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Geldanlage: Trend zur Digitalisierung und Automatisierung geht weiter

Mit klassischen Geldanlagen wie Sparbüchern lässt sich kaum noch Rendite erzielen. In Fonds oder Anleihen zu investieren, ist vielen Menschen jedoch zu kompliziert. Als digitale Finanzberater wollen Robo-Advisors hier Abhilfe schaffen. Künftig wird die digitale Vermögensverwaltung nicht mehr wegzudenken sein, sagt Erik Podzuweit von Scalable Capital.
Robo-Advisor: Viele Sparer stehen dem Kapitalmarkt skeptisch gegenüber
Erik Podzuweit ist Gründer von Scalable Capital

Im Bereich der automatisierten Geldanlage gibt es inzwischen mehr als 40 Anbieter auf dem Markt. Dennoch sind manche Sparer noch skeptisch, betont Erik Podzuweit, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital. Das Unternehmen gehört mit rund 50.000 Kunden und einem verwalteten Vermögen von über 1,5 Milliarden Euro zu den erfolgreichsten Robo-Advisors.

Die Portfolios basieren dabei auf ETFs und werden nach der individuellen Risikopräferenz von Anlergern zusammengestellt. Im Interview mit finanzen.de erklärt Podzuweit, was sich gegen die Zweifel von Anlegern unternehmen lässt und welche Personen bisher besonders auf Robo-Advirsors vertrauen.

Die digitale Geldanlage lebt Experten zufolge noch in einer Nische. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür? Fehlt Sparern einfach das Vertrauen?

Erik Podzuweit: Wir haben in Deutschland generell das Problem, dass viele potenzielle Anleger dem Kapitalmarkt eher skeptisch gegenüberstehen. Doch gerade bei anhaltenden Niedrigzinsen und steigender Inflation sollte man das Geld nicht auf dem Sparbuch oder Girokonto liegen lassen.

Mit Informationsabenden in ganz Deutschland, der Möglichkeit, persönliche Termine mit unseren Investment-Experten in Großstädten zu vereinbaren, oder mit Webinaren versuchen wir, den Menschen unseren Ansatz für langfristigen Vermögensaufbau näher zu bringen. Wir nehmen ihnen gleichzeitig die Aufgabe ab, das bestmögliche Portfolio für die eigenen Bedürfnisse zusammenzustellen.

Während andere Unternehmen kaum mit Banken oder Fondsgesellschaften zusammenarbeiten, ist Scalable eine Kooperation mit der Direktbank ING eingegangen. Welche Vorteile hat dies?

Erik Podzuweit: Mit der Kooperation haben wir auf einen Schlag die neun Millionen Kunden der ING in Deutschland erreicht. Etwa die Hälfte unseres aktuell verwalteten Vermögens stammt aus der Kooperation mit der ING. Umgekehrt bieten wir ING-Kunden einen Service an, den die Bank selbst so nicht anbietet. Letztlich haben also beide Parteien etwas davon.

Wie sieht der typische Scalable-Anleger aus?

Erik Podzuweit: Die digitale Vermögensverwaltung ist besonders bei gutverdienenden Berufstätigen gefragt. Etwa zwei Drittel der Kunden von Scalable Capital haben einen Universitätsabschluss in Wirtschaftswissenschaften, Informatik oder Ingenieurwesen. Interessanterweise sind aber Banker unsere größte Kundengruppe.

Im Durchschnitt verwalten wir rund 35.000 Euro pro Kunde. Mehr als ein Drittel des verwalteten Gesamtvermögens liegt in Portfolios mit einem Volumen von über 100.000 Euro. Nahezu jeder zweite Kunde hat zudem einen monatlichen Sparplan über durchschnittlich 400 Euro bei uns abgeschlossen.

Verbraucherschützer kritisieren, dass Sparer die Qualität der vorgeschlagenen Vermögensanlagen nur schwer beurteilen können und Probleme haben, die Berechnungsgrundlage der Algorithmen nachzuvollziehen. Wie stehen Sie dazu? Wie ließe sich hier gegensteuern?

Erik Podzuweit: Transparenz ist uns sehr wichtig. Schließlich sollen unsere Kunden Bescheid wissen, wie wir mit ihrem angelegten Vermögen umgehen. Deshalb bieten wir über verschiedene Kanäle die Möglichkeit, sich über ETFs und digitale Vermögensverwaltung zu informieren und weiterzubilden. Außerdem verbessern wir kontinuierlich unseren Einarbeitungsprozess. Selbstverständlich fließt dabei auch das Feedback der Verbraucherschützer mit ein.

Welche weitere Entwicklung erwarten Sie bei Robo-Advisors in den nächsten 10 Jahren?

Erik Podzuweit: Der Trend zur Digitalisierung und Automatisierung der Geldanlage wird sich weiter beschleunigen. In der einen oder anderen Form wird zukünftig jeder Anleger auf digitale Vermögensverwaltung setzen. Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt, dass wir unsere führende Position in Deutschland weiter ausbauen werden.

Vielen Dank für das Interview, Herr Podzuweit.