vorteil bei der Finanzierung der jeweilige Bausparvertrag gegenüber einem klassischen Kredit hätte. Getestet wurden sowohl regional als auch deutschlandweit agierende Bausparkassen.

Im ersten Musterfall überzeugen BHW und Deutsche Bank Bauspar mit jeweils über 2.400 Euro Finanzierungsvorteil. Sie bieten auch im zweiten und dritten Musterfall die größten finanziellen Vorteile (über 2.200 Euro beziehungsweise über 1.800 Euro). In der vierten Variante sichern sich Schwäbisch Hall (769 Euro) und Alte Leipziger Bauspar (664 Euro) die Spitzenplätze.

Focus-Money und Stiftung Warentest kommen in ihren Vergleichen zum Schluss, dass der Bausparvertrag sich als Anlageform kaum rentiert, aufgrund seiner Zinssicherheit in Zukunft als Finanzierungsoption aber wieder attraktiver wird.

Tipp: Wie die Bausparkassen in früheren Vergleichen von Focus-Money, Stiftung Warentest und weiteren Tests abgeschnitten haben, erfahren Interessierte auf unseren Seiten „Bausparvertrag im Test“.