20 Euro Schein in der Hand
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Ende der PKV: Krankenkassenbeitrag könnte um bis zu 0,7 Prozent sinken

In Deutschland gibt es ein Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Dafür zahlen gesetzliche Krankenversicherte allerdings mehr als sie müssten. Das geht aus einer aktuellen Studie des IGES-Instituts für die Bertelsmann Stiftung hervor. Gebe es nur eine Krankenversicherung, könnte der Beitrag für alle Versicherten um 0,7 Prozent sinken.

  • Gesetzlich Versicherte könnten einen deutlich geringeren Krankenkassenbeitrag zahlen, wenn Privatversicherte in die gesetzliche Krankenversicherung einbezogen werden.
  • Durch ihr durchschnittlich höheres Einkommen würden Privatpatienten für ein deutliches Einnahmenplus auf Krankenkassenseite führen.
  • Der PKV-Verband kritisiert die Berechnungen jedoch scharf.

Bis zu 145 Euro im Jahr könnte jeder Kassenpatient zusammen mit seinem Arbeitgeber einsparen, wenn die rund neun Millionen Versicherten der privaten Krankenversicherung (PKV) in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eingegliedert werden. Denn mit der Auflösung der PKV und der Einführung einer einheitlichen Bürgerversicherung könnte der Krankenkassenbeitrag von derzeit 14,6 Prozent auf 13,9 Prozent gedrückt werden.



Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können. Das ist der Preis dafür, dass sich Deutschland als einziges Land in Europa ein duales Krankenversicherungssystem leistet“, resümiert Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung die Ergebnisse der vom IGES-Institut erarbeiteten Studie.

Plus von rund zehn Milliarden Euro durch Ende der PKV

Im Schnitt liegt das beitragspflichtige Jahreseinkommen der GKV-Versicherten bei 24.149 Euro, so die Studie. Privat Krankenversicherte verdienen dagegen deutlich mehr. Sie weisen ein durchschnittliches Einkommen von 37.858 Euro auf. Da der Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung einkommensabhängig ist, würde diese durch den Einbezug der Privatversicherten ein deutliches Einnahmenplus verbuchen. Die Studie rechnet mit rund 38,6 Milliarden Euro.

Die rund neun Millionen Privatversicherten gehen jedoch auch zum Arzt und nehmen Behandlungen in Anspruch, die von den Kassen bezahlt werden müssen. Die Studie geht davon aus, dass jeder PKV-Versicherte pro Jahr mindestens 2.752 Euro Gesundheitskosten verursacht. In der Summe lägen die Ausgaben bei 28 Milliarden Euro, die die Krankenkassen zusätzlich für ihre neuen Mitglieder begleichen müssten. Unter dem Strich bliebe damit ein Plus von 10,6 Milliarden Euro, das für eine deutliche Beitragssenkung genutzt werden könnte.

PKV-Verband stellt Ergebnisse der Studie infrage

Der PKV-Verband kritisiert die Studie als „Rechenexempel im luftleeren Raum.“ Denn das Geld, was Versicherte einsparen könnten, würde den Arztpraxen fehlen. Dadurch würden sich „die Wartezeiten und die Versorgungsqualität für alle Patienten drastisch verschlechtern“, warnt PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther.

Die Bertelsmann-Studie hat zwar auch berechnet, wie stark der Krankenkassenbeitrag sinken könnte, wenn die Ärzte einen Honorarausgleich für den Wegfall der Behandlung von Privatpatienten erhalten würden. Dann wären bis zu 0,3 Prozent weniger möglich. Allerdings wird dabei aus Sicht von Reuther nur der ambulante Bereich berücksichtigt, in dem sich der Ausgleich auf 6,4 Milliarden Euro summiert. „Der tatsächliche Mehrumsatz der PKV ist mehr als doppelt so hoch: 13,2 Milliarden Euro pro Jahr, die dem Gesundheitswesen zu Gute kommen – von Krankenhäusern über Hebammen bis zu Physiotherapeuten.“ Kassenpatienten würden daher mehr für ihren Krankenversicherungsschutz zahlen, wenn die PKV und GKV in eine Bürgerversicherung aufgingen.