Belebte Innenstadt
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Betriebsrente und Rürup-Rente: Wichtige Anpassungen 2022 für Sparer

Wer mit einer betrieblichen Altersvorsorge fürs Alter spart und dabei die Grenzen der steuer- und sozialabgabenfreien Beiträge ausreizt, muss 2022 handeln. Andernfalls fallen auf einen Teil der Einzahlungen Steuern und Sozialabgaben an. Grund ist die jährliche Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze. Diese hat auch Auswirkungen auf die Rürup-Rente.

  • 2022 verringert sich eine wichtige Kennzahl der betrieblichen Altersvorsorge.
  • Sparer können dadurch einen geringeren Beitrag sozialabgabenfrei einzahlen.
  • Bei der Rürup-Rente sinkt der Höchstbeitrag ebenfalls, dennoch können Sparer 2022 mehr steuerlich absetzen.

Zum Jahreswechsel werden die Sozialversicherungsrechnungsgrößen regelmäßig angepasst. Gutverdiener merken dies meist daran, dass sie mehr für die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung zahlen, da die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze steigt. Dadurch wird ein größerer Teil ihres Einkommens für die Beitragsberechnung berücksichtigt. Im Bereich der privaten Krankenversicherung sind diese Änderungen ebenfalls wichtig. Denn sie geben vor, ab welchem Bruttoeinkommen Angestellte in die private Krankenversicherung wechseln können.

2022 gibt es nur wenige Anpassungen. In den meisten Bereichen bleibt alles beim Alten – jedoch nicht überall. Durch die Absenkung der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung West können Verbraucher mit einer betrieblichen Altersvorsorge weniger Beiträge steuer- und sozialabgabenfrei einzahlen. Bei der Rürup-Rente sinkt der Höchstbeitrag, den Sparer steuerlich absetzen können.

Anpassungen bei der Betriebsrente 2022

Beiträge für die Betriebsrente sind bis zu einer bestimmten Grenze steuer- und sozialabgabenfrei. Der Anteil, der vom Bruttoeinkommen in die betriebliche Altersvorsorge fließt, geht also zu 100 Prozent dorthin, ohne Abzüge.

Die Grenze gibt die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung West vor. Sozialabgabenfrei sind maximal vier Prozent davon, steuerfrei acht Prozent.

Für 2021 bedeutet das:

  • Sozialabgaben – 4 % von 85.200 Euro = 3.408 Euro (monatlich 284 Euro)
  • Steuern – 8 % von 85.200 Euro = 6.816 Euro (monatlich 568 Euro)

2022 sinkt nun die Beitragsbemessungsgrenze auf 84.600 Euro. Die Höchstgrenzen reduzieren sich damit:

  • Sozialabgaben – 4 % von 84.600 Euro = 3.384 Euro (monatlich 282 Euro)
  • Steuern – 8 % von 84.600 Euro = 6.768 Euro (monatlich 564 Euro)

Achtung: Mögliche Doppelverbeitragung

Wer die bisherigen Höchstbeiträge auch 2022 ausreizt, zahlt dann pro Monat zwei Euro zu viel. Auf das Jahr gerechnet also 24 Euro, auf die Sozialabgaben anfallen. Für diese Summe kann es später zu einer Doppelverbeitragung kommen, da auf die Betriebsrente nach Abzug eines Freibetrags ebenfalls Sozialabgaben anfallen.

Komplizierter wird es, wenn sich der Arbeitgeber bisher nicht oder nur wenig an der Betriebsrente beteiligt hat. Denn ab dem 1. Januar 2022 muss er 15 Prozent zur sogenannten Entgeltumwandlung beisteuern. Kommt dieser Zuschuss auf einen ohnehin hohen Beitrag pauschal zu, übersteigt die Summe ebenfalls die Höchstgrenze.

Ein Beispiel:

Eine Angestellte zahlt bisher 250 Euro in die Betriebsrente ein. Durch den pauschalen Zuschuss von 15 Prozent, also 37,50 Euro, liegt der Gesamtbeitrag bei 287,50 Euro und damit 5,50 Euro über der Freigrenze von 2022.

Anpassungen bei der Rürup-Rente 2022

Auch die Beitragsbemessungsgrenze für die knappschaftliche Rentenversicherung West sinkt zum 1. Januar 2022 von 104.400 Euro auf 103.800 Euro. Diese ist für die Rürup-Rente wichtig, auch Basisrente genannt. Von ihr hängt ab, wie viel Sparer 2022 maximal steuerlich absetzen können.

2021 liegt der Rürup-Höchstbeitrag bei 25.786,80 Euro, 2022 nur noch bei 25.638,60 Euro. Bliebe es dabei, könnten Versicherte im kommenden Jahr weniger steuerlich absetzen. Da jedoch der prozentuale Anteil steigt, den das Finanzamt von den eingezahlten Rürup-Beiträgen berücksichtigt, steigt der maximal steuerlich absetzbare Anteil dennoch.

Das Finanzamt erkennt 2021 92 Prozent der Einzahlungen an. Wer den Höchstbeitrag von 25.786,80 Euro geleistet hat, setzt so 23.724 Euro ab. 2022 werden 94 Prozent berücksichtigt, sodass Sparer höchstens 24.100 absetzen können.