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Betriebliche Altersvorsorge

Wie sinnvoll ist die betriebliche Altersvorsorge?
Betriebliche Altersvorsorge
  • Beiträge gehen vom Brutto ab
  • Sozialabgaben auf Auszahlung beachten
  • Mit persönlichem Angebot zur besten Altersvorsorgestrategie

So funktioniert die betriebliche Altersvorsorge

Mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stocken Arbeitnehmer ihre spätere Rente durch regelmäßige Beitragszahlungen direkt vom Bruttogehalt auf. Dies ist mit einigen Vorteilen verbunden. Einer der größten Nachteile der Betriebsrente wurde jedoch auch durch die letzte Reform nicht behoben.

Zuletzt aktualisiert: April 2019

Betriebliche Altersvorsorge gesetzlich garantiert

Jeder Arbeitnehmer kann mit einer betrieblichen Altersvorsorge (auch betriebliche Altersversorgung genannt) ein finanzielles Polster für das Alter aufbauen. Arbeitgeber sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet, diese Vorsorge anzubieten. Sie kümmern sich dabei um alle Formalitäten und entscheiden, welcher der Durchführungswege genutzt wird.

In den meisten Unternehmen wird durch Direktversicherungen oder eine Pensionskasse betrieblich vorgesorgt. Arbeitnehmer treffen zuweilen auch auf eine von vier weiteren Möglichkeiten. Insgesamt gibt es mittlerweile sechs Durchführungswege.

Die Durchführungswege schnell erklärt:

  • Bei einer Direkt- oder Pensionszusage sichert der Arbeitgeber den Arbeitnehmern eine Betriebsrente zu, die aus dem Unternehmensvermögen gezahlt wird. Hierbei sind keine eigenen Beiträge notwendig. Oftmals ist es möglich, mit der Entgeltumwandlung die spätere Rente zu erhöhen. Die Unterstützungskasse funktioniert auf die gleiche Weise.
     
  • Bei der Pensionskasse, dem Pensionsfonds und der Direktversicherung wird die betriebliche Altersversorgung vom Mitarbeiter, dem Arbeitgeber oder beiden gemeinsam finanziert. Die Beiträge des Mitarbeiters werden vom Arbeitgeber an den jeweiligen Versicherer oder die Versorgungseinrichtung überwiesen.
     
  • Seit 2018 ergänzt das Sozialpartnermodell im Rahmen von Tarifverträgen die bisherigen fünf Durchführungswege. Anders als bei den anderen Formen übernimmt der Arbeitgeber keine Haftung für eine Garantierente. Stattdessen sagt er lediglich die Einzahlung in die betriebliche Altersvorsorge zu. Dadurch gibt es mehr Flexibilität, wie die Beiträge angelegt werden können.

Da der Arbeitgeber entscheidet, wie und gegebenenfalls mit welchem Anbieter die Vorsorge gestaltet wird, haben Arbeitnehmer wenig bis kein Mitspracherecht. Wer bei der Altersvorsorge mehr Entscheidungsfreiheit haben möchte, kann alternativ mit einer privaten Vorsorgeform Geld anlegen. Hier bietet sich neben geförderten Formen wie der Riester-Rente auch eine private Rentenversicherung an.

Tipp: Welche Strategie die beste Rente verspricht, lässt sich meist nur mithilfe eines Vorsorgeexperten und eines individuell zugeschnittenen Angebots zur Altersvorsorge herausfinden. Im Vergleich der verschiedenen Möglichkeiten zeigt sich der beste Plan für die Ruhestandsabsicherung.

So funktioniert die Entgeltumwandlung bei der Altersversorgung

Das Hauptargument für diese Form der Altersvorsorge ist die Entgeltumwandlung. Durch sie werden die Beiträge für die Altersversorgung nicht aus dem Nettoeinkommen, sondern aus dem Bruttoeinkommen gezahlt.

Das niedrigere Brutto führt zu weniger Steuern und Sozialabgaben etwa für die Krankenversicherung. Die Befreiung ist allerdings begrenzt. 2019 können monatlich maximal 268 Euro sozialabgabenfrei investiert werden und bis zu 536 Euro steuerfrei.

Betriebliche Altersvorsorge: Ergänzung zur gesetzlichen Rente.
Bei der Betriebsrente arbeiten AG und AN zusammen

Welche Auswirkungen die Entgeltumwandlung hat, lässt sich an folgendem Beispiel erkennen:

Ein 30-jähriger, unverheirateter, kinderloser Angestellter in Hamburg erhält bei einem monatlichen Bruttogehalt von 3.000 Euro am Ende 1.919,76 Euro netto ausgezahlt. Investiert er von seinem Brutto 200 Euro in die bAV, reduziert sich der Nettolohn auf 1.817,35 Euro. Obwohl der Angestellte 200 Euro für sein späteres Leben zurücklegt, erhält er lediglich rund 100 Euro weniger ausgezahlt, da sich die Abzüge für Steuern und Sozialversicherung verringert haben.

