Betriebliche Altersvorsorge

Wie sinnvoll ist die betriebliche Altersvorsorge?

  • Vorteil: Beiträge gehen direkt vom Brutto ab
  • Nachteil: Sozialabgaben auf Aufzahlung fällig
  • Passende Alters­vorsorge­strategie jetzt finden

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Zuletzt aktualisiert: Juli 2021

So funktioniert die betriebliche Altersvorsorge

Mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stocken Arbeitnehmer ihre spätere Rente durch regelmäßige Beitragszahlungen direkt vom Bruttogehalt auf. Dies ist mit einigen Vorteilen verbunden. Der große Nachteil der Betriebsrente wurde jedoch auch mit der letzten Reform nicht behoben.

Weitere Themen

Immer gut zu wissen:

Betriebliche Altersvorsorge gesetzlich garantiert

Jeder Arbeitnehmer kann mit einer betrieblichen Altersvorsorge (auch betriebliche Altersversorgung genannt) ein finanzielles Polster für das Alter aufbauen. Denn der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Vorsorgeform anzubieten. Er kümmert sich um alles Bürokratische und entscheidet, welcher der Durch­führungswege genutzt wird.

In den meisten Unternehmen wird durch Direkt­versicherungen oder eine Pensionskasse betrieblich vorgesorgt. Arbeitnehmer treffen zuweilen auch auf eine von vier weiteren Möglichkeiten. Insgesamt gibt es sechs Durch­führungswege.

Die Durchführungs­wege schnell erklärt:

Anzahl bAV-Verträge

Pensions­fonds 526.000
Direktzusage und Unterstützungs­kasse 4.747.000
Pensions­kasse 4.741.000
 Direkt­versicherung 5.180.000

Quelle: Forschungsbericht des BMAS „BAV 2019“

Da der Arbeitgeber entscheidet, wie und gegebenenfalls mit welchem Anbieter die Vorsorge gestaltet wird, haben Arbeitnehmer wenig bis kein Mitsprache­recht. Wer bei der Altersvorsorge mehr Entscheidungs­freiheit haben möchte, kann alternativ mit einer privaten Vorsorgeform Geld anlegen. Hier bietet sich neben geförderten Formen wie der Riester-Rente auch eine private Rentenversicherung an.

Tipp:

Welche Strategie eine hohe zusätzliche Rente verspricht, lässt sich meist nur herausfinden, wenn sich Verbraucher zu verschiedenen Vorsorge­optionen informieren. Sinnvoll ist es, sich dabei von einem Altersvorsorge-Experten unterstützen zu lassen.

So funktioniert die Entgelt­umwandlung bei der Altersversorgung

Das Hauptargument für die betriebliche Altersvorsorge ist die Entgelt­umwandlung. Durch sie werden die Beiträge für die Alters­versorgung nicht aus dem Netto-, sondern aus dem Bruttoeinkommen gezahlt.

Das niedrigere Brutto führt zu weniger Steuern und Sozialabgaben etwa für die Kranken­versicherung. Die Befreiung ist allerdings begrenzt. 2021 können monatlich maximal 284 Euro sozial­abgabenfrei investiert werden und bis zu 568 Euro steuerfrei.

Welche Auswirkungen die Entgelt­umwandlung hat, zeigt folgendes Beispiel:

Ein 30-jähriger, unverheirateter, kinderloser Angestellter in Hamburg mit monatlichem Bruttogehalt von 3.000 Euro erhält eine Auszahlung von 1.964,780 Euro netto.

Investiert er von seinem Brutto 200 Euro in die bAV, reduziert sich der Nettolohn um lediglich rund 100 Euro auf 1.858,30 Euro. Grund sind die geringeren Abzüge für Steuern und Sozialversicherung.

Achtung:

Durch die Entgelt­umwandlung zahlen Arbeitnehmer auch weniger Beiträge an die gesetzliche Renten­versicherung. Dadurch reduziert sich die spätere Rente. Die Differenz muss die betriebliche Altersvorsorge erst einmal ausgleichen. Zudem haben Sparer geringere Ansprüche beim Krankengeld, Elterngeld und Arbeits­losengeld.

