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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Europarente: Neue EU-weite Altersvorsorge startet ohne Anbieter

Günstig, flexibel, einfach – die neue Europarente PEPP bietet vieles, was sich so mancher Verbraucher von seiner Altersvorsorge wünscht. Seit heute könnten Interessierte das paneuropäische private Pensionsprodukt abschließen. Doch dafür fehlt es an Anbietern. Aus Sicht von Kritikern ist dies auch gar nicht verwunderlich.

  • Die Europarente ist nach rund drei Jahren Planung heute gestartet.
  • Durch flexible Altersvorsorgeprodukte will die Europäische Union Altersarmut bekämpfen.
  • Noch hadern die Anbieter jedoch mit dem Kostendeckel, konkrete Angebote fehlen derzeit.

Altersarmut ist nicht nur in Deutschland ein Problem, sondern in ganz Europa. Private Vorsorge ist daher für jeden wichtig. Doch gerade wenn Bürger über Landesgrenzen hinweg arbeiten, kann es am Ende eines Arbeitslebens ganz schön kompliziert werden, wenn sie aus verschiedenen Ländern Renten beziehen. Die Europäische Union hat daher 2019 die Einführung der Europarente oder PEPP beschlossen.

Mit dem heutigen Tag kann diese auch vertrieben werden. Doch es findet sich dafür EU-weit bisher kein Versicherer. Dem österreichischen Fachverband der Versicherungsmakler zufolge stehen rund 15 Anbieter in den Startlöchern, weitere 18 können sich zumindest eine Produktentwicklung vorstellen. Doch ob dies noch 2022 passiert, ist offen.

Europarente: Zu eng gesteckter Rahmen oder zu hohe Profitgier?

Bei der Europarente konzentriert sich die EU auf viel Flexibilität für Versicherte und setzt den Versicherern enge Grenzen. Die Rahmenbedingungen lauten unter anderem:

  • Einfach aufgebaut
  • Hohe Vergleichbarkeit
  • Keine teuren Garantien
  • Flexibel bei der Geldanlage
  • Flexibel bei Ein- und Auszahlmöglichkeiten
  • Wechselrecht alle fünf Jahre
  • Niedrige Kosten

Vor allem der letzte Punkt scheint derzeit viele Anbieter zurückzuhalten. So dürfen die Kosten beim Basisprodukt nicht mehr als ein Prozent des angesparten Kapitals pro Jahr für die Verwaltungs-, Anlage- und Vertriebskosten betragen.

Aus Sicht von Martin Klein, Vorstand bei Votum, dem Verband unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen in Europa, ist die Sache klar: „Wenn EU-Gesetzgeber und Regulatoren mit unrealistischen Wunschvorstellungen selbst Produktentwickler spielen, dürfen sie sich nicht wundern, dass der Markt nicht folgt. Jeder Anbieter weiß, dass gerade in der Anfangsphase einer Produktlinie Verwaltungskosten deutlich erhöht sind und sich eine Entwicklung für einen ungewissen Markt schnell als unrentables Zuschussgeschäft entpuppt“, erläutert Klein.

Wird sich die Europarente durchsetzen?

Ganz anders schätzen Befürworter die Europarente ein. Für sie ist es nur eine Frage der Zeit, bis Verbraucher die europaweite Altersvorsorge abschließen können. Andersfalls drohen die Versicherer den Anschluss zu verlieren, meint zumindest Til Klein, Gründer des Finanzdienstleisters Vantik.

„Es wird Zeit, dass die Versicherungsbranche endlich ihren Widerstand gegen die Europarente aufgibt und die Chance ergreift, die private Altersvorsorge zu modernisieren. Andernfalls kann es sein, dass sie von neuen Spielern überholt wird. Denn mit der Europarente kommt auch die Öffnung der privaten Altersvorsorge für Nicht-Versicherungen, wie Asset Manager, Robo-Advisor und Neobroker. Die stehen schon in den Startlöchern, um die Innovationslücke zu füllen, welche die Versicherungsbranche offen lässt“, so Klein gegenüber Procontra Online.