Pflegeversicherung

Private Vorsorge für den Pflegefall
Pflegeversicherung
  • Umfassende Hilfe bei Pflegebedürftigkeit
  • Pflegeheimplatz kostet rund 3.000 Euro pro Monat
  • Gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur 2.005 Euro
  • Pflegezusatzversicherung als wichtige Ergänzung

Was ist eine Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung unterstützt gesetzlich und privat Krankenversicherte finanziell, wenn sie auf Pflege angewiesen sind. Seit 1995 gibt es diese Sozialleistung. Doch die gesetzliche Absicherung reicht nicht aus, um die tatsächlichen Kosten einer ambulanten oder stationären Pflege abzudecken. Darum ist es sinnvoll, zusätzlich privat vorzusorgen. Seit einigen Jahren wird der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung teilweise sogar vom Staat gefördert.

Pflegeversicherung vor den Herausforderungen der Zukunft

Im Dezember 1999 gab es in Deutschland zirka 2,02 Millionen pflegebedürftige Menschen. Ende 2015 waren es schon 2,68 Millionen Betroffene. Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. So werden im Jahr 2050 rund 4,5 Millionen Menschen auf die Hilfe von Angehörigen oder auf professionelle Pflegekräfte angewiesen sein. Hinzu kommt, dass die Pflegebedürftigen auch immer länger Pflege in Anspruch nehmen – schließlich steigt die Lebenserwartung.

Dieser Wandel in der Gesellschaft stellt nicht nur die gesetzliche Pflegeversicherung vor enorme Herausforderungen, sondern auch die Betroffenen selbst. Denn die Pflegeleistungen sind nicht dazu gedacht, die gesamten Pflegekosten abzudecken. Vielmehr sollen sie eine teilweise finanzielle Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit garantieren. Doch schon heute sind viele Menschen mit den Restkosten überfordert. So kann ein Platz in einem Pflegeheim schnell 3.000 Euro pro Monat kosten. Die Pflegekasse zahlt im besten Fall nur zwei Drittel des Betrags. Der Rest muss aus dem eigenen Einkommen und Vermögen beglichen werden. Reicht dieses nicht aus, können auch Angehörige wie Ehepartner oder Kinder zur Zahlung der Pflegekosten verpflichtet werden.

Grundlegende Veränderungen im Pflegesystem: Pflegegrade lösen Pflegestufen ab

Seit Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung hing der Grad der Pflegebedürftigkeit eines Einzelnen im Wesentlichen von dessen körperlichen Einschränkungen ab. Je mehr Hilfe er beispielsweise beim Waschen oder Einkaufen brauchte, desto höher ist die Pflegestufe gewesen. Diese Definition von Pflegebedürftigkeit hat allerdings zur Folge gehabt, dass Menschen, die beispielsweise an Demenz oder anderweitig geistig erkrankt sind, ein deutlich geringerer Pflegebedarf zugeschrieben wurde als sie tatsächlich benötigten.

Um allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu den Pflegeleistungen zu ermöglichen, wurde 2017 der alte Pflegebedürftigkeitsbegriff durch einen neuen ersetzt. Seitdem steht nicht mehr der Hilfebedarf in Minuten, sondern die Selbstständigkeit im alltäglichen Leben im Zentrum der Frage, wie pflegebedürftig eine Person ist. Im Zuge dessen wurden die bisherigen Pflegestufen von den Pflegegraden abgelöst.

Alt – Pflegestufen bis 2016 Neu – Pflegegrade seit 2017
Pflegestufe 0: Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe I: Bei einem durchschnittlichen Hilfebedarf von mindestens 90 Minuten täglich Pflegegrad 2: Erhebliche  Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe II: Bei einem durchschnittlichen Unterstützungsbedarf von mindestens 180 Minuten täglich Pflegegrad 3: Schwere  Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe III: Bei einem durchschnittlichen Hilfebedarf von mindestens 300 Minuten täglich Pflegegrad 4: Schwerste  Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe III mit Härtefallregelung: Bei einem durchschnittlichen Hilfebedarf von mindestens 360 Minuten täglich, davon mindestens dreimal in der Nacht Pflegegrad 5:  Schwerste  Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Was sich für Pflegebedürftige in der gesetzlichen Pflegeversicherung ändert

