Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Flexi-Rente: Früher in Rente ohne Abschläge durch Ausgleichszahlungen

Gehen Personen frühzeitig in den Ruhestand, müssen sie mit Einbußen bei ihrer gesetzlichen Rente rechnen. Diese Abschläge können sie jedoch ausgleichen, indem sie die erwarteten Rentenabzüge durch Zusatzzahlungen in die Rentenkasse wettmachen. Mit der neuen Flexi-Rente können künftige Frührentner schon eher mit den Ausgleichzahlungen beginnen.

Veröffentlicht am 26. September 2016
Vor wenigen Wochen hat sich das Bundeskabinett auf die Flexi-Rente geeinigt. Mit ihr sollen Rentner, die das reguläre Renteneintrittsalter noch nicht erreicht haben, wesentlich einfacher Geld neben ihrer Rente hinzuverdienen können. Darüber hinaus werden Anreize sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber geschaffen, sodass mehr ältere Beschäftigte über ihren Renteneintritt hinaus weiterarbeiten.

Neben diesen Neuregelungen bleibt eine geplante Änderung weitgehend unbemerkt: Durch das Flexirentengesetz soll auch das Alter herabgesetzt werden, ab dem künftige Frührentner Rentenabschläge durch Ausgleichzahlungen an die Rentenkasse ausbalancieren können. Bisher ist es  Personen, die vor ihrem regulären Renteneintritt in den Ruhestand gehen wollen, erst ab 55 Jahren möglich, Abschläge durch zusätzliche Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung auszugleichen.

Früher in Rente: Ausgleichszahlungen an Rentenkasse durch Flexi-Rente eher möglich

Pro Monat, den Frührentner eher in Rente gehen, verringert sich das Altersgeld um 0,3 Prozent. Bei einer Bruttorente von 1.000 Euro und einem um zwei Jahre vorgezogenen Rentenbeginn reduziert sich die Rente um 72 Euro pro Monat. Der Deutschen Rentenversicherung zufolge könnte dieser Abschlag durch eine Ausgleichszahlung von 17.280 Euro wettgemacht werden. Die Zahlung kann dabei auf einen Schlag oder gestückelt geschehen. Durch die Flexi-Rente kann der Ausgleich nun schon ab 50 Jahren und nicht wie bisher ab 55 Jahren beginnen.

Werden Ausgleichszahlungen getätigt und Beitragszahler entscheiden sich, doch nicht wie geplant früher in Rente zu gehen, gehen die Zahlungen nicht verloren. Stattdessen kommt es zu einem Rentenplus. Wer sogar über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, sichert sich einen weiteren Bonus von 0,5 Prozent mehr Rente pro weitergearbeiteten Monat.

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Wer kann von Flexi-Rente profitieren?

Bisher nutzen nur wenige Menschen die Möglichkeit, Rentenabschläge durch Vorauszahlungen auszugleichen. 2014 registrierte die Deutsche Rentenversicherung nicht einmal 1.000 solcher Beitragszahlungen. Das liegt wohl auch daran, dass nur wenige Personen diese Option kennen. Die Flexi-Rente könnte durch die gesunkene Altersgrenze für eine größere Nachfrage sorgen.

Ob die Regelungen zum flexibleren Renteneintritt generell dafür sorgen, dass mehr Menschen länger als nötig arbeiten beziehungsweise der Übergang vom Arbeits- in das Rentnerleben durch bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten fließender wird, ist ungewiss. Eine aktuelle Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen legt zumindest für Gutverdiener die Vermutung nahe, dass die Flexi-Rente das Ziel des flexibleren Renteneintritts nicht erreichen wird. Wie die Passauer Neue Presse berichtet, könne „nicht abschließend benannt werden“, ob die neue oder die alte Regelung der Hinzuverdienstgrenzen für Gutverdiener vorteilhafter ist.