Person liegt im Krankenhausbett
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Corona-Langzeitfolgen: Welche Long-Covid-Symptome gibts und was hilft?

Covid-19-Erkrankte haben häufig noch viele Monate nach Genesung mit ernsten Langzeitfolgen wie Müdigkeit, Gedächtnisproblemen oder Muskelschwäche zu tun. finanzen.de gibt einen Überblick, welche Symptome „Long Covid” mit sich bringt und was Betroffene bei Corona-Spätfolgen tun können.

Welche Langzeitfolgen hat Corona? Bis diese Frage abschließend geklärt ist, werden wohl noch viele Jahre vergehen. Denn je länger das Virus wütet, desto mehr Folgen zeigen sich. So schien Anfang der Woche eine Studie im International Journal of Audiology, einem medizinischen Fachjournal zur Hör-Erforschung, die einen Zusammenhang zwischen Hörproblemen und Covid-19 vermutet. Laut der Forscher berichteten rund 15 Prozent der untersuchten Patienten nach ihrer Corona-Erkrankung von einem Tinnitus oder Ohrensausen.

Studienergebnisse und Meldungen neuester Hypothesen zu Covid-Langzeitfolgen (engl. Long-Covid) werden seit letztem Sommer regelmäßig publik. Eine Klassifikation der Symptome fällt jedoch weiterhin schwer.

Welche Long-Covid-Symptome wurden bisher identifiziert?

Bisher fehlen systematische Langzeitstudien, um die Long-Covid-Symptome genau und einheitlich definieren zu können. Am häufigsten treten nach einer Covid-Erkrankung Fatigue-Erscheinungen auf, also Erschöpfungssyndrome mit eingeschränkter Belastbarkeit.

Von 1.655 Long-Covid-Erkrankten einer chinesischen Studie am Jin Yin-tan Hospitals litten 63 Prozent an solchen Ermüdungserscheinungen und Muskelbeschwerden. 26 Prozent hatten Schlafstörungen, 23 Prozent Depressionen. Auch neurologische Beschwerden wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen treten regelmäßig auf. Langzeitfolgen wie diese zeigen sich selbst nach milden Covid-19-Verläufen.

Die bisher am häufigsten beobachteten Long-Covid-Symptome im Überblick:

  • Anhaltende Müdigkeit (Fatigue) und Konzentrationsstörungen
  • Schmerzen oder Schwäche in Muskeln und Gelenken
  • Schlafprobleme
  • Depression
  • Geringere Belastbarkeit
  • Riech- und Geschmacksstörungen
  • Gedächtnisprobleme oder Wortfindungsstörungen
  • Kurzatmigkeit
  • Plötzliches Erbrechen und Schwindel

Wie häufig treten Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion auf?

Wer sich mit SARS-CoV-2 infiziert hat, kämpft oft noch lange Zeit mit Einschränkungen und Schmerzen, nachdem die eigentliche Infektion abgeklungen ist. Über die Häufigkeit dieser Langzeitfolgen sind sich Experten noch uneinig. Oft ist davon die Rede, dass 10 bis 20 Prozent der Menschen nach einer Corona-Erkrankung von diesen Spätfolgen betroffen sind.

Prof. Siegbert Rief, Infektiologe vom Universitätsklinikum Freiburg, erklärt gegenüber dem NDR, dass es „bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten nach Wochen oder drei, vier Monaten zu einer deutlichen Besserung kommt und dann der Großteil der Patienten wieder beschwerdefrei und normal belastbar ist”. So viel Glück hat jedoch nicht jeder, erläutert der Infektiologie weiter: „Bei einer kleineren Subgruppe von Patienten sehen wir auch zum Teil nach sechs Monaten noch Einschränkungen. Insbesondere bei denen, die auch auf der Intensivstation waren und schwere Lungenversagen hatten.”

Eine Anfang des Jahres im Wissenschaftsmagazin Lancet veröffentlichte Studie vom Jin Yin-tan Hospital in Wuhan kam sogar zu dem Ergebnis, dass ganze zwei Drittel der im Krankenhaus behandelten Covid-Patienten sechs Monate später noch an Langzeitfolgen litten.

Wen treffen die Langzeitfolgen bei Covid-19?

Lange Zeit wurde vermutet, dass Long-Covid nur ältere Patienten oder solche mit Vorerkrankung trifft. Viele Studien deuten auch darauf hin, dass besonders häufig hospitalisierte Patienten an Langzeitfolgen leiden. Inzwischen – auch im Zusammenhang mit neuen Virusmutationen – sind jedoch immer häufiger auch junge Menschen ohne Vorerkrankung oder mit asymptomatischen Krankheitsverläufen betroffen. Long-Covid kann also jeden treffen.

So berichtet Jördis Frommhold, Chefärztin der Abteilung für Atemwegserkrankungen an der Median-Reha-Klinik in Heiligendamm, Anfang der Woche im Deutschlandfunk: „Wir sehen auch in der Nachsorge, im Rehabereich, dass der Bedarf extrem ansteigt und dass es erschreckenderweise nicht nur alte Patienten sind, sondern zunehmend auch junge Patienten die weitere Symptome entwickeln.” Die jüngste Long-Covid-Patientin auf ihrer Station sei gerade mal 19 Jahre alt, doch auch viele Studenten kämpften mit kognitiven, neurologischen Problem.

Besondere Sorge bereiten der Chefärztin Patienten aus der Gruppe der 20- bis 50-Jährigen, die zwar nur einen leichten bis mittelschweren Krankheitsverlauf hatten, bei denen dann aber zwei bis vier Monate später erneut Symptome auftreten. Solche Symptome können beispielsweise plötzliche Leistungsminderung, Herzrasen, Gelenkschmerzen oder auch Haarausfall sein.

Auch bei Kindern sind inzwischen Long-Covid-Fälle bekannt. So erkrankt Ärzten zufolge eines von 1.000 Kindern auch nach harmlosem Corona-Verlauf vier bis sechs Wochen später am PIM-Syndrom. Das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome ist eine meist kurzfristige Multiorgan-Entzündung. Fast die Hälfte der erkrankten Kinder landet auf der Intensiv-Station.

Wo bekommen Long-Covid-Patienten Hilfe?

Erste Anlaufstelle sollten sogenannte Post-Covid-Sprechstunden und Ambulanzen sein, die in vielen Unikliniken eingerichtet wurden. Hier kommen Spezialisten verschiedenster medizinischer Fachbereiche zusammen, um Patienten mit Long-Covid holistisch zu untersuchen. Auch viele Rehakliniken haben sich inzwischen auf Corona-Langzeitfolgen eingestellt. Eine Übersicht dazu bietet das Informationsportal Langzeit-Covid. Auch eine Übersicht zu Selbsthilfegruppen ist dort zu finden.

Viele Betroffene suchen zudem mentale Unterstützung und tauschen sich in Facebook-Gruppen wie beispielsweise „Leben mit COVID-19 – Beschwerden & Folgen der Corona-Infektion” aus.