Personen, die vor 2017 bereits Pflegeleistungen bezogen haben, haben automatisch einen neuen Pflegegrad erhalten. Dabei gilt in der Regel, dass Pflegebedürftige mit körperlichen Einschränkungen in den nächsthöheren Pflegegrad im Vergleich zu ihrer ehemaligen Pflegestufe kommen, während Personen mit Demenz in den übernächsten Grad eingestuft werden.

Wer dagegen seit 2017 erstmals Anspruch auf die Leistungen der Pflegekasse hat, wird von einer Gutachterin oder einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) begutachtet. Der Experte beurteilt in sechs unterschiedlich gewichteten Bereichen, wie selbstständig eine Person ist. Diese sind:

  • Mobilität (10 Prozent)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 Prozent)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 Prozent)
  • Selbstversorgung (40 Prozent)
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20 Prozent)
  • Gestaltung des Alltaglebens und sozialer Kontakte (15 Prozent)

Die gesetzliche Pflegekasse bestimmt auf Grundlage des MDK-Gutachtens, in welchem Umfang ein Betroffener Pflege benötigt. Die Höhe der Leistungen richtet sich nicht nur nach dem Pflegegrad, sondern auch nach der Art der Pflege. So gibt es für die Betreuung durch Angehörige in den eigenen vier Wänden andere Leistungen als bei einer vollstationären Pflege im Pflegeheim.

Pflegegrad Leistung bei privater Pflege Leistung bei ambulantem Pflegedienst Leistung bei vollstationärer Pflege
1     125 Euro
2 316 Euro 689 Euro 770 Euro
3 545 Euro 1.298 Euro 1.262 Euro
4 728 Euro 1.612 Euro 1.775 Euro
5 901 Euro 1.995 Euro 2.005 Euro

Stand 2017

Für wen ist die private Pflegeversicherung sinnvoll?

Trotz der bedarfsgerechteren Einteilung der Pflegebedürftigen in Pflegegrade und den ausgeweiteten Leistungen bleibt die gesetzliche Pflegeversicherung nicht mehr als eine Teilabsicherung im Pflegefall. Eine zusätzliche Pflegeversicherung sollte daher in Anbetracht der hohen Pflegekosten jeder abschließen, und zwar so früh wie möglich. Denn die Träger der gesetzlichen Pflegeversicherung, die Pflegekassen, können pflegebedürftigen Menschen nur eine sehr magere Unterstützung und unzureichende Leistungen bieten. Dabei steigen die Kosten für die Pflege weiter an. Eine private Pflegezusatzversicherung dagegen leistet weitreichende finanzielle Hilfe bei Pflegebedürftigkeit.

Pflege-Bahr - Geförderte Pflegeversicherung

Aufgrund der hohen Notwendigkeit, für die Pflegefall finanziell vorbereitet zu sein, fördert der Staat seit dem 1. Januar 2013 über den sogenannten Pflege-Bahr den Abschluss einer privaten Pflegetagegeldversicherung. Hier erhalten Versicherte einen Zuschuss von monatlich fünf Euro, wenn sie selbst mindestens zehn Euro für die Pflegevorsorge zahlen. Der Tarif muss dabei bei höchster Pflegebedürftigkeit Leistungen in Höhe von mindestens 600 Euro monatlich erbringen. Angesichts dieses Betrags bemängeln Experten jedoch, dass die Leistungen des Pflege-Bahrs im Ernstfall zu gering sind.

 

Redaktions-Tipp: Pflegevorsorge für alle Fälle

Menschen mit Vorerkrankungen haben es nicht immer leicht, eine Pflegezusatzversicherung zu finden. Beim Pflege-Bahr dürfen die Versicherer jedoch niemanden aufgrund von Vorerkrankungen ablehnen.

