Frau mit Maske vor Spielplatz
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

2G, Quarantäne, Tests: Wie ungemütlich wird der Herbst für Ungeimpfte?

Künftig übernimmt der Staat den Entgeltersatz für Ungeimpfte in Quarantäne nicht mehr. Auch die kostenlosen Bürgertests werden abgeschafft und sogar erhöhte Krankenversicherungskosten für Impfverweigerer sind im Gespräch. Was Ungeimpfte jetzt erwartet, fasst finanzen.de zusammen.

Fallen Arbeitnehmer aufgrund einer Quarantäne aus, hat bisher der Staat die Kosten der Lohnfortzahlung übernommen. Dies soll nun ein Ende haben, wie die Gesundheitsminister von Bund und Ländern diese Woche beschlossen. Nur wer nachweislich nicht geimpft werden kann, soll weiterhin die Entschädigungen im Quarantänefall bezahlt bekommen. Zuvor waren schon einige Bundesländer vorgeprescht und hatten den Entgeltersatz abgeschafft. Nun soll eine bundeseinheitliche Regelung folgen, die ab dem 1. November 2021 in Kraft tritt.

Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF erklärt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass es sich um eine Frage der Fairness handele: „Wir haben eine kostenlose Impfung, die wir anbieten. Jeder kann sich impfen lassen. Warum sollen auf Dauer andere dafür zahlen, wenn beispielsweise jemand in den Urlaub ins Risikogebiet fährt und – weil er nicht geimpft ist – in Quarantäne muss? Zur freien Entscheidung gehört auch Verantwortung.”

Ungeimpft vs. Geimpft: Sind die neuen Quarantäne-Regelungen fair?

Die Entscheidung über die gestrichene Lohnfortzahlung trifft auf gemischte Resonanz. Kritik kommt besonders von den Arbeitnehmerverbänden. Reiner Hoffmann, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds, spricht von der Impflicht durch die Hintertür. Gegenüber dem Deutschen Redaktionsnetzwerk sagt er: „Es kann nicht sein, dass die Politik die Verantwortung für den Kampf gegen die Pandemie einfach bei den Beschäftigten ablädt.”

Besonders kritisch sieht er dabei, dass mit dem Ende der allgemeinen Quarantäne-Entschädigungen Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Arbeitnehmer abfragen müssten, um zu ermitteln, wann sie eine Entschädigungszahlung beantragen können und wann nicht. Dies widerspricht jedoch dem aus der Arbeiterbewegung gewonnenen Grundsatz, dass Arbeitnehmer nur die absolut nötigsten Gesundheitsinfos offenlegen müssen, so der DGB-Chef.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet, dass die Entscheidung zur Quarantäne-Verweigerung führen könnte. Schlimmstenfalls könnten Ungeimpfte trotz Erkrankung weiter zur Arbeit kommen. „Ich fände es falsch, wenn diejenigen, die in Quarantäne gehen müssen, ihren Verdienstausfall nicht erstattet bekommen. Denn dies wird dazu führen, dass sich die betroffenen Menschen gar nicht erst in Quarantäne begeben”, so Lauterbach gegenüber der Rheinischen Post. Er bekräftigt: „Es ist doch absolut lebensfern, dass sich Menschen auf eigene Kosten testen lassen, um dann im Fall eines positiven Ergebnisses auch noch ohne Verdienstersatz in Quarantäne zu gehen. Das wird nicht stattfinden.”

Tests und Quarantäne: Einzelentscheidungen sollen nicht durch Steuergelder finanziert werden

Von Seiten der Kommunen bekommt die Entscheidung der Gesundheitsminister, die Quarantäne-Entschädigungen zu beenden, hingegen positives Feedback. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, sieht die Lage ähnlich wie Spahn: „Es ist eine individuelle Entscheidung, sich trotz des bestehenden Angebotes nicht impfen zu lassen. Das bedeutet aber auch, dass die Konsequenzen dieser Entscheidung selbst zu tragen sind.” Den Praxiseffekt der neuen Regelung schätzt er ohnehin gering ein, da Betroffene sich im Falle einer Erkrankung schließlich krankschreiben lassen können.

Auch der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung (SPD), findet eine Übernahme der Lohnfortzahlung durch den Staat nur gerechtfertigt, wenn sich der Erkrankte aus medizinischen Gründen nicht impfen ließ.

Schon im August wurde mit der gleichen Argumentationskette beschlossen, dass ab dem 11. Oktober 2021 die Bürgertests kostenpflichtig werden. Dies gilt für Geimpfte und Ungeimpfte gleichermaßen, erstere nutzen das Angebot aber nur noch selten. Um am öffentlichen Leben teilzunehmen, also etwa Restaurants, Museen oder Konzerte zu besuchen, müssen Ungeimpfte hingegen Tests vorweisen.

Wie lange ein Test überhaupt noch ausreicht, um als Ungeimpfter auf Veranstaltungen zu gehen, ist allerdings offen. Immer mehr Veranstalter entscheiden sich für die 2G-Regelungen, sodass nur Genesene und Geimpfte willkommen sind. In Sachsen und Baden-Württemberg treten ab einer gewissen Auslastung der Intensivbetten sogar landesweite 2G-Regelungen in Kraft.

Wird für Ungeimpfte selbst die Krankenversicherung bald teurer?

Neben Diskussionen darum, wann 2G- und 3G-Regelungen greifen dürfen, ist nun auch die Frage um den Sinn und die Notwendigkeit höherer Krankenversicherungsbeiträge für Ungeimpfte in den öffentlichen Fokus gerückt. In einem Interview mit t-Online erwägt Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V-Versicherung, in Zukunft höhere Beiträge von Impfverweigerern zu verlangen: „Als Versicherungsbranche werden wir früher oder später darüber nachdenken müssen, möglicherweise Tarife nach Impfstatus zu unterscheiden.

Solche Unterscheidungen sind gängige Praxis in der privaten Krankenversicherung und werden über die Gesundheitsfragen vor Eintritt in die Krankenkasse geklärt. „Schon jetzt dürfen Krankenkassen beim Tarif zwischen Rauchern und Nicht-Rauchern unterscheiden”, erläutert Rollinger. Eine Impfung kostet schließlich deutlich weniger als ein Platz auf der Intensivstation aufgrund einer Corona-Infektion. Laut Erhebungen der AOK für das ARD-Politmagazin Report kostet ein beatmeter Covid-19-Patient durchschnittlich 34.200 Euro.

Rollingers Verständnis für jene, die sich trotz Impfangebot und ohne medizinischen Grund nicht impfen lassen wollen, ist gering. So hängt die Frage, ab wann der Impfstatus als Faktor im Tarif Berücksichtigung finden könne, laut dem Vorstandschef davon ab, „wie lange sich die schweigende Mehrheit der Geimpften von den hartnäckigen Impfverweigerern noch auf der Nase herumtanzen lässt.”

Während eine Unterscheidung nach Impfstatus in den privaten Krankenversicherung noch denkbar ist, wird eine Differenzierung im System der gesetzlichen Krankenkassen schon schwerer. Da in Deutschland eine Versicherungspflicht besteht, müssen die gesetzlichen Kassen ohne vorherige Gesundheitsfragen jeden krankenversichern. Für gesetzlich Krankenversicherte vorstellbar wäre hingegen eine Art „Belohnung” Geimpfter über die Bonusprogramme.