0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Weltverbesserungspotenzial Jugendlicher in Unternehmerdenken umwandeln

Neben Fächern wie Mathe, Geschichte und Deutsch bleibt meist nur wenig Zeit, Schülerinnen und Schüler auf den Berufseinstieg vorzubereiten. So wissen viele von ihnen oft nicht, was sie nach ihrem Schulabschluss beruflich machen möchten. Das Planspiel Jugend gründet will sie daher praktisch bei der Berufsorientierung unterstützen, erklärt Projektmanagerin Birgit Metzbaur.
Weltverbesserungspotenzial Jugendlicher in Unternehmerdenken umwandeln
Birgit Metzbaur von Jugend gründet (Bildquelle: Jugend gründet)

Schule und Lehrkräfte können Jugendliche nur bedingt bei der beruflichen Orientierung unterstützen. Denn den Bedürfnissen der einzelnen Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden, sprengt oftmals den zeitlichen und personellen Rahmen. Umso wichtiger ist es, dass sich die Heranwachsenden selbst mit ihrer Zukunft beschäftigen – und zwar möglichst frühzeitig. Dabei soll sie der Wettbewerb von Jugend gründet unterstützen.

Im Rahmen des Gründungs-Planspiels können Jugendliche schon früh ihre Unternehmerfähigkeiten trainieren, indem sie eigene Projekte entwickeln und dafür die Verantwortung übernehmen. Das Projekt möchte die Teilnehmer grundsätzlich dazu anregen, ihr „Weltverbesserungspotenzial in unternehmerisches Engagement überzuleiten“, betont Birgit Metzbaur von Jugend gründet. Im Interview mit finanzen.de erklärt sie, welchen Einfluss die im Planspiel erworbenen Kompetenzen wie Entscheidungs- und Organisationsfähigkeit sowie Kreativität auf die berufliche Orientierung nehmen können.

Frau Metzbaur, wie kam es zu der Idee, Jugend gründet ins Leben zu rufen?

Birgit Metzbaur: Jugend gründet ist eine Initiative des Bundesministerium für Bildung und Forschung. Schon damals, vor über 15 Jahren, ging es darum, die Rolle von Unternehmern und Innovatoren zu stärken und das möglichst früh. Es sollte eine Plattform ins Leben gerufen werden, die spielerisch und mit Wettbewerbscharakter die Jugendlichen dazu anleitet, sich selbstständig Gedanken um die Zukunft zu machen.

Darüber hinaus soll die Plattform ein Trainingsfeld dafür bieten, das Weltverbesserungspotenzial der Jugendlichen in unternehmerisches Engagement überzuleiten. Kurzum wollten wir eine Ebene schaffen, die eigenständige Handlungskompetenz trainiert und einen Beitrag zur ökonomischen Grundbildung leistet.

Die Schüler, die am Wettbewerb teilnehmen, sollen eigene Projekte und deren Umsetzung sorgfältig planen. Welche Kompetenzen erwerben sie dabei konkret?

Birgit Metzbaur: Die Teilnehmer trainieren durch eigenständiges Denken und eigenverantwortliches Arbeiten ihre Unternehmereigenschaften. Vermittelt werden fachspezifische Kompetenzen, wie die Grundlagen der Unternehmensgründung, die Bedeutung von Innovation und die Grundprinzipien des Wirtschaftens. Wichtig sind auch überfachliche Kompetenzen wie Kreativität, Innovationsfähigkeit, Teamfähigkeit sowie Entscheidungs- und Organisationsfähigkeit. Nicht zuletzt werden die Arbeitstechniken Prüfen, Recherchieren, Ausarbeiten und Weiterentwickeln erlernt und trainiert.

Welche Voraussetzungen sollten die Schülerteams mitbringen, die sich bei Jugend gründet bewerben und gibt es bestimmte Themenbereiche, die bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besonders beliebt sind?

Birgit Metzbaur: Der Wettbewerb ist für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende ab circa 16 Jahren konzipiert. Wichtige Voraussetzungen, die sie mitbringen sollten, sind Neugier, die Bereitschaft sich auf etwas Neues einzulassen und sich eigenständig (im Team) mit einem spannenden Thema zu beschäftigen. Kompetenzen wie Zeitmanagement und Durchhaltevermögen sind wichtig, werden im Wettbewerb aber auch trainiert und angeleitet. Hier kann eine Lehrkraft als Motivator zusätzlich hilfreich sein.