Aktuelles zur Altersvorsorge

Direktversicherung: Ein Weg der betrieblichen Altersvorsorge

Mit über acht Millionen Verträgen ist die Direktversicherung die in Deutschland am weitesten verbreitete Art der betrieblichen Altersvorsorge. Es handelt sich dabei um eine gegebenenfalls fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung, die der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter abschließt.

Die Vorteile der Direktversicherung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf einen Blick

Das Modell der Direktversicherung nützt nicht nur Arbeitnehmern – auch Arbeitgeber zahlen weniger Lohnnebenkosten (Sozialabgaben) für ihre Angestellten, wenn sie sich an dieser Form der betrieblichen Altersvorsorge beteiligen.

Diese konkreten Vorteile ergeben sich für die Beteiligten:

  • Vorteile für Arbeitnehmer
  • Vorteile für Arbeitgeber

Welche Gebühren entstehen bei der Direktversicherung?

Obwohl der Arbeitgeber die freie Wahl hat, für welche Versicherungsgesellschaft und welches konkrete Direktversicherungsmodell (Kapitallebensversicherung oder Rentenversicherung) er sich entscheidet, ist es von Vorteil, die Gebühren der angebotenen Police zu kennen. Es können von Anbieter zu Anbieter unterschiedliche Abschlusskosten anfallen. Hier variieren die Gebühren häufig zwischen 400 und 1.600 Euro. Es gibt sogar Versicherer, die keine Abschlusskosten verlangen.

Darüber hinaus erheben viele Versicherer Verwaltungskosten. Gängig sind rund sieben Prozent des gezahlten Versicherungsbeitrags. In einigen Fällen kommen zusätzlich Vertriebskosten hinzu, um die Vertriebsorganisation des Versicherers aufrechtzuerhalten.

Gut zu wissen:

Alle Gebühren sind in den monatlichen Versicherungsbeiträgen eingerechnet und werden nicht zusätzlich abgebucht.

Steuererleichterungen in der Ansparphase für Direktversicherungen seit 2005

Das Alterseinkünftegesetz regelt für Direktversicherungen die nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet, dass 2021 jeder Arbeitnehmer bis zu 568 Euro pro Monat in die Direktversicherung steuerfrei einzahlen darf. Später, wenn die Renten aus der Direktversicherung ausgeschüttet werden, müssen sie mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Der ist mit Eintritt in das Rentenalter bei den meisten Arbeitnehmern deutlich niedriger als in der Zeit der Erwerbstätigkeit. Daher ergibt sich aus der nachgelagerten Besteuerung in der Regel ein Vorteil.

Für die Sozialabgaben gilt hingegen: Bis Einzahlungen von 284 Euro im Monat zahlen Angestellte keine Beiträge für Krankenkasse, Pflegeversicherung, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Für die Auszahlungsphase wurde darüber hinaus 2020 ein Freibetrag für die Sozialabgaben der späteren Rentenzahlung aus der Direktversicherung eingeführt. 2021 beträgt 164,50 Euro pro Monat.

Direktversicherung oder Pensionskasse: Was ist besser?

Das Prinzip der Direktversicherung und der Pensionskasse ist grundsätzlich gleich: Bei beiden Vorsorgeformen geht es um eine Entgeltumwandlung. Doch beim Auszahlungszeitpunkt gibt es einen großen Unterschied: Renten aus der Pensionskasse werden nur dann ausgezahlt, wenn der Arbeitnehmer tatsächlich voll im Ruhestand ist, also keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht. Schiebt er seinen Renteneintritt auf, erhält er in dieser Zeit keine Rente aus der Pensionskasse.

Die Auszahlung der Renten aus der Direktversicherung wird hingegen auf ein bestimmtes Alter beziehungsweise Datum festgelegt. In der Regel ist das an den Eintritt in die Regelaltersrente geknüpft. Entscheidet sich der Versicherte länger zu arbeiten, erhält er trotzdem die Rente aus der Direktversicherung.

