Abmahnung wegen Krankheit Kann ein Arbeitgeber wegen Erkrankung abmahnen?

Wer krank wird und vorübergehend nicht arbeiten kann, muss sich in der Regel keine Sorgen darum machen, dass die Erkrankung negative Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis hat. Doch wann droht eine Abmahnung wegen Krankheit und was ist zu tun, wenn der Arbeitgeber ungerechtfertigt abmahnt?

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Wann darf der Chef abmahnen?

Das solltest du zur Abmahnung wegen Krankheit wissen

Kranksein macht niemals Spaß und wer krank wird, sollte sich möglichst schonen. Viele Menschen machen sich allerdings Gedanken darüber, ob eine Erkrankung eine Abmahnung seitens des Arbeitgebers nach sich ziehen könnte. Unter Umständen kann dies der Fall sein, wobei an eine Abmahnung wegen Krankheit strenge Voraussetzungen geknüpft sind.

Wann müssen sich Arbeitnehmer keine Gedanken um Abmahnungen machen und wann ist eine solche Vorgehensweise seitens des Chefs nicht erlaubt? Wir erklären dir alles, was du rund um krankheitsbedingte Abmahnungen im Berufsleben wissen solltest.

  1. Ist ein Arbeitnehmer erkrankt, rechtfertigt dies keine Abmahnung vom Arbeitgeber, selbst wenn die Krankheit länger andauert.
  2. Mit einer Abmahnung wegen Krankheit ist dagegen zu rechnen, wenn der Erkrankte seinen Vorgesetzten zu spät über das Kranksein informiert beziehungsweise die Krankschreibung vom Arzt verspätet einreicht.
  3. Wer eine Erkrankung vortäuscht, muss nicht nur mit einer Abmahnung, sondern sogar mit einer Kündigung rechnen.
  4. Ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt, hast du verschiedene Optionen, darauf zu reagieren.

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Kann der Arbeitgeber bei einer Erkrankung abmahnen?

01. Die Rechtmäßigkeit einer Abmahnung wegen Krankheit

Eine Abmahnung ist eine Warnung seitens des Arbeitgebers. Sie soll den Mitarbeiter auf sein Fehlverhalten hinweisen und dazu auffordern, dieses Verhalten in Zukunft zu ändern. Daher ist eine Abmahnung wegen Krankheit in der Regel nicht rechtmäßig, denn in den seltensten Fällen ist eine Erkrankung selbst verschuldet und daher normalerweise nichts, was der Mitarbeiter durch eine Verhaltensänderung zukünftig verhindern kann.

Es gibt allerdings durchaus Situationen, wo eine Abmahnung gerechtfertigt ist. Dies ist dann der Fall, wenn der Mitarbeiter seine Krankmeldung nicht fristgerecht einreicht beziehungsweise seinen Arbeitgeber nicht rechtzeitig darüber informiert, dass er nicht zur Arbeit erscheinen kann.

  • In jedem Arbeitsvertrag ist festgelegt, wann der Mitarbeiter im Falle einer Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Krankenschein) vorlegen muss.
  • Selbst wenn eine Krankschreibung erst nach einigen Tagen gefordert ist, muss der Arbeitnehmer seinen Vorgesetzten rechtzeitig darüber informieren, wenn er nicht zur Arbeit erscheinen kann. Dies ist spätestens dann der Fall, wenn der Mitarbeiter eigentlich bei seiner Arbeit erscheinen müsste.
  • Kommt ein Arbeitnehmer seiner Anzeigepflicht und Beweispflicht nicht nach und teilt eine Erkrankung zu spät mit oder reicht einen Krankenschein verspätet ein, droht eine Abmahnung.

Eine Krankschreibung muss der Erkrankte nicht sofort im Original vorlegen. Wer schwer erkrankt und daher die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht persönlich abgeben kann, hat die Möglichkeit, sie zunächst in Form eines Scans oder eines Fotos vorzulegen und das Original später nachzureichen.

Wichtig: Eine Abmahnung ebnet den Weg für eine Kündigung. Kommt das beanstandete Verhalten erneut vor, kann der Arbeitgeber den Mitarbeiter ordentlich oder außerordentlich kündigen. Ein Arbeitgeber kann allerdings von der Kündigung absehen und stattdessen eine erneute Abmahnung erteilen. Eine vorgeschriebene Anzahl an Abmahnungen vor einer Kündigung gibt es nicht, sodass stets im Einzelfall entschieden wird.

Anja
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Gelten andere Regeln?

02. Diese Form muss eine Abmahnung haben

Für Auszubildende gelten hinsichtlich der Anzeige- und Beweispflichten dieselben Regeln wie für Angestellte. Sie haben ebenfalls die Pflicht, sich rechtzeitig zu melden, wenn sie krank geworden sind und entsprechend den Regelungen im Ausbildungsvertrag eine Bescheinigung vom Arzt vorzulegen, wenn die Erkrankung länger dauert. Ebenso wie bei einem Anstellungsverhältnis ist eine Abmahnung wegen Krankheit in der Ausbildung nicht rechtens, selbst wenn der Auszubildende längere Zeit oder häufig krank ist.

