Frau nimmt Geld aus Geldbörse
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Geldanlage: Finanztest überprüft grüne Angebote der Rentenversicherung

Nachhaltigkeit ist für immer mehr Menschen ein wichtiges Element in ihrer Lebensweise. Auch beim Sparen bevorzugen sie ökologische Aspekte und unterstützen entsprechende Investitionen. Finanztest hat deshalb grüne Fondspolicen zur Rentenversicherung untersucht. Die Auswahl an empfehlenswerten Top-Angeboten ist recht übersichtlich.

  • Insgesamt 29 fondsgebundene Rentenversicherungen hat sich Stiftung Warentest für das Magazin Finanztest angesehen.
  • Einige Produkte sind sehr teuer gegenüber einem Fondsparplan, über den der gleiche Fonds bespart wurde.
  • Die Experten heben hervor, dass diese Anlageformen als Rentenversicherung attraktiv sind, sich aber nur bei langer Laufzeit und lebenslanger Rentenauszahlung lohnen.

Nachhaltig und grün sollen heute viele Dinge sein – die Mode ebenso wie die Ernährung. Auch bei Finanzthemen legen immer mehr Menschen Wert auf ethisch-ökologische Aspekte. Nach Meinung von Stiftung Warentest sollten Banken und Versicherer diese Themen ebenfalls stärker in ihren Angeboten berücksichtigen.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins Finanztest (10/2021) stellen die Experten eine Untersuchung vor, die zeigt, wie sich das Ziel einer umweltbewussten Altersvorsorge mit Fondspolicen umsetzen lässt.

Vorsorge als Marathon und nicht als Sprint denken

Dabei machen die Experten eines von Anfang an klar: Ein Schnäppchen sind die Fondspolicen nicht unbedingt. Weil sie jedoch steuerliche Vorteile bringen, kann sich diese Investition für manchen Sparer zum Lebensabend hin doch auszahlen. Sparer sollten außerdem bereit sein, Verträge für eine Laufzeit von 20 oder noch besser 30 Jahren abzuschließen.

Nur für risikofreudige Anleger: Keine Garantien

Neben den hohen Kosten gibt es ein weiteres Risiko. Auf Garantien muss der Anleger verzichten. Das ist bei Rentenversicherungen nicht jedermanns Sache. Nach Ansicht der Experten von Stiftung Warentest ist die Investition an den Aktienmärkten dennoch eine lukrative Chance, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Sie sehen dabei zwar nicht ausschließlich die Fondspolicen als Möglichkeit an, sondern auch die Fondssparpläne. In der anhaltenden Niedrigzinsphase sind beide Vorsorgemodelle attraktiver und rentabler als die Investition in Zinspapiere und klassisches Sparen, trotz der möglichen Verlustrisiken.

So wurde getestet

Für die Auswahl der Fonds orientierten sich die Experten an einem früheren Test von nachhaltigen Top-Weltaktienfonds, der im Heft 09/2021 veröffentlicht wurde.

Folgende Fonds hoben sich darin mit hohen Bewertungen von den Wettbewerbern ab:

Aktiv gemanagte Aktienfonds

  • Ökoworld Ökovision Classic
  • GLS Bank Aktienfonds
  • JSS Sustainable Equity Global Thematic

Börsengehandelte Indexfonds (ETF)

  • Amundi MSCI World SRI ETF
  • UBS MSCI World Socially Responsible ETF
  • iShares MSCI World SRI ETF

Bei Ökoworld, JSS Sustainable und UBS MSCI World nahmen die Tester zusätzlich Nettotarife mit in die Übersicht auf. Diese sind vergleichsweise kostengünstig, bieten allerdings keinen Beratungsservice. Das heißt, sie sind für Sparer geeignet, die schon wissen, was sie wollen.

Anbieter, die diese Fonds im Portfolio haben, wurden in die Untersuchung aufgenommen. So ergab sich eine Liste mit 29 fondsgebundenen Rentenversicherern mit Tarifen ohne Garantien.

Empfehlenswert und grün ist oft sehr teuer

Um herauszufinden, wie teuer die Fondspolicen jeweils sind und wie hoch die ausgezahlte Rente in etwa sein wird, arbeiteten die Tester mit folgendem Kundenbeispiel:
Die 37-jährige Musterkundin zahlt im Monat 100 Euro in die Versicherung ein und wählt eine Laufzeit von 30 Jahren.

Daraus ermittelte Stiftung Warentest die Gesamtkosten und den Rentenfaktor der Tarife. Die Prozentpunkte der Gesamtkosten zeigen an, wie teuer der Fonds ist, der Rentenfaktor gibt Aufschluss darüber, wie hoch die Rente ausfallen wird. Je höher der Wert, desto höher die monatliche Rentenzahlung.

Zum Verdruss der Tester ist Ökoworld Ökovision Classicdie Nummer eins unter den nachhaltigen Top-Aktienfonds – besonders teuer. So liegen die Gesamtkosten bei allen acht Versicherern, die diesen Fonds im Portfolio haben, zwischen 2,8 und 3,3 Prozentpunkten. Um diesen Prozentsatz wird die angenommene Wertentwicklung von jährlich sechs Prozent gemindert.

Deutlich günstiger sind die Netto-Tarife zum gleichen Fonds. Im Angebot der Bayerischen (Fondspolice Aktiv FRVGZB) und Interrisk (MyIndex) liegen die Kosten bei etwa 2,5 Prozentpunkten pro Jahr. Im Vergleich mit den Kosten für einen Fondssparplan sind diese Varianten sogar günstiger.

Die Auswahl an Policen ist recht übersichtlich

Einen klaren Testsieger unter den Versicherungen nennt Stiftung Warentest in dem Vergleich nicht. Als Empfehlung gelten Policen, in denen Kunden mehrere Fonds zur Auswahl haben. So können Versicherte bei der Allianz (PrivatRente Invest Flex), der HDI (CleverInverst Privatrente) zwischen zwei empfehlenswerten Öko-Fonds wählen. Bei der MyLife Fondsrente und dem Volkswohl Bund (Fondspolice Next) finden Sparerinnen und Sparer sogar drei der empfehlenswerten Öko-Fonds.

Tipp: Weitere Testsieger finden Sie auf der Seite Rentenversicherung Test.

Auch wenn die Fondspolicen hohe Gewinne versprechen, so sind sie nicht für jeden Sparer das optimale Produkt. Darauf weisen auch die Experten von Stiftung Warentest mehrfach hin. Bei der Planung einer Altersvorsorge-Strategie ist es ratsam, mehrere Möglichkeiten zu prüfen. Ein persönliches Angebot ist dabei eine große Hilfe für weitere Schritte.

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