Internet-Rechtsschutz im Test: Teures Extra oder sinnvoller Schutz?

Ob widerrechtliche Kündigung oder Mietrückstand − Mit einer Rechtsschutzversicherung schützen sich Versicherte im Streitfall vor hohen Anwaltskosten. Doch nicht jeder Versicherer zahlt bei Ärger im Netz. Hierfür gibt es den Internet-Rechtsschutz. Dieser hat jedoch seinen Preis. Wie sinnvoll der teure Zusatzschutz ist, hat Stiftung Warentest überprüft.

Veröffentlicht am 4. April 2017

  • Finanztest hat drei Angebote zur Internet-Rechtsschutzversicherung überprüft.
  • Ihr Leistungsumfang und ihre Kosten unterscheiden sich teils stark.

Mehr als drei Viertel der Deutschen ab zehn Jahren nutzen dem Statistischen Bundesamt zufolge das Internet. Der Großteil von ihnen versucht dabei, die eigenen Daten beim Surfen zu schützen. So erlauben viele Menschen nicht, dass ihre persönlichen Informationen zu Werbezwecken weitergegeben werden oder ihr Standort von der Website ermittelt wird.

Doch in Zeiten von Hass-Kommentaren und Cybermobbing ist es nicht nur wichtig, seine Daten zu schützen, sondern sich auch rechtlich vor Ärger im Internet bestmöglich abzusichern. Kommt es beispielsweise nach einer Beleidigung bei Facebook oder einem illegalen Film-Download zu einem Rechtsstreit, drohen hohe Kosten für einen Anwalt und den Gerichtsprozess. Um Internet-Nutzer bei Problemen im Netz zu schützen, gibt es spezielle Internet-Rechtsschutzversicherungen.

Internet-Rechtsschutz: Finanztest prüft drei Angebote

Welche Leistungen der Online-Rechtsschutz beinhaltet, hängt vom Tarif ab. Aktuell gibt es lediglich folgende drei Angebote, die sich speziell Problemen im Internet widmen:

  • DEVK − Identitätsschutz Plus
  • ARAG − Web@aktiv Plus
  • BNP Paribas Cardif − Digital Life Protect

Für das Magazin Finanztest (4/2017) hat Stiftung Warentest bei allen drei Tarifen einen Blick auf die Leistungen sowie den Preis geworfen. In beiden Bereichen unterscheiden sich die Versicherungen mitunter stark.

Was leisten die Tarife für den Internet-Rechtsschutz?

Der Tarif der DEVK ist mit rund 60 Euro im Jahr der günstigste Internet-Rechtsschutz. Als einen wichtigen Aspekt des Tarifs nennt Stiftung Warentest den Identitätsschutz. Mit Hilfe eines Online-Monitorings wird überprüft, ob die persönlichen Daten des Versicherten, wie Zugangsinformationen oder eine Bankverbindung, im Netz auftauchen und widerrechtlich verwendet werden.

Der Online-Rechtsschutz der ARAG (rund 148 Euro jährlich) fungiert als sogenannter Rufretter, der Rufschädigungen gegen den Versicherten aufspürt und dagegen vorgeht. Daneben werden zum Beispiel bis zu 200