Außerdem solltest du unterscheiden, ob es sich nun um ein tatsächliches krank sein handelt oder ob du einfach einen kleinen Reset-Day einlegen musst. Was das ist? Nun manche Firmen bieten einen “gratis freien Tag an”, wenn du dich einmal nicht fühlst oder dein Stresslevel bekämpfen musst. Solltest du am Folgetag natürlich ausfallen, musst du selbstverständlich zum Arzt. Informiere dich doch einmal bei deinem Arbeitgeber.

Form und Inhalt

03. Das steht in einer Abmahnung wegen Krankheit

Eine wirksame Abmahnung muss eine gewisse Form haben und bestimmte Angaben sowie Informationen enthalten:

  • In dem Abmahnschreiben muss das Wort „Abmahnung“ gut sichtbar enthalten sein, damit auf einen Blick ersichtlich ist, dass es sich um eine arbeitsrechtliche Rüge handelt.
  • Der Vorfall, der zu einer Abmahnung geführt hat, muss detailliert und unmissverständlich beschrieben werden.
  • Der vollständige Name und die Anschrift des Abgemahnten gehören ebenso in ein solches Schreiben wie Datum und Uhrzeit des zur Last gelegten Vorgehens.
  • Der Arbeitgeber muss im Abmahnschreiben arbeitsrechtliche Konsequenzen androhen, sollte sich das abgemahnte Verhalten nicht ändern, wobei das Wort „Kündigung“ nicht zwangsläufig enthalten sein muss.

Ist eine mündliche Abmahnung möglich? Ja, ein Arbeitgeber oder ein Ausbilder kann eine Abmahnung auch mündlich erteilen. Allerdings wird es später schwieriger sein, dies zu beweisen, falls es zu einer Kündigung kommen sollte, gegen die sich der Arbeitnehmer oder Auszubildende wehrt.

Anja
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Gravierende Konsequenzen drohen

04. Abmahnung wegen vorgetäuschter Krankheit

Wird ein Arbeitnehmer nicht wirklich krank, sondern täuscht die Erkrankung nur vor, um zum Beispiel wegen angeblicher Arbeitsunfähigkeit Lohnfortzahlung zu erhalten, hat dies unter Umständen negative Folgen. Beweist der Arbeitgeber, dass eine Scheinkrankheit vorliegt, rechtfertigt dies eine fristlose Kündigung, ohne dass eine vorhergehende Abmahnung notwendig ist.

Ähnlich verhält es sich, wenn ein Mitarbeiter androht, sich krankschreiben zu lassen, falls gewisse Forderungen nicht erfüllt werden. Ein solches Verhalten gehört zu den gravierenden Pflichtverletzungen und rechtfertigt mindestens eine Abmahnung wegen Krankheit mit Ansage. Selbst eine Kündigung steht in solchen Fällen im Raum.

 

Was tun?

05. So reagierst du auf eine Abmahnung wegen Erkrankung

Nicht immer sind Abmahnungen gerechtfertigt. Einen rechtlichen Anspruch darauf, dass die Rüge aus deiner Personalakte entfernt wird, hast du leider nicht, selbst wenn du im Recht bist. Das bedeutet aber nicht, dass dir die Hände gebunden sind: Bekommst du eine Abmahnung wegen Krankheit, obwohl du dir nichts vorzuwerfen hast, gibt es verschiedene Handlungsoptionen.

Das Gespräch suchen

Sprich deinen Arbeitgeber an und versuche, auf diese Weise eine Klärung zu erreichen. Möglicherweise handelt es sich um ein Missverständnis, das sich durch ein Gespräch aufklären lässt.

Eine Gegendarstellung verfassen

Es besteht kein Anspruch darauf, eine Abmahnung aus der Personalakte entfernen zu lassen. Du hast aber die Möglichkeit, eine Gegendarstellung zu formulieren beziehungsweise einen Widerspruch zu verfassen. Diese Gegendarstellung muss in die Personalakte aufgenommen werden.

Beschwerde einreichen

Wenn es in deiner Firma einen Betriebsrat gibt, kannst du dort eine Beschwerde wegen der ungerechtfertigten Abmahnung einreichen.

Anwaltliche Hilfe suchen

Wende dich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht und lasse dich von ihm beraten. Ein Anwalt kann die Abmahnung hinsichtlich der Wirksamkeit und Rechtmäßigkeit prüfen und dich über mögliche weitere Vorgehensweisen aufklären.

Rechtliche Schritte einleiten

Nicht zuletzt hast du außerdem die Möglichkeit, eine Klage einzureichen und deinen Fall vor das Arbeitsgericht zu bringen. Auch dabei ist die Hilfe eines Rechtsanwalts unerlässlich.

Bist du auf die Hilfe eines Rechtsanwalts angewiesen oder strebst ein Gerichtsverfahren an, denke unbedingt über eine Rechtsschutzversicherung (RSV) nach. Eine solche Versicherung übernimmt die Kosten für Anwälte, Gerichtsverfahren und Sachverständige. Um den für dich besten Versicherungstarif zu finden, solltest du dich an einen Versicherungsexperten wenden, der dir dabei hilft, die wichtigsten Tarifbausteine und Leistungen zu finden.

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Wir behalten deine Daten für uns, versprochen.

Zuletzt aktualisiert am: 25.01.2023

Autor des Beitrags

Anja
Expertin für Rechtsschutzversicherungen