Achtung: Durch die Entgeltumwandlung zahlen Arbeitnehmer allerdings auch weniger an die gesetzliche Rentenversicherung. Dadurch reduziert sich die spätere Rente. Die Differenz muss die betriebliche Altersvorsorge erst einmal ausgleichen, bevor sie sich rentiert. Zudem haben Sparer geringere Ansprüche beim Krankengeld, dem Elterngeld und dem Arbeitslosengeld.

Arbeitgeber sollte sich an betrieblicher Altersvorsorge beteiligen

Damit sich die betriebliche Altersvorsorge lohnt, gilt als Faustregel, dass sich der Arbeitgeber zu 20 Prozent am monatlichen Beitrag beteiligen sollte. Ist der Zuschuss niedriger, ist es wichtig, mithilfe eines Vorsorgeexperten durchzurechnen, ob die bAV persönlich sinnvoll ist. Schließlich muss die Altersversorgung nicht nur die etwas geringere gesetzliche Rente ausgleichen. Interessierte sollten auch beachten, dass der volle Krankenkassenbeitrag die Auszahlung deutlich schmälert.

Neu ab 2019: Für seit 2019 vereinbarte Verträge ist der Arbeitgeber verpflichtet, 15 Prozent des Arbeitnehmerbeitrags zuzusteuern. Dieser Anteil entspricht in etwa der Summe, die der Chef durch geringere Lohnnebenkosten aufgrund des niedrigen Bruttogehalts einspart. Bei Altverträgen gilt der Zuschuss ab 2022.

Was geschieht beim Arbeitgeberwechsel?

Angestellte verbringen nur selten ihr gesamtes Berufsleben in einem Unternehmen. Daher ist es gut zu wissen, dass die angesparten Ansprüche nicht verloren gehen, wenn Sparer den Arbeitgeber wechseln.

Bei Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen besteht ein Rechtsanspruch auf die Mitnahme des angesparten Kapitals. Will der neue Arbeitgeber den aktuellen Vertrag jedoch nicht weiterführen, sondern einen neuen mit einem Anbieter sein Wahl abschließen, entstehen für den Beschäftigten Gebühren für das Übertragen des Kapitals.

Alternativ können sich Arbeitnehmer entscheiden, die betriebliche Altersvorsorge privat weiter zu besparen. Die Beiträge fließen dann aus dem Nettoeinkommen und der Sparer sollte als Versicherungsnehmer eingetragen werden.

Wem keine der Varianten zusagt, kann den Vertrag beitragsfrei stellen lassen.

Wichtig: Hat der bisherige Arbeitgeber mit in die Altersvorsorge eingezahlt, gelten die Ansprüche nur dann als unverfallbar, wenn der Mitarbeiter mindestens fünf Jahre angestellt war und 25 Jahre oder älter ist. Für ab 2018 vereinbarte bAV-Verträge gelten neue Fristen von drei Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 21 Jahren.

Wie viel bAV wird ausgezahlt?

Arbeitnehmer erhalten die betriebliche Altersvorsorge im Alter zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Sie haben dabei die Wahl zwischen einer monatlichen Rente und einer einmaligen Kapitalauszahlung. Dabei ist allerdings folgendes zu beachten:

  • Steuern:  Die Betriebsrente wird voll besteuert. Für andere private Vorsorgeformen wie die Riester-Rente gilt dies erst ab 2040. Bei der privaten Rentenversicherung wird sogar nur der sogenannte Ertragsanteil besteuert.
     
  • Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag: Auf die Auszahlung der betrieblichen Rente wird der volle Beitragssatz fällig, also sowohl der Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberanteil. Dieser Umstand zählt zu den großen Nachteilen der betrieblichen Altersvorsorge.

Zum Vergleich: Bei der gesetzlichen Rente übernimmt die Rentenkasse die Hälfte des Krankenkassenbeitrags, wenn Rentner gesetzlich pflichtversichert sind. Die Riester-Rente und die Rürup-Rente sind sogar komplett abgabenfrei. Nur Betriebsrentner müssen den vollen Beitrag zur Pflege- und Krankenversicherung zahlen, wodurch sich die Auszahlung um rund 18 Prozent reduziert.

So viel Geld bleibt im Alter übrig: 

Ein 67-jähriger Rentner erhält zusätzlich zu seiner gesetzlichen Rente (1.500 Euro) eine Betriebsrente von 400 Euro. Neben dem Steuerabzug von rund 80 Euro im Monat werden auf beide Renten knapp 58 Euro für die Pflegeversicherung und rund 180 Euro für die Krankenversicherung fällig (116 Euro auf die gesetzliche Rente, 62 Euro auf die Betriebsrente).

