Pflegeversicherung

Private Vorsorge für den Pflegefall
Pflegeversicherung
  • Umfassende Hilfe bei Pflegebedürftigkeit
  • Pflegeheimplatz kostet rund 3.000 Euro pro Monat
  • Gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur 1.612 Euro
  • Pflegezusatzversicherung als wichtige Ergänzung

Was ist eine Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung unterstützt gesetzlich und privat Krankenversicherte finanziell, wenn sie auf Pflege angewiesen sind. Seit 1995 gibt es diese Sozialleistung. Doch die gesetzliche Absicherung reicht nicht aus, um die tatsächlichen Kosten einer ambulanten oder stationären Pflege abzudecken. Darum ist es sinnvoll, zusätzlich privat vorzusorgen. Seit einigen Jahren wird der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung teilweise sogar vom Staat gefördert.

Pflegeversicherung vor den Herausforderungen der Zukunft

Im Dezember 1999 gab es in Deutschland zirka 2,02 Millionen pflegebedürftige Menschen. 2011 waren es schon 2,5 Millionen Betroffene. Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. So werden im Jahr 2050 rund 4,5 Millionen Menschen auf die Hilfe von Angehörigen oder auf professionelle Pflegekräfte angewiesen sein. Hinzu kommt, dass die Pflegebedürftigen auch immer länger Pflege in Anspruch nehmen - schließlich steigt die Lebenserwartung.

Dieser Wandel in der Gesellschaft stellt nicht nur die gesetzliche Pflegeversicherung vor enorme Herausforderungen, sondern auch die Betroffenen selbst. Denn die Pflegeleistungen waren nie dazu gedacht, die gesamten Pflegekosten abzudecken. Vielmehr sollen sie eine teilweise finanzielle Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit garantieren. Doch schon heute sind viele Menschen mit den Restkosten überfordert. So kann ein Platz in einem Pflegeheim schnell 3.000 Euro pro Monat kosten. Die Pflegekasse zahlt selbst bei Pflegestufe 3 aber nur gut die Hälfte des Betrags. Der Rest muss aus dem eigenen Einkommen und Vermögen beglichen werden. Reicht dieses nicht aus, können auch Angehörige wie Ehepartner oder Kinder zur Zahlung der Pflegekosten verpflichtet werden.

Wie hoch ist die gesetzliche Unterstützung in den Pflegestufen?

Die gesetzliche Pflegekasse bestimmt auf Grundlage eines Gutachtens, in welchem Umfang ein Betroffener Pflege bzw. Leistungen benötigt. Das Ergebnis entscheidet, welche gesetzlichen Leistungen der Pflegebedürftige erhält. Die Leistungen werden durch den Beitragssatz aller gesetzlich Versicherten finanziert.

Pflegestufe Definition
Pflegestufe 0* Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz
Pflegestufe I bei einem durchschnittlichen Hilfebedarf von mindestens 90 Minuten täglich
Pflegestufe II bei einem durchschnittlichen Unterstützungsbedarf von mindestens 180 Minuten täglich
Pflegestufe III bei einem durchschnittlichen Hilfebedarf von mindestens 300 Minuten täglich

* Personen, die hier eingestuft werden, weil sie noch nicht die Voraussetzungen für Pflegestufe I erfüllen, haben seit der Pflegereform im Jahr 2008 auch einen Anspruch auf gesetzliche Leistungen.

Die Höhe der Leistungen richtet sich jedoch nicht nur nach der Pflegestufe, sondern auch nach der Art der Pflege. So gibt es für die Betreuung durch Angehörige in den eigenen vier Wänden andere Leistungen als bei einer vollstationären Pflege im Pflegeheim.

Pflegestufe Leistung bei privater Pflege Leistung bei ambulantem Pflegedienst Leistung bei vollstationärer Pflege
Pflegestufe I 244 Euro 468 Euro 1.064 Euro
Pflegestufe II 458 Euro 1.144 Euro 1.330 Euro
Pflegestufe III 728 Euro 1.612 Euro 1.612 Euro

Stand 2015

Pflege-Bahr - Geförderte Pflegeversicherung

Seit dem 1. Januar 2013 gibt es den sogenannten Pflege-Bahr. Damit ist eine Pflegetagegeldversicherung gemeint, die unter bestimmten Bedingungen vom Staat gefördert wird. Eine dieser Bedingungen ist, dass die Versicherung ohne Gesundheitsprüfung alle interessierten Verbraucher aufnimmt. Weiterhin muss der Eigenanteil zur Versicherung mindestens 10 Euro monatlich betragen und bei höchster Pflegebedürftigkeit muss die Versicherung Leistungen in Höhe von mindestens 600 Euro monatlich erbringen. Die Höhe der Förderung beläuft sich auf 60 Euro pro Jahr. Experten bemängeln jedoch, dass der Pflege-Bahr zu teuer ist, da die Gesundheitsprüfung den Versicherungsgesellschaften sonst dazu dient, eine Risikokalkulation durchzuführen und die Preise niedrig zu halten.

 

Redaktions-Tipp: Pflegevorsorge für alle Fälle

Menschen mit Vorerkrankungen haben es nicht immer leicht, eine Pflegezusatzversicherung zu finden. Beim Pflege-Bahr dürfen die Versicherer jedoch niemanden aufgrund von Vorerkrankungen ablehnen.

Pflegestärkungsgesetz – Reichen die höheren Leistungen seit 2015 aus? 

