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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

20 bis 88 Euro: Privat Krankenversicherte zahlen 2022 Corona-Zuschlag

Durch die Corona-Pandemie hat die gesetzliche Pflegeversicherung erhebliche Mehrkosten. Bisher sind es über vier Milliarden Euro. Nicht nur der Bund muss den Pflegekassen daher finanziell beistehen – auch Versicherte der privaten Krankenversicherung zahlen 2022 einen gesonderten Corona-Zuschlag, um die Mehrausgaben auszugleichen.

  • Privatpatienten müssen 2022 etwas mehr Geld an ihre Krankenversicherung überweisen.
  • Grund ist ein Corona-Zuschlag für die Pflegepflichtversicherung.
  • Beamte werden dabei stärker in die Pflicht genommen als Versicherte ohne Beihilfenanspruch.

Mit einem Pflege-Rettungsschirm hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr ein Instrument geschaffen, um die rund 12.000 Pflegeheime sowie über 15.000 Pflegedienste finanziell zu unterstützen. Die Kosten für den Rettungsschirm werden dabei auf die soziale Pflegeversicherung (SPV) und die private Pflegepflichtversicherung (PPV) verteilt.

Während erstgenannte für gesetzlich Versicherte zuständig ist, wendet sich die Pflegepflichtversicherung an Versicherte der privaten Krankenversicherung (PKV). Und diese spannt ihre Mitglieder nun wie gesetzlich vorgeschrieben für die Finanzierung des Rettungsschirms ein. Privatversicherte müssen ab Januar 2022 einen Corona-Zuschlag zahlen, dessen Höhe je nach Berufsgruppe zwischen 1,70 Euro und 7,30 Euro im Monat variiert.

Höhere Kosten für Privatversicherte: Bis zu 88 Euro mehr in 2022

Wie der PKV-Verband informiert, müssen Privatversicherte 2022 gut 480 Millionen Euro zusätzlich als Corona-Zuschlag zahlen. Die Kosten verteilen sich dabei unterschiedlich auf die PKV-Kunden:

  • Versicherte mit Beihilfeanspruch: monatlich 7,30 Euro, im Jahr 87,60 Euro
  • Versicherte ohne Anspruch: 3,40 Euro, im Jahr 40,80 Euro
  • Privat versicherte Angestellte: 1,70 Euro (die anderen 1,70 Euro trägt der Arbeitgeber), im Jahr 20,40 Euro

Der Zuschlag für Beihilfeempfänger, also Beamte, ist höher, weil die Kosten auf die Zahl der Versicherten verteilt werden. Da rund 75 Prozent der PKV-Versicherten verbeamtet sind, entfällt auf diese Gruppe der größte Teil. „Hinzu kommt, dass die Beihilfe normalerweise 70 Prozent der Pflegekosten übernimmt. Am Corona-Zuschlag ist die Beihilfe hingegen nicht beteiligt.“, so der PKV-Verband.

Für Beamte ist dies bereits die zweite Anpassung des Pflegeversicherungsbeitrags binnen sechs Monaten. Seit Juli 2021 zahlen sie mehr für die Pflegepflichtversicherung. Der Corona-Zuschlag stellt allerdings nur eine temporäre Belastung dar. Privatpatienten müssen ihn bis Ende 2022 zahlen, danach entfällt er.

Pflege-Rettungsschirm belastet Finanzen der Pflegekassen

Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Bund die gesetzlichen Pflegekassen mit einem Steuerzuschuss von einer Milliarde Euro vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit rettet. Dabei sahen die Finanzen bis vor zwei Jahren noch gut aus. 2019 verbuchte die gesetzliche Pflegeversicherung ein Plus von 3,3 Milliarden Euro. Doch dann kam die Corona-Pandemie.

Anbieter von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten mussten nicht nur ihre Mitarbeiter mit Schutzausrüstung und Corona-Tests ausstatten. Pflegebedürftige blieben Einrichtungen und Diensten aus Angst vor einer Infektion fern, deren Einnahmen gingen zurück. Die Regierung schuf daher einen Pflege-Rettungsschirm, über den einerseits die Mehrausgaben abgedeckt sind und andererseits Pflegeeinrichtungen aufgrund der Minderbelegung einen Ausgleich erhalten.

PKV-Verband kritisiert Ungleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten

Der Spielraum, um die Mehrausgaben über eine Beitragserhöhung zu finanzieren, ist in der sozialen Pflegeversicherung begrenzt. Denn die Bundesregierung will den Beitrag für die Sozialversicherungen (also Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) unter 40 Prozent halten. Derzeit liegt er bei 39,95 Prozent. Nimmt man den Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,25 Prozent dazu, wird die Grenze bereits überschritten. Der Bund kann die Kosten daher nur über Steuermittel finanzieren.

Dies hätte auch die private Krankenversicherung gern. Denn aus Sicht des PKV-Verbands verstößt die ungleiche Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten gegen das Grundgesetz. „Im Gegensatz zu den Versicherten der sozialen Pflegeversicherung finanzieren PKV-Versicherte die Kosten ausschließlich mit ihren Beiträgen und müssen zugleich mit ihren Steuerzahlungen den Zuschuss an die SPV finanzieren. Diese Ungleichbehandlung durch eine Doppelbelastung durch Steuern und Beiträge für den gleichen Zweck ist nicht gerechtfertigt und verstößt gegen das Grundgesetz.“ Bisher liefen die Forderungen allerdings ins Leere.