Übrig bleiben knapp 1.640 Euro netto pro Monat von ursprünglich 1.900 Euro. Ohne betriebliche Altersversorgung wären es 1.338 Euro bei einer Rente von 1.500 Euro.

Die Tabelle zeigt beispielhaft, wie viel Geld monatlich übrig bleibt..

Betriebsrente brutto Nach Abzug für Pflege- und Krankenkasse
200 Euro 162,90 Euro
500 Euro 407,25 Euro
700 Euro 570,15 Euro

Würde die bAV als Kapitalauszahlung fließen, fielen auf ein 120-stel der Summe Sozialabgaben an. Diese müssen für zehn Jahre gezahlt werden. Beträgt die volle Betriebsrente beispielsweise 50.000 Euro, sind rund 416 Euro abgabenpflichtig. Das bedeutet, dass die Pflege- und Krankenkasse jeden Monat 77 Euro einzieht. Auf zehn Jahre berechnet entspricht dies einer Summe von 9.240 Euro.

Häufig gestellte Fragen

Frage  
Kann die betriebliche Altersvorsorge gekündigt werden? Nein. Sparer können ihre betriebliche Altersvorsorge nicht kündigen. Sie haben nur die Möglichkeit, sie beitragsfrei zu stellen. Das bisher angesparte Kapital erwirtschaftet über die Verzinsung weiterhin Erträge.
Geht die Betriebsrente bei Insolvenz des Unternehmens verloren? Nein. Die bAV ist in jedem Durchführungsweg abgesichert. Hat der Arbeitgeber eine Rentenzusage ausgesprochen, ist er gesetzlich verpflichtet, diese abzusichern. Das heißt, die Altersversorgung geht nicht verloren, wenn das Unternehmen plötzlich insolvent gehen sollte.
Können auch Selbstständige und Beamte eine bAV abschließen? Nein. Das Recht auf die bAV haben nur Arbeitnehmer. Selbstständige, Freiberufler und Beamte, die sich absichern möchten, können allerdings sehr effektiv privat vorsorgen. Der Staat ermöglicht ihnen mit der Rürup-Rente eine steuerlich geförderte Vorsorgeform.
Fallen bei der betrieblichen Altersvorsorge immer die vollen Krankenkassenbeiträge an? Nein. Liegt die monatliche Betriebsrente bei 155,75 Euro im Monat oder weniger, ist sie beitragsfrei (Stand 2019). Haben Betriebsrentner zudem ihre bAV in Form einer Direktversicherung oder Pensionskasse nach einem Arbeitgeberwechsel privat weiter bespart und sind als Versicherungsnehmer eingetragen, muss nicht der volle Beitrag gezahlt werden.
Wird die Betriebsrente auf die Grundsicherung im Alter angerechnet? Teilweise. Seit 2018 gilt ein Freibetrag von mindestens 100 Euro pro Monat, der nicht bei der Berechnung der Sozialleistung berücksichtigt wird. Darüber hinaus sind 30 Prozent der Auszahlung bis zu einer Obergrenze von rund 200 Euro geschützt.
Lohnt sich die betriebliche Altersversorgung für Besserverdiener? Hinsichtlich der Ersparnisse bei den Sozialabgaben in der Einzahlphase lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge für Personen, deren Einkommen nahe der Beitragsbemessungsgrenze (2019: 4.537,50 Euro im Monat, 2020: 4.687,50 Euro) liegt, nur bedingt. Liegt ihr Bruttoeinkommen nach Abzug des bAV-Beitrags noch immer über der Grenze, zahlen sie weiterhin den Höchstbetrag und sparen somit nichts ein.

Privat oder betrieblich vorsorgen?

„Die Altersvorsorge ist ein bedeutsames, aber auch sehr komplexes Thema. Arbeitnehmer sollten keine übereilten Entscheidungen treffen, sondern sich zielgerichtet informieren und unabhängig beraten lassen“, mahnt der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Dies gilt insbesondere für die betriebliche Altersversorgung. Zwar können Angestellte mit ihr ihren finanziellen Spielraum im Ruhestand deutlich erhöhen. Allerdings sollte sie ihr Arbeitgeber dabei unterstützen. Ist dies nicht der Fall, zahlt sich unter Umständen eine private Vorsorge mit staatlicher Förderung oder eine andere private Altersvorsorge aus. Sinnvoll ist es daher, mehrere unterschiedliche Angebote zur Altersvorsorge individuell miteinander zu vergleichen, um sich für die beste Finanzplanung im Alter zu entscheiden.

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