Arbeitgeber sollte sich an betrieblicher Altersvorsorge beteiligen

Damit sich die betriebliche Altersvorsorge lohnt, gilt als Faustregel, dass sich der Arbeitgeber zu mindestens 20 Prozent am Beitrag beteiligen sollte. Ist der Zuschuss niedriger, sollten Interessierte mithilfe eines Vorsorgeexperten durchrechnen, ob die bAV für sie persönlich sinnvoll ist.

Neu seit 2019:

Für seit 2019 vereinbarte Verträge ist der Arbeitgeber verpflichtet, 15 Prozent des Arbeit­nehmerbeitrags zuzusteuern. Dieser Anteil entspricht der Summe, die der Chef durch geringere Lohnnebenkosten aufgrund des niedrigen Bruttogehalts einspart. Bei Altverträgen gilt der Zuschuss ab 2022.

Was geschieht beim Arbeitgeber­wechsel?

Angestellte verbringen nur selten ihr gesamtes Berufsleben in einem Unternehmen. Daher ist es gut zu wissen, dass die angesparten Ansprüche nicht verloren gehen, wenn Sparer den Arbeitgeber wechseln.

Generell gibt es drei Möglichkeiten:

Wichtig:

Hat sich der bisherige Arbeitgeber an der Altersvorsorge beteiligt, gelten die Ansprüche nur dann als unverfallbar, wenn der Mitarbeiter mindestens fünf Jahre angestellt war und 25 Jahre oder älter ist. Für ab 2018 vereinbarte bAV-Verträge liegen die Fristen bei drei Jahren Betriebs­zugehörigkeit und bei einem Mindestalter von 21 Jahren.

Vorteile und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge im Überblick

  • Vorteile
  • Nachteile

Wie viel Betriebsrente wird ausgezahlt?

Arbeitnehmer erhalten die betriebliche Altersvorsorge im Alter zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Sie haben dabei die Wahl zwischen einer monatlichen Rente und einer einmaligen Kapital­auszahlung. Dabei ist allerdings folgendes zu beachten.

Zum Vergleich:

Bei der gesetzlichen Rente übernimmt die Rentenkasse die Hälfte des Krankenkassen­beitrags, wenn der Rentner gesetzlich pflichtversichert ist. Die Riester-Rente und die Rürup-Rente sind sogar komplett abgabenfrei. Nur Betriebsrentner müssen den Beitrag zur Pflege- und Kranken­versicherung zahlen, wodurch sich die Auszahlung reduzieren kann, vor allem, wenn sie hoch ausfällt.

Fließt die bAV als Kapital­auszahlung, fallen auf ein 120-stel der Summe Sozialabgaben an. Diese müssen für zehn Jahre gezahlt werden. Beträgt die volle Betriebsrente beispielsweise 50.000 Euro, waren bisher 416 Euro abgabenpflichtig. Das bedeutet, dass die Pflege- und Krankenkasse jeden Monat durchschnittlich 78 Euro einzog. Auf zehn Jahre berechnet entsprach dies einer Summe von 9.360 Euro.

Mit der Anwendung des Freibetrags auf die theoretische monatliche Summe reduziert sich allerdings auch für Personen mit einer Einmalauszahlung die finanzielle Belastung durch den Krankenkassenbeitrag etwas.

Privat oder betrieblich vorsorgen?

„Die Altersvorsorge ist ein bedeutsames, aber auch sehr komplexes Thema. Arbeitnehmer sollten keine übereilten Entscheidungen treffen, sondern sich zielgerichtet informieren und unabhängig beraten lassen“, mahnt der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Dies gilt insbesondere für die betriebliche Altersversorgung. Zwar können Angestellte mit ihr ihren finanziellen Spielraum im Ruhestand deutlich erhöhen. Allerdings sollte sie ihr Arbeitgeber dabei unterstützen. Ist dies nicht der Fall, zahlt sich eine private Vorsorge mit staatlicher Förderung oder eine andere private Altersvorsorge eher aus. Sinnvoll ist es daher, mehrere unterschiedliche Angebote zur Altersvorsorge in Betracht zu ziehen, um sich für eine auskömmliche Finanzplanung im Alter zu entscheiden.

  • FAQ – Häufig gestellte Fragen