Mann sitzt auf einer Treppe
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Enorme finanzielle Entlastung durch neue Rentenbesteuerung

Im Mai vergangenen Jahres hat der Bundesfinanzhof die Regierung aufgefordert, eine Reform der Rentenbesteuerung auf den Weg zu bringen. Andernfalls droht eine Doppelbesteuerung der Renten von künftigen Senioren. Eine aktuelle Berechnung zeigt nun, dass Steuerzahler durch die Anpassungen über 20.000 Euro an Steuern einsparen könnten.

  • Um eine künftige Doppelbesteuerung der Renten zu verhindern, wird die Rentenbesteuerung angepasst.
  • Daraus ergeben sich teils erhebliche Steuervorteile, wie eine neueste Analyse zeigt.
  • Vor allem die Jahrgänge zwischen 1970 und 1980 können einiges an Steuern einsparen.

Viele Jahre mussten sich so manche Senioren mit den Finanzämtern herumschlagen, da aus Sicht der Rentner ihr Altersgeld doppelt besteuert wird: einmal während des Erwerbslebens, weil die Rentenbeiträge aus versteuertem Einkommen gezahlt wurden und ein weiteres Mal im Ruhestand, wenn die Rente besteuert wird. Lange blieb die Situation ungeklärt. Doch im vergangenen Jahr hat der Bundesfinanzhof Stellung bezogen.

Im verhandelten Fall sahen die Richter zwar keine Doppelbesteuerung. Dennoch warnten sie davor, dass diese künftig drohen könnte. Die Regierung müsse daher handeln, damit es zu keinen Ungerechtigkeiten kommt.

Schnell kündigte der damalige Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eine Anpassung bei der Rentenbesteuerung an, Christian Lindner (FDP) als aktueller Finanzminister bekräftigte das Vorhaben. Demnach sollen Steuerzahler bereits ab 2023 ihre Rentenbeiträge zu 100 Prozent von der Steuer absetzen können – statt erst 2025. Gleichzeitig ist geplant, dass der Prozentsatz für die Rentenbesteuerung künftig nur noch um einen halben statt um einen ganzen Prozentpunkt steigt.

Doch was bedeutet das konkret für den Geldbeutel? Das hat der Finanzmathematiker und Rentenexperte Werner Siepe aktuell für das Portal Ihre Vorsorge berechnet. Vor allem ein Jahrgang profitiert immens von der neuen Rentenbesteuerung und kann mehr als 23.000 Euro an Steuer einsparen.

Modellrechnungen zur neuen Rentenbesteuerung: Tausende Euro Steuervorteil

Siepe hat die Steuerersparnisse für sieben Jahrgänge zwischen 1960 und 1990 berechnet. Dabei zog er zwei Musterpersonen heran: einen Durchschnittsverdiener, dessen Einkommen aktuell bei 3.240 Euro brutto liegt, und einen Top-Verdiener mit 7.050 Euro Verdienst. Zudem nahm der Mathematiker an, dass der Renteneintritt mit 65 Jahren erfolgt und die gesetzliche Rente für 20 Jahre fließt.

Unter diesen Rahmenbedingungen zeigt sich, dass vor allem die heutigen 47-Jährigen, also der Jahrgang 1975, deutlich von der neuen Rentenbesteuerung profitieren wird. Für Durchschnittsverdiener liegt der Steuervorteil bei mehr als 12.000 Euro. Bei einem Top-Verdiener sind es sogar über 23.000 Euro.

Am geringsten sind die Ersparnisse dagegen bei den ältesten und jüngsten Jahrgängen. So können sich heutige 62-Jährige, die mit 65 Jahren in Rente gehen, nur auf knapp 1.500 Euro Ersparnis einstellen. Bei sehr gut Verdienenden ist es etwa doppelt so viel. Der Jahrgang 1990 kommt auf einen Steuervorteil von 2.800 Euro bis 5.259 Euro, wenn er 2055 in Rente geht.

JahrgangSteuervorteil Durchschnitts­verdienerSteuervorteil Top-Verdiener
19601.538 Euro2.937 Euro
19654.537 Euro8.339 Euro
19708.149 Euro15.210 Euro
197512.482 Euro23.522 Euro
19809.952 Euro18.819 Euro
19856.762 Euro12.727 Euro
19902.800 Euro5.259 Euro

Quelle: Werner Siepe für das Portal Ihre Vorsorge