Ärztin hält Spritze in der Hand
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Höhere Beiträge für Krankenversicherung: Wieso wird es 2021 teurer?

Viele gesetzlich wie privat Krankenversicherte müssen sich 2021 auf einen höheren Beitrag für ihre Krankenversicherung einstellen. Während in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dafür unter anderem die Corona-Pandemie verantwortlich ist, hadert die private Krankenversicherung (PKV) mit starren Regularien. Beide Systeme fordern Anpassungen.

  • Die Krankenkassen warnen vor einer noch stärkeren Erhöhung des Zusatzbeitrags, sollte die Regierung nicht mehr Unterstützung bieten.
  • Auch in der privaten Krankenversicherung steigen die Beiträge.
  • Hier könnten einfache Gesetzesanpassungen Abhilfe schaffen – diese werden allerdings blockiert.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen stiegen zwischen Juli bis September 2020 derart an, dass aus einem Plus von 1,3 Milliarden Euro ein Minus von 3 Milliarden Euro wurde, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.



Im Vergleich zum Defizit, dass der GKV 2021 bevorsteht, ist dies noch wenig. Berechnungen zeigen, dass den Kassen im kommenden Jahr rund 16 Milliarden Euro fehlen werden. Um dies zu verhindern, steigt nicht nur der durchschnittliche Zusatzbeitrag für Versicherte auf 1,3 Prozent. Der Bundeszuschuss wird zudem einmalig um fünf Milliarden Euro erhöht und die Krankenkassen müssen verstärkt ihre Reserven abbauen.

Somit lassen sich zwar die Kosten für 2021 im Griff halten. Doch für das Jahr der Bundestagswahl prognostizieren der AOK-Bundesverband und die Techniker Krankenkasse eine Verdopplung des Zusatzbeitrags, sollte die Regierung nicht gegensteuern. „Entweder der nächste Gesundheitsminister erhöht den Zuschuss an den Gesundheitsfonds gewaltig oder er wird 2022 deutlich Leistungen kürzen müssen”, macht Techniker-Chef Jens Baas gegenüber der Rheinischen Post deutlich.

Tipp:

Wird die gesetzliche Krankenkasse teurer, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Welche Krankenkassen besonders günstig sind, zeigt ein Blick auf den Vergleichsrechner.

Corona-Kosten werden überwiegend aus Gesundheitsfonds gezahlt

Für das aktuelle Minus von drei Milliarden Euro macht der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, die Normalisierung der Behandlungen und Operationen nach der ersten Corona-Welle, aber auch die Vielzahl der Corona-Tests verantwortlich.

Zudem trage das Versicherungsentlastungsgesetz dazu bei. Demnach „dürfen die Finanzreserven der Krankenkassen den Umfang einer Monatsausgabe nicht mehr überschreiten“, so das Bundesgesundheitsministerium. Den Kassen, bei denen dies dennoch der Fall ist, ist es seit 2019 nicht erlaubt, ihren Zusatzbeitrag anzuheben.
Laut Litsch führt das Gesetz dazu, dass die Krankenkassen zwar „günstig, aber nicht ausgabendeckend seien“, wie er der FAZ mitteilt. 2022 droht ihm zufolge ein Defizit von 17 Milliarden Euro, das sich „nicht mehr mit Kassenrücklagen stopfen“ lässt.

SPD will Krankenkassen entlasten

Angesichts des milliardenschweren Fehlbetrags haben die SPD-regierten Bundesländer einen Solidaritätszuschlag ins Spiel gebracht. Dieser könnte zur Stabilisierung der Krankenkassen beitragen, sodass „die durch die Corona-Pandemie im Gesundheitswesen verursachten Mehrkosten nicht einseitig durch die gesetzlich Versicherten abgefedert werden müssen“, zitiert Spiegel Online aus einem Beschlussentwurf. Generell wollen die Länder mehrere Wege prüfen, die zu diesem Ziel führen.

Vonseiten der CDU und CSU gibt es bereits deutliche Kritik an einem Solidaritätszuschlag beziehungsweise einer Steuererhöhung. Es bleibt daher abzuwarten, ob und wie die Forderungen der Krankenkassen nach mehr Unterstützung erfüllt werden, um rasant steigende Zusatzbeiträge zu verhindern.

SPD blockiert Änderungen für die PKV

Auch in der privaten Krankenversicherung stehen 2021 Beitragserhöhungen an, sowohl für bereits privat Versicherte als auch für Personen, die in die PKV wechseln wollen. Hierfür sind allerdings weniger die Folgen der Corona-Pandemie verantwortlich. An deren Kosten haben sich die private Krankenversicherer bisher kaum beteiligen müssen. Ursächlich sind starre Regularien, die den Anbietern eine flexiblere Beitragsgestaltung verbieten.

„Nach den gesetzlichen Vorgaben darf die PKV die Beiträge erst nachträglich an den tatsächlichen Kostenanstieg anpassen – und das auch erst dann, wenn vorgegebene Schwellenwerte überschritten werden. Dadurch kommt es oft zu einem Wechselbad zwischen mehreren Jahren ohne jeden Anstieg und dann einzelnen größeren Erhöhungen“, so PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther.

Um dies zu ändern, gibt es bereits Vorschläge. Doch die Umsetzung scheitert an der SPD. Sie „hat bisher jegliche Änderung der gesetzlichen Grundlagen blockiert, auch jene, um die starren Regeln für Beitragsanpassungen aufzuweichen“, erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Karin Maag (CDU), gegenüber Focus Online. Hintergrund dieser Haltung könnte sein, dass die Sozialdemokraten mittelfristig eine Bürgerversicherung einführen und die private Krankenversicherung abschaffen wollen.

Tipp:

Egal ob gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung – wird der Versicherungsschutz teurer, können Kassenpatienten unkompliziert zu einer günstigeren Krankenkasse wechseln. Bei Privatversicherten bietet sich der Tarifwechsel beim gleichen Anbieter an, um Nachteile zu vermeiden.

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