Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

ZDF Frontal 21: Patienten allein gelassen – Ärzte ohne Haftpflicht

Vergangene Woche teilte der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit, dass sich 2015 jeder vierte Verdacht auf einen Behandlungsfehler bestätigte. Doppelt bitter wird es für Patienten, wenn ihr Arzt nicht gegen Fehler versichert ist. Dabei werden mehr als 500.000 Patienten pro Monat von Ärzten ohne Versicherung behandelt, berichtet aktuell ZDF Frontal 21.

Veröffentlicht am 17. Mai 2016
Angestellte und niedergelassene Ärzte müssen sich gegen Schäden versichern, die im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit entstehen. Solch eine Berufshaftpflichtversicherung schützt dabei nicht nur den Mediziner selbst, wenn er für einen Behandlungsfehler finanziell haftbar gemacht wird. Auch Patienten kommt die Absicherung zugute. Denn behandelt ein Arzt sie falsch oder macht Fehler, bleiben sie auf weiteren Behandlungskosten aufgrund der Fehlbehandlung oder von Gutachten, um diese festzustellen, nicht sitzen. Doch wie ZDF Frontal 21 jetzt berichtet, praktizieren Ärzte in Deutschland zum Teil ohne entsprechende Haftpflichtversicherung. Jeden Monat werden etwa 550.000 Patienten von Medizinern ohne Versicherungsschutz behandelt, so die Schätzung.



Fehlender Versicherungsschutz des Arztes

Patienten haben keine Chance zuverlässig zu erfahren, ob ihr Arzt versichert ist. Sie können ihn zwar fragen. Doch ob er wahrheitsgemäß antwortet, ist ungewiss. Experten fordern daher ein Meldesystem. Solange dies ausbleibt, sind Patienten Ärzten „ausgeliefert“, so Frontal 21. Denn selbst wenn sie den Behandlungsfehler nachweisen können, etwa bei einem Zahnarzt, der beim Einsetzen eines Implantats einen Knochen im Oberkiefer durchbrochen hat, heißt dies nicht automatisch, dass Betroffene ihr Geld bekommen. Denn der Arzt kann in der Zwischenzeit Insolvenz angemeldet haben.

Berufshaftpflichtversicherung Arzt: Keine Versicherung wegen steigender Beiträge

Ein Grund, warum sich Ärzte nicht versichern, stellen die steigenden Versicherungskosten dar. Immer mehr Patienten klagen Behandlungsfehler ein, sodass die Versicherer zahlen. In der Konsequenz erhöhen sich die Beiträge – in den letzten zwei bis drei Jahren für Praxisärzte um bis zu 100 Prozent, berichtet NDR Markt.

Verbraucherschützer sehen die Politik am Zug, im Patientenrechtegesetz ein Meldesystem zu verankern. Dies würde am Ende auch dem Vertrauen zwischen Arzt und Patient guttun, wenn sich niemand Gedanken über unzureichenden Versicherungsschutz machen müsste.