Betriebliche Altersvorsorge

Wie sinnvoll ist die betriebliche Altersvorsorge?

  • Vorteil: Beiträge gehen direkt vom Brutto ab
  • Nachteil: Sozialabgaben auf Aufzahlung fällig
  • Beste Alters­vorsorge­strategie jetzt finden

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Zuletzt aktualisiert: November 2019

So funktioniert die betriebliche Altersvorsorge

Mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stocken Arbeitnehmer ihre spätere Rente durch regelmäßige Beitragszahlungen direkt vom Bruttogehalt auf. Dies ist mit einigen Vorteilen verbunden. Der große Nachteil der Betriebsrente wurde jedoch auch durch die letzte Reform nicht behoben.

 

Weitere Themen

Immer gut zu wissen:

Betriebliche Altersvorsorge gesetzlich garantiert

Jeder Arbeitnehmer kann mit einer betrieblichen Altersvorsorge (auch betriebliche Altersversorgung genannt) ein finanzielles Polster für das Alter aufbauen. Denn der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Vorsorgeform anzubieten. Er kümmert sich um alles Bürokratische und entscheidet, welcher der Durch­führungswege genutzt wird.

In den meisten Unternehmen wird durch Direkt­versicherungen oder eine Pensionskasse betrieblich vorgesorgt. Arbeitnehmer treffen zuweilen auch auf eine von vier weiteren Möglichkeiten. Insgesamt gibt es sechs Durch­führungswege.

Die Durchführungs­wege schnell erklärt:

Anzahl bAV-Verträge

Pensions­fonds 400.000
Direktzusage und Unterstützungs­kasse 4.700.000
Pensions­kasse 4.800.000
 Direkt­versicherung 5.100.000

Da der Arbeitgeber entscheidet, wie und gegebenenfalls mit welchem Anbieter die Vorsorge gestaltet wird, haben Arbeitnehmer wenig bis kein Mitsprache­recht. Wer bei der Altersvorsorge mehr Entscheidungs­freiheit haben möchte, kann alternativ mit einer privaten Vorsorgeform Geld anlegen. Hier bietet sich neben geförderten Formen wie der Riester-Rente auch eine private Rentenversicherung an.

Tipp:

Welche Strategie die beste Rente verspricht, lässt sich meist nur herausfinden, wenn Verbraucher verschiedene Vorsorge­optionen mit einem zugeschnittenen Angebot miteinander vergleichen.

So funktioniert die Entgelt­umwandlung bei der Altersversorgung

Das Hauptargument für die betriebliche Altersvorsorge ist die Entgelt­umwandlung. Durch sie werden die Beiträge für die Alters­versorgung nicht aus dem Netto-, sondern aus dem Bruttoeinkommen gezahlt.

Das niedrigere Brutto führt zu weniger Steuern und Sozialabgaben etwa für die Kranken­versicherung. Die Befreiung ist allerdings begrenzt. 2019 können monatlich maximal 268 Euro sozial­abgabenfrei investiert werden und bis zu 536 Euro steuerfrei.

Welche Auswirkungen die Entgelt­umwandlung hat, zeigt folgendes Beispiel:

Ein 30-jähriger, unverheirateter, kinderloser Angestellter in Hamburg mit monatlichem Bruttogehalt von 3.000 Euro erhält eine Auszahlung von 1.919,76 Euro netto.

Investiert er von seinem Brutto 200 Euro in die bAV, reduziert sich der Nettolohn um lediglich rund 100 Euro auf 1.817,35 Euro. Grund sind die geringeren Abzüge für Steuern und Sozialversicherung.

Achtung:

Durch die Entgelt­umwandlung zahlen Arbeitnehmer auch weniger Beiträge an die gesetzliche Renten­versicherung. Dadurch reduziert sich die spätere Rente. Die Differenz muss die betriebliche Altersvorsorge erst einmal ausgleichen. Zudem haben Sparer geringere Ansprüche beim Krankengeld, Elterngeld und Arbeits­losengeld.