Welche Leistungen bietet die zusätzliche Pflegeversicherung?

Eine Pflegezusatzversicherung kann Ihnen dabei helfen, die Lücken zu schließen, die durch geringe Leistungen Ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung entstehen. Für einen Platz im Pflegeheim zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung abhängig zum Pflegegrad beispielsweise nur 2.005 Euro. Da die Pflege im Heim aber 3.000 Euro oder mehr pro Monat kostet, können Ihnen schnell hohe Pflegekosten von 12.000 Euro jährlich entstehen. Diesen müssen dann entweder Sie selbst oder Ihre Angehörigen leisten. Nicht selten wird dann Sozialhilfe notwendig. Mit einer Zusatzversicherung für den Fall der Pflege sind Sie und Ihre Angehörige finanziell abgesichert.

 

Das sagen Experten

finanzen.de hat verschiedene Experten zum Thema Pflegeversicherung befragt. Professorin Gruner erklärt im Gespräch, was die Versicherer verbessern sollten. Die Pflege-Experten Professorin Bienstein und Professor Goerres liefern Informationen darüber, welche Herausforderungen in der Zukunft auf die Pflege zukommen werden.

Welche Form der privaten Vorsorge eignet sich am besten?

Mit einer privaten Pflegezusatzversicherung lässt sich die Versorgungslücke zwischen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten bei Pflegebedürftigkeit schließen. Allerdings gibt es verschiedene Varianten der privaten Pflegevorsorge.

1. Pflegetagegeld

Eine Pflegetagegeldversicherung bietet sich an, wenn die Pflege privat vorgenommen werden soll oder wenn Sie ein Zusatzeinkommen erhalten möchten. Durch diese Form der Pflegeversicherung bekommen Pflegebedürftige einen vereinbarten Betrag für jeden Tag, an dem sie Pflege benötigen. Die Höhe vom Pflegegeld ist abhängig vom Grad ihrer Pflegebedürftigkeit. Bei höchster Pflegebedürftigkeit gibt es das volle Tagegeld. Manche Tagegeldversicherungen zahlen bei der Pflege im Heim mehr als bei privater Pflege.

2. Pflegekostenversicherung

Pflegeversicherung
Die Pflegekosten können leicht mehr als
3.000 Euro monatlich betragen

Diese Variante der Pflegeversicherung ist sinnvoll, wenn die Pflege durch professionelles Personal erfolgen soll. Bei privater Pflege bietet sie weniger Unterstützung. Die Versicherung hilft Ihnen beim Begleichen der Rechnungen von Pflegeeinrichtungen und bietet verschiedene Leistungen. Welchen Anteil der Kosten die Pflegeversicherung übernimmt, bestimmen Sie beim Vertragsabschluss.

Hierbei sollte beachtet werden, dass die Kosten, welche von Pflegeeinrichtungen in Rechnung gestellt werden, sehr hoch sein können. Zahlungen von mehreren tausend Euro pro Monat sind keine Seltenheit und sollten bei der Wahl der Beitragssummen berücksichtigt werden.

3. Pflegerentenversicherung

Möchten Sie im Pflegefall eine Rente bzw. ein Pflegegeld erhalten, so empfiehlt sich der Abschluss einer Pflegerentenversicherung. Diese ist eine spezielle Form der Lebensversicherung. Sie zahlt Ihnen bei Pflegebedürftigkeit eine von Ihnen zuvor bestimmte Rente als Pflegegeld aus.

Testsieger mit besten Leistungen

Vor dem Abschluss einer privaten Pflegeversicherung lohnt sich ein Vergleich einzelner Versicherungsangebote. Bei der Tarifauswahl sollten Sie nicht nur auf den Preis achten, sondern vor allem auch die Leistungen und Vertragsbedingungen der verschiedenen Anbieter genauer unter die Lupe nehmen. Hier helfen Ihnen auch Tests und Testergebnisse, etwa von der Stiftung Warentest. Ein Blick auf die aktuellen Testsieger kann Sie bei der Wahl eines passenden Tarifs unterstützen.

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