Wir suchen im Wettbewerb innovative Geschäftsideen. So kommt es, dass die Themen stets ein Stück weit in die Zukunft gerichtet sind und oft Entwicklungen – zum Beispiel im Bereich Digitalisierung – vorweggenommen werden. Besonders spannend wird es, wenn die vom Zeitgeist geprägten Jugendlichen aktuelle Ereignisse zum Anlass nehmen, innovative Lösungen zu entwickeln.

Unser Service für Sie

Sie suchen einen professionellen Rat zu Vorsorge und Versicherungen?

Wie werden die Schülergruppen bei ihren Projekten unterstützt?

Birgit Metzbaur: Auf der Projekthomepage gibt es viele Hilfen, unter anderem Inspirationen und Methoden zur Findung einer Geschäftsidee. Zur Erstellung des Businessplanes steht eine Eingabemaske mit Hilfetexten bereit. Über die Website können sowohl das Jugend gründet-Team als auch erfolgreiche Alumni kontaktiert werden, die als Mentoren bereitstehen.

Beim Planspiel gilt generell das Prinzip „aus Fehlern lernen“ – deshalb hat jedes Team fünf Spielversuche. Durch das individuelle konstruktive Feedback für jedes Projekt erfahren die Jugendlichen zudem eine besondere Wertschätzung und erhalten durch den Austausch mit Unternehmen Einblicke in deren Arbeitsalltag.

Welche Schülerprojekte sind Ihnen bisher besonders in Erinnerung geblieben?

Birgit Metzbaur: Wie angesprochen, spiegeln die Teilnehmer mit ihren Geschäftsideen sehr häufig den aktuellen Zeitgeist wider. Oft erleben wir Jahre später Start-ups mit den Ideen, die wir bei Jugend gründet schon einmal hatten. Den smarten Kühlschrank gab es bei uns im Wettbewerb bereits vor zehn Jahren. Auch die digitalisierte Parkraum-Bewirtschaftung und alle möglichen Formen der Lademöglichkeiten für Smartphones waren bei uns Thema, lange bevor entsprechende Produkte auf dem Markt waren.

Grundsätzlich sind es jedoch weniger die Produkte, die in Erinnerung bleiben, als vielmehr die Menschen, die dahinterstehen. Viele von ihnen berichten uns Jahre später noch, dass Jugend gründet ein ganz bedeutender Meilenstein in ihrem Leben war. Diese Erfolge sind es, an die wir uns am meisten erinnern.

Wie wirken sich diese Erfahrungen, die im Wettbewerb gesammelt werden, auf die berufliche Orientierung der Jugendlichen aus?

Birgit Metzbaur: Jugend gründet fordert von seinen Teilnehmern, Fragen der Zukunft zu stellen und Antworten darauf zu suchen. Die Jugendlichen sind aufgefordert, sich Gedanken zu machen, wie aktuelle und kommende Herausforderungen künftig besser gelöst werden könnten. Nebenbei entwickeln sie auch ein Gespür dafür, welche Themen sie ganz persönlich interessieren. Dies ist eine wichtige Grundlage für die berufliche Orientierung.

Wir bieten ihnen mit dem Wettbewerb ein Trainingsfeld rund um die Themen Start-ups, Innovation, berufliche Selbstständigkeit und vermitteln grundlegende Fragen der ökonomischen Bildung. Mit Jugend gründet haben die Jugendlichen die Chance, diese Themengebiete kennenzulernen und sich bei Interesse für Ausbildungsgänge in diese Richtung zu entscheiden.

Von unseren Alumni wissen wir, dass einige Teilnehmer mit einer Begeisterung für die berufliche Selbstständigkeit und dem Blick für ein Weltverbesserungspotenzial aus dem Wettbewerb herausgehen, manchmal bereits während des Studiums gründen oder auch später im Beruf diese Option weiter verfolgen. Andere wiederum haben durch den Wettbewerb festgestellt, dass die Selbstständigkeit für sie mit zu vielen Herausforderungen verbunden ist – auch das hilft bei der beruflichen Orientierung.

Vielen Dank für das Interview, Frau Metzbaur.