Chat statt Wartezimmer: TK führt Online-Video-Sprechstunde ein

Statt persönlich beim Arzt zu erscheinen, soll es für Versicherte der Techniker Krankenkasse ab September möglich sein, Beschwerden einfach via Online-Video-Sprechstunden abklären zu lassen. Der Vorteil: Patienten sparen sich weite Wege und mitunter lange Wartezeiten. Doch ob die Telemedizin einen echten Mehrwert hat, muss die Praxis erst noch zeigen.

Die Techniker Krankenkasse (TK) startet zum 1. September 2015 ein ungewöhnliches Pilotprojekt. Statt zum Arzt zu gehen, sollen sich Patienten einfach vor den Computer oder das Tablet setzen und via Video-Sprechstunde behandelt werden. Dabei arbeitet die Krankenkasse mit dem Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD) zusammen. Die Online-Video-Sprechstunde richtet sich daher primär an Versicherte der TK, die ihren Hautarzt aufsuchen wollen. Doch wie können die Mediziner via Videochat abklären, welche Hautkrankheiten bzw. Beschwerden Patienten haben?

Video-Sprechstunde für TK-Versicherte für Nachkontrolle

Das neue Angebot soll nicht alle Hautarzttermine grundsätzlich ersetzen. Erst wenn Diagnose und Therapie während eines persönlichen Arzttermins geklärt sind, stellt die Online-Video-Sprechstunde eine Alternative zum erneuten Arztbesuch dar. „Wenn der Patient einmal in meiner Praxis war, reichen zur Nachkontrolle oft ein kurzer Blick und ein kurzes Gespräch – dafür muss sich künftig kein Patient mehr auf den Weg in meine Praxis machen“, erläutert Dr. Klaus Strömer, Hautarzt und BVDD-Präsident, das Ziel hinter dem neuen Pilotprojekt. TK-Versicherte sparen sich dadurch nicht nur den Weg in die Arztpraxis, sondern auch Zeitverluste durch Anfahrt und Wartezeiten.

Strömer sieht verschiedene Fälle, in denen Patienten ihren Arzt per Video konsultieren können, etwa:

  • Abklärung eines Krankheitsverlaufs, bspw. Wundheilung nach OP
  • Änderung der Medikation
  • Überprüfung therapeutischer Erfolg, bspw. Wirksamkeit verordneter Salbe
  • Patientenschulung bei längerer Behandlung

„Tür zu echter Telemedizin öffnen“

Mit dem ab September startenden Pilotprojekt nimmt die Techniker Krankenkasse eine Vorreiterrolle im Bereich der Telemedizin ein. Die Online-Video-Sprechstunde „soll die Tür zu echter Telemedizin im ambulanten ärztlichen Bereich öffnen“, heißt in der aktuellen Pressemitteilung. Während Ärzte vom Einstieg in eine neue Form vergüteter Arbeit profitierten, böte die Online-Sprechstunde Patienten eine Behandlungsalternative in Gegenden, in denen keine Strukturen vorhanden sind, zum Beispiel auf dem Land, so Klaus Rupp von der TK. Außerdem könnten durch das Projekt die Praxen der Ärzte entlastet werden.

Wie funktioniert der Video-Chat mit dem Arzt?

TK-Versicherte, die einen Termin für die Online-Video-Sprechstunde von ihrem Hautarzt bekommen haben, loggen sich zum vereinbarten Zeitpunkt mit dem PC, Laptop oder anderem technischen Gerät in das virtuelle Sprechzimmer ein. Dazu ist keine spezielle Software notwendig, denn die TK arbeitet mit dem Start-up Patientus zusammen, das eine entsprechende Website für die Sprechstunde bereitstellt. Nach Eingabe des sechsstelligen Termin-TAN werden Patienten nacheinander vom Arzt aufgerufen. Als Vorwarnung läuft ein zehn-sekündiger Countdown ab, sodass Versicherte nicht überrascht werden, wenn der Arzt am anderen Ende der Leitung plötzlich im Video-Fenster vor ihnen erscheint. Sofern sich das Pilotprojekt in ausgewählten Praxen bewiesen hat, wird das Angebot auf weitere Arztpraxen ausgeweitet.