Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Corona-Warn-App kommt nächste Woche: Wie sicher ist die Nutzung?

Ursprünglich für April geplant, soll die Corona-Warn-App nun in wenigen Tagen veröffentlicht werden. Was sie bringt, warum es so lange gedauert hat und ob sie datenrechtlich sicher ist, klärt finanzen.de!

Österreich gehörte neben Norwegen und Island zu den App-Vorreitern und ging bereits Ende März mit der „Stopp Corona”-Applikation an den Start. Anfang Juni zog mit Frankreich ein weiteres Nachbarland nach. In der nächsten Woche soll es nun auch bei uns so weit sein. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab dies im Interview mit der Rheinischen Post bekannt: „Wir werden die App im Laufe der nächsten Woche vorstellen. Diese Zeit brauchten wir für die Entwicklung, weil wir hohe Anforderungen stellen: Die App muss auf allen Endgeräten genutzt werden können und soll beispielsweise auch dann messen, wenn man mit dem Handy Musik hört.”



Wie wichtig das ist, zeigt auch die Kritik an dem französischen Pendant, der „Stop Covid”-Warn-App. Besonders bei iPhones hakt dort derzeit der Kontaktaufbau, wenn die App nicht im Vordergrund läuft oder das Telefon in den Energiesparmodus geht. Somit können Kontakte mit Infizierten nicht zuverlässig nachvollzogen werden.

Wie funktioniert die Warn-App überhaupt?

Die App soll das Nachverfolgen von Kontakten, die ein Coronavirus-Infizierter mit Unbekannten hatte, erleichtern. Bisher versuchen die Gesundheitsämter diese Arbeit mit viel personellem Aufwand zu leisten.

Die App funktioniert nach folgendem Prinzip: Ein Smartphone-Besitzer lädt sich die Corona-Warn-App kostenlos herunter. Das Handy vernetzt sich dann über Bluetooth automatisch mit den Geräten anderer Nutzer in der Umgebung, wenn diese sich dort für einen gewissen Zeitraum aufhalten. Es werden anonymisierte Daten über Dauer und Abstand des Kontaktes ausgetauscht, auch die Identität bleibt geheim. Erkrankt ein Nutzer am Coronavirus, kann er dies freiwillig in der App melden.

Um Missbrauch zu vermeiden, muss die Erkrankung jedoch ärztlich bestätigt werden. Das geschieht über einen QR-Code, den der Nutzer bei einem positiven Testergebnis vom Labor oder Arzt erhält und mit dem Handy einscannt. Auch über TANs soll die Meldung verifiziert werden können, denn vielen Laboren fehlen die Möglichkeiten zur Erstellung von QR-Codes. Kontaktpersonen des Infizierten werden durch die App über das Ansteckungsrisiko informiert und bekommen ihre „persönliche Risikostufe” mitgeteilt, die sich nach bestimmten Faktoren errechnet.

Bluetooth und App im Dauergebrauch – frisst das nicht die Akkuladung?

Wer sich bei der App-Nutzung vor allem um seine Akkuladung sorgt, wird von Spahn beruhigt: „Eine App, die in wenigen Stunden den Akku des Handys leerzieht, nutzt keiner.” Dementsprechend wurde dem in der Entwicklung gegengesteuert. Schließlich setzt der Gesundheitsminister auf eine möglichst hohe Anzahl, die die App freiwillig anwenden, um Infektionsketten transparenter zu machen.

Die „Corona-Warn-App” getaufte Anwendung nutzt eine Schnittstelle, die sich „Privacy-Preserving Contact Tracing” nennt und von Google und Apple entwickelt wurde. Über diese Schnittstelle werden Bluetooth-LE-Signale sehr energiesparend im Hintergrund ausgetauscht, wie das Magazin C’T berichtet. Gescannt wird auch nur alle fünf Minuten für zwei bis vier Sekunden.

Das spart zwar Akku, führt aber auch dazu, dass sehr enge Kontakte, die nur kurzweilig stattfanden, nicht erfasst werden. Das automatische Tracing (dt. Rückverfolgung) kann vom Nutzer jederzeit deaktiviert werden.

Wie kritisch steht es um die Datensicherheit mit der Corona-Warn-App?

Der hohe Anspruch an den Datenschutz stellte laut Spahn einen weiteren Hauptfaktor des verzögerten Release-Termins dar. Um das Vertrauen der Bevölkerung in die App zu bestärken, hatten die an der Entwicklung beteiligten Konzerne SAP und Telekom den kompletten Code der App online offengelegt.

Bis Pfingsten beteiligten sich mehr als 65.000 Software-Experten ehrenamtlich an dem Open-Source-Projekt und gaben Input für mögliche Verbesserungen oder Sicherheitslücken im Code der App. Wichtig für den Verbraucher ist, dass bei der Nutzung keine Geo-Daten übertragen werden, also keine Ortung des Users möglich ist. Telekom und SAP versichern zudem, dass keinerlei personenbezogenen Daten gespeichert werden und auch keine Daten das Mobiltelefon verlassen.

Die anonymisierten Kontaktdaten werden direkt auf dem jeweiligen Smartphone des Nutzers gespeichert. Diese werden in der App mit den täglich aus der Open Telekom Cloud heruntergeladenen Kennungen, der aktuell Infizierten, lokal auf dem Smartphone abgeglichen. Damit erfährt nur der App-Nutzer selbst, ob er sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat und wie hoch sein Ansteckungsrisiko ist. Die Entscheidung, ob er sich aufgrund einer Warnung isoliert, um nicht möglicherweise andere Menschen anzustecken, bleibt dem Einzelnen damit selbst überlassen.

Heute Freiwilligkeit, morgen Pflicht-App?

Nach bisherigem Stand ist die Nutzung der Corona-Warn-App freiwillig – und wird dies auch bleiben. Weitere Anreize, wie von CDU-Politiker Axel Voss ins Gespräch gebracht, soll es nicht geben. Er hatte im Mai angeregt, App-Nutzern bevorzugten Zugang beispielsweise ins Kino oder Restaurant zu ermöglichen. Diese Idee war auf harten Gegenwind von allen Seiten gestoßen.

So lehnte SPD-Vorsitzende Saskia Esken dies entschieden ab: „Der einzige Anreiz, sich eine solche Tracing-App aufs Handy zu laden, sollte der sein, diese Pandemie in den Griff zu kriegen.“ Ähnliche Reaktionen kamen parteiintern, vonseiten der Linken oder auch der FDP. Gegenüber der Berliner Zeitung machte FDP-Politiker Mario Brandenburg deutlich: „Wir sind ein Staat und kein Bonusmeilenprogramm.“

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn setzt auf Freiwilligkeit und zeigt sich gegenüber der Rheinischen Post zuversichtlich: „Wenn wir in den kommenden Wochen einige Millionen Bürger von der App überzeugen, dann bin ich schon zufrieden.”