Aktuelles zur Altersvorsorge

Arbeitgeber sollte sich an betrieblicher Altersvorsorge beteiligen

Damit sich die betriebliche Altersvorsorge lohnt, gilt als Faustregel, dass sich der Arbeitgeber zu mindestens 20 Prozent am Beitrag beteiligen sollte. Ist der Zuschuss niedriger, sollten Interessierte mithilfe eines Vorsorgeexperten durchrechnen, ob die bAV für sie persönlich sinnvoll ist.

Neu seit 2019:

Für seit 2019 vereinbarte Verträge ist der Arbeitgeber verpflichtet, 15 Prozent des Arbeit­nehmerbeitrags zuzusteuern. Dieser Anteil entspricht der Summe, die der Chef durch geringere Lohnnebenkosten aufgrund des niedrigen Bruttogehalts einspart. Bei Altverträgen gilt der Zuschuss ab 2022.

Was geschieht beim Arbeitgeber­wechsel?

Angestellte verbringen nur selten ihr gesamtes Berufsleben in einem Unternehmen. Daher ist es gut zu wissen, dass die angesparten Ansprüche nicht verloren gehen, wenn Sparer den Arbeitgeber wechseln.

Generell gibt es drei Möglichkeiten:

Wichtig:

Hat sich der bisherige Arbeitgeber an der Altersvorsorge beteiligt, gelten die Ansprüche nur dann als unverfallbar, wenn der Mitarbeiter mindestens fünf Jahre angestellt war und 25 Jahre oder älter ist. Für ab 2018 vereinbarte bAV-Verträge liegen die Fristen bei drei Jahren Betriebs­zugehörigkeit und bei einem Mindestalter von 21 Jahren.

Vorteile und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge im Überblick

  • Vorteile
  • Nachteile

Wie viel Betriebsrente wird ausgezahlt?

Arbeitnehmer erhalten die betriebliche Altersvorsorge im Alter zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Sie haben dabei die Wahl zwischen einer monatlichen Rente und einer einmaligen Kapital­auszahlung. Dabei ist allerdings folgendes zu beachten.

Zum Vergleich:

Bei der gesetzlichen Rente übernimmt die Rentenkasse die Hälfte des Krankenkassen­beitrags, wenn der Rentner gesetzlich pflichtversichert ist. Die Riester-Rente und die Rürup-Rente sind sogar komplett abgabenfrei. Nur Betriebsrentner müssen den vollen Beitrag zur Pflege- und Kranken­versicherung zahlen, wodurch sich die Auszahlung um bis zu 18 Prozent reduziert.

Fließt die bAV als Kapital­auszahlung, fallen auf ein 120-stel der Summe Sozialabgaben an. Diese müssen für zehn Jahre gezahlt werden. Beträgt die volle Betriebsrente beispielsweise 50.000 Euro, sind 416 Euro abgabenpflichtig. Das bedeutet, dass die Pflege- und Krankenkasse jeden Monat durchschnittlich 78 Euro einzieht. Auf zehn Jahre berechnet entspricht dies einer Summe von 9.360 Euro.

Wie die Regelung ab 2020 für Kapitalauszahlunen aussehen, ist bisher unklar. Feststeht nur, dass auch diese Betriebsrentner profitieren sollen.

  • FAQ – Häufig gestellte Fragen

Privat oder betrieblich vorsorgen?

„Die Altersvorsorge ist ein bedeutsames, aber auch sehr komplexes Thema. Arbeitnehmer sollten keine übereilten Entscheidungen treffen, sondern sich zielgerichtet informieren und unabhängig beraten lassen“, mahnt der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Dies gilt insbesondere für die betriebliche Altersversorgung. Zwar können Angestellte mit ihr ihren finanziellen Spielraum im Ruhestand deutlich erhöhen. Allerdings sollte sie ihr Arbeitgeber dabei unterstützen. Ist dies nicht der Fall, zahlt sich eine private Vorsorge mit staatlicher Förderung oder eine andere private Altersvorsorge eher aus. Sinnvoll ist es daher, mehrere unterschiedliche Angebote zur Altersvorsorge individuell miteinander zu vergleichen, um sich für die beste Finanzplanung im Alter zu entscheiden.