Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Baukindergeld: Entlastung für Familien oder teure Geldverschwendung?

Mit dem Baukindergeld will Unions-Fraktionsvorsitzender Kauder Familien bei der Eigenheimfinanzierung unterstützen. Damit Wohnraum für junge Eltern künftig bezahlbarer wird, sollen sie einen Zuschuss zum Kindergeld bekommen, wenn sie ein Haus kaufen oder bauen. Diese Idee ist keinesfalls neu und wird von der Opposition scharf kritisiert.

Veröffentlicht am 2. November 2016



Die Union will es jungen Familien künftig leichter machen, eine Wohnung zu kaufen oder ein Eigenheim zu bauen. Durch die Wiedereinführung des sogenannten Baukindergelds sollen sich Eltern einfacher bezahlbaren Wohnraum sichern können und finanziell entlastet werden.

Beim Baukindergeld handelt es sich um eine jährliche Zuzahlung zum Kindergeld, die es in Deutschland seit 2006 nicht mehr gibt. Nun fordert der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Kauder in der Bild, diese Unterstützung wieder einzuführen. Während sich beispielsweise der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter hinter ihn stellt, erntet Kauder für seinen Vorschlag von der Opposition harsche Kritik.

Was ist das Baukindergeld?

Mit dem Baukindergeld erhielten Eltern, die sich ein Eigenheim zugelegt haben, von 1987 bis 1996 für jedes Kind eine jährliche Zuzahlung von etwa 1.000 DM. Diese sollte die Familien bei der Finanzierung der Wohnung oder des Hauses unterstützen. Im Jahr 1996 löste die Kinderzulage zur Eigenheimzulage das Baukindergeld ab, sodass sich der Zuschuss auf bis zu 800 Euro pro Kind erhöhte.

Union will Familien beim Hauskauf durch Baukindergeld entlasten

Die CSU plädierte bereits nach der Bundestagswahl 2009 dafür, das Baukindergeld wieder einzuführen. Sie plante, Eltern für jedes Kind mit bis zu 1.200 Euro pro Jahr unter die Arme zu greifen. Ihr Vorschlag konnte sich allerdings nicht durchsetzen – bis jetzt. Da es besonders für junge Familien zunehmend schwieriger ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden, greifen Vertreter der Union die Idee wieder auf. So haben in diesem Jahr bereits der bayerische Finanzminister Söder, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Hasselfeldt sowie die CDU in Nordrhein-Westfalen eine Wiederbelebung des Baukindergelds gefordert. Fraktionschef Kauder schließt sich dem nun. Er schlägt weiterhin vor, Immobilien, die dem Bund gehören, bevorzugt an familienorientierte Bauvorhaben zu vergeben.

Opposition kritisiert Baukindergeld als Symptombekämpfung

Während CSU-Politiker Söder die Reaktivierung des Baukindergelds als Teil der geplanten Steuerentlastung für Geringverdiener sieht, ist die Idee in der Opposition vielfach auf Kritik gestoßen. Wie Kerstin Andreae von den Grünen betont, sei im Haushalt 2018 überhaupt kein Geld vorhanden, das verteilt werden kann. Wirtschaftsexperten weisen außerdem darauf hin, dass selbst mithilfe des Baukindergelds wohl nur wenige zum Hausbau oder -kauf animiert werden dürften. Der Wohnraummangel bliebe so weiter bestehen.

Harsche Kritik erntet der Vorschlag vor allem von der FDP, die bereits 2009 gegen eine Wiedereinführung des Baukindergelds war. Die Partei fordert die Regierung auf, Familien mit echten Entlastungen anstelle von Symptombekämpfung zu unterstützen. „Statt mit dem sogenannten Baukindergeld wieder teure und bürokratische Umverteilung zu organisieren, muss das Übel bei der Wurzel gepackt und das fortlaufende Abkassieren bei jungen Familien beendet werden“, betont FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. So werden Familien unter anderem durch steigende Energiepreise, höhere Sozialabgaben und die kalte Progression finanziell immer mehr belastet. Ein Immobilienerwerb sei demnach auch mit der Zuzahlung aus dem Baukindergeld nicht realistischer.