Auch der Politik ist inzwischen klar, dass die Leistungen der Pflegekassen für viele Betroffenen nicht ausreichen. Zudem droht ein erheblicher Fachkräftemangel in der Pflege durch immer mehr Pflegebedürftige. Die Regierung hat daher die Pflegestärkungsgesetze auf den Weg gebracht. Diese sorgen seit 2015 für höhere und umfangreichere Pflegeleistungen. So erhöhen sich beispielsweise die Pflegesachleistungen für einen ambulanten Pflegedienst bei Pflegestufe 2 von 1.100 Euro auf 1.144 Euro. Zudem wird es voraussichtlich statt der bisherigen Pflegestufen sogenannte Pflegegrade geben. Damit werden mehr Menschen Anspruch auf Leistungen haben, die zum Beispiel aufgrund einer Demenz Unterstützung im Alltag benötigen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Pflegeleistungen für viele Menschen nicht ausreichen. 

Für wen ist die private Pflegeversicherung sinnvoll?

Eine zusätzliche Pflegeversicherung sollte in Anbetracht der hohen Pflegekosten jeder abschließen, und zwar so früh wie möglich. Denn die Träger der gesetzlichen Pflegeversicherung, die Pflegekassen, können trotz steigendem Beitragssatz Pflegefällen nur eine sehr magere Unterstützung und wenig Leistungen bieten. Dabei steigen die Kosten für Pflege weiter an. Eine private Pflegezusatzversicherung dagegen leistet weitreichende finanzielle Hilfe bei Pflegebedürftigkeit.

Welche Leistungen bietet die zusätzliche Pflegeversicherung?

Eine Pflegezusatzversicherung kann Ihnen dabei helfen, die Lücken zu schließen, die durch geringe Leistungen Ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung entstehen. Für einen Platz im Pflegeheim beispielsweise zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung nur 1.612 Euro - obwohl der Beitragssatz weiter steigt. Da die Pflege im Heim aber 3.000 Euro oder mehr pro Monat kostet, kann Ihnen schnell ein hoher Eigenanteil von über 17.000 Euro jährlich entstehen. Diesen müssen dann entweder Sie selbst oder Ihre Angehörigen leisten. Nicht selten wird dann Sozialhilfe notwendig. Mit einer Zusatzversicherung für den Fall der Pflege sind Sie und Ihre Angehörige finanziell abgesichert.

 

 

Das sagen Experten

finanzen.de hat verschiedene Experten zum Thema Pflegeversicherung befragt. Professorin Gruner erklärt im Gespräch, was die Versicherer verbessern sollten. Die Pflege-Experten Professorin Bienstein und Professor Goerres liefern Informationen darüber, welche Herausforderungen in der Zukunft auf die Pflege zukommen werden.

Welche Form der privaten Vorsorge eignet sich am besten?

Mit einer privaten Pflegezusatzversicherung lässt sich die Versorgungslücke zwischen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten bei Pflegebedürftigkeit schließen. Allerdings gibt es verschiedene Varianten der privaten Pflegevorsorge.

1. Pflegetagegeld

Eine Pflegetagegeldversicherung bietet sich an, wenn die Pflege privat vorgenommen werden soll oder wenn Sie ein Zusatzeinkommen erhalten möchten. Durch diese Form der Pflegeversicherung bekommen Pflegebedürftige einen vereinbarten Betrag für jeden Tag, an dem sie Pflege benötigen. Die Höhe vom Pflegegeld ist abhängig vom Grad ihrer Pflegebedürftigkeit. Bei höchster Pflegebedürftigkeit gibt es das volle Tagegeld. Bei den meisten Tarifen erhalten Sie bei Pflegestufe II 60 bis 70 Prozent und bei Pflegestufe I 20 bis 50 Prozent. Manche Tagegeldversicherungen zahlen bei der Pflege im Heim mehr als bei privater Pflege.

2. Pflegekostenversicherung

Pflegeversicherung
Die Pflegekosten können leicht mehr als
3.000 Euro monatlich betragen

Diese Variante der Pflegeversicherung ist sinnvoll, wenn die Pflege durch professionelles Personal erfolgen soll. Bei privater Pflege bietet sie weniger Unterstützung. Die Versicherung hilft Ihnen beim Begleichen der Rechnungen von Pflegeeinrichtungen und bietet verschiedene Leistungen. Welchen Anteil der Kosten die Pflegeversicherung übernimmt, bestimmen Sie beim Vertragsabschluss.

Hierbei sollte beachtet werden, dass die Kosten, welche von Pflegeeinrichtungen in Rechnung gestellt werden, sehr hoch sein können. Zahlungen von mehreren tausend Euro pro Monat sind keine Seltenheit und sollten bei der Wahl der Beitragssummen berücksichtigt werden.

3. Pflegerentenversicherung

Möchten Sie im Pflegefall eine Rente bzw. ein Pflegegeld erhalten, so empfiehlt sich der Abschluss einer Pflegerentenversicherung. Diese ist eine spezielle Form der Lebensversicherung. Sie zahlt Ihnen bei Pflegebedürftigkeit eine von Ihnen zuvor bestimmte Rente als Pflegegeld aus.

Testsieger mit besten Leistungen

Vor dem Abschluss einer privaten Pflegeversicherung lohnt sich ein Vergleich einzelner Versicherungsangebote. Bei der Tarifauswahl sollten Sie nicht nur auf den Preis achten, sondern vor allem auch die Leistungen und Vertragsbedingungen der verschiedenen Anbieter genauer unter die Lupe nehmen. Hier helfen Ihnen auch Tests und Testergebnisse, etwa von der Stiftung Warentest. Ein Blick auf die aktuellen Testsieger kann Sie bei der Wahl eines passenden Tarifs unterstützen.

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