Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Frage der Woche: Was kostet ein Platz im Pflegeheim?

Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet Pflegebedürftigen lediglich einen Teilkasko-Schutz. Das spüren vor allem Pflegeheimbewohner. Denn sie müssen sich nicht nur an den Pflegekosten beteiligen, sondern zahlen zudem die Unterbringung und Verpflegung aus eigener Tasche. Monat für Monat summieren sich die Ausgaben. Doch was kostet ein Platz im Pflegeheim genau?

Zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2020

  • Der Umzug in ein Pflegeheim ist emotional wie finanziell belastend.
  • Bundesweit kostet Pflegebedürftige ein Platz im Pflegeheim im Schnitt rund 2.015 Euro pro Monat, wie Zahlen des Verbands der Ersatzkassen zeigen.
  • Wer nicht zusätzlich mit einer Pflegeversicherung vorsorgt, kann solche Beträge kaum stemmen und riskiert dadurch finanziellen Druck für sich und seine Angehörigen.

Mit der zweiten Stufe der Pflegereform hat sich in der Pflege einiges verbessert. So müssen sich Pflegebedürftige nun nicht mehr mit steigendem Pflegebedarf stärker an den Pflegekosten im Heim beteiligen. Stattdessen gilt für Pflegeheimbewohner ein fester Betrag, der unabhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit ist. Für Menschen mit geringem Pflegebedarf bedeutet dies allerdings eine höhere finanzielle Belastung. Personen, die einen hohen Pflegegrad haben, werden dagegen deutlich entlastet.

Trotzdem bleibt die Pflege im Heim teuer. Denn neben dem Eigenanteil müssen Betroffene weitere Kosten wie Verpflegung und Unterbringung komplett selbst zahlen. Bundesweit kostet sie ein Platz im Pflegeheim dadurch im Schnitt 2.015 Euro pro Monat, so der Verband der Ersatzkassen. Je nach Region ergeben sich teilweise gravierende Preisunterschiede.

In Thüringen zahlen Pflegeheimbewohner die geringsten Pflegekosten

Das Geld der gesetzlichen Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten für die pflegerische Versorgung im Altersheim ab. Den restlichen Betrag müssen Pflegebedürftige selbst übernehmen.

Wie viel der Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim kostet, orientiert sich an der jeweiligen Einrichtung. Bundesweit werden große Unterscheide deutlich. So liegt der Eigenanteil in einem Seniorenheim in Thüringen durchschnittlich bei 490 Euro pro Monat. Mit monatlich rund 1.062 Euro zahlen Senioren in Baden-Württemberg mehr als doppelt so viel.

Welche weiteren Kosten kommen auf Pflegeheimbewohner zu?

Zum sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil für die Pflegekosten kommen die Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten, zum Beispiel für Renovierungsarbeiten im Heim, hinzu. Diese müssen die Bewohner komplett selbst tragen. Auch hierbei unterscheiden sich die Bundesländer mitunter gravierend.

Während beispielsweise die Verpflegung und Unterbringung in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern monatlich 600 Euro und weniger kostet, werden in Nordrhein-Westfalen dafür im Schnitt über 1.000 Euro pro Monat fällig. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 774 Euro.

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern setzen sich bei den Investitionskosten fort. Während in Sachsen-Anhalt nur 288 Euro veranschlagt werden, sind es in Nordrhein-Westfalen 551 Euro monatlich.

Bei finanziellen Engpässen müssen die Kinder einspringen

Selbst wenn Pflegebedürftige ein vergleichsweise günstiges Pflegeheim finden, müssen sie im Monat nach Abzug der gesetzlichen Pflegeleistungen im Schnitt mehr als 2.000 Euro dafür aufbringen. Für viele Menschen ist das nur schwer zu bewältigen. So fressen die Heimkosten nicht nur ihre Rente, sondern auch ihr Erspartes auf.

Können Betroffene selbst nicht zahlen, werden ihre Kinder in die Verantwortung gezogen. Je nach Einkommen sind sie verpflichtet, einen Teil der Heimkosten ihrer Eltern zu übernehmen. Damit es im Pflegefall nicht zu finanziellen Engpässen kommt, empfiehlt es sich, rechtzeitig mit einer privaten Pflegeversicherung vorzusorgen. Diese hilft, die Pflegelücke zu schließen.

Wie teuer ist ein Pflegeheim in Deutschland?

Der Gesamtanteil, den Pflegebedürftige im Heim aufbringen müssen, ergibt sich, wenn alle anderen Kosten mit dem Eigenanteil für die pflegerische Versorgung zusammengerechnet werden. Bundesweit betrachtet liegen die gesamten Kosten im Schnitt bei rund 2.015 Euro. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 2.405 Euro im Monat. Rund 1.000 Euro weniger und damit am wenigsten müssen Heimbewohner in Sachsen-Anhalt zahlen. Dort kostet ein Platz im Pflegeheim durchschnittlich rund 1.436 Euro.

Monatliche Pflegeheimkosten in den einzelnen Bundesländern (Stand Juli 2020):

  • Sachsen-Anhalt: 1.436 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern: 1.540 Euro
  • Thüringen: 1.564 Euro
  • Sachsen: 1.621 Euro
  • Brandenburg: 1.697 Euro
  • Niedersachsen: 1.704 Euro
  • Schleswig-Holstein: 1.841 Euro
  • Bremen: 1.959 Euro
  • Hessen: 1.965 Euro
  • Berlin: 1.990 Euro
  • Bayern: 2.018 Euro
  • Hamburg: 2.032 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 2.119 Euro
  • Saarland: 2.341 Euro
  • Baden-Württemberg: 2.354 Euro
  • Nordrhein-Westfalen: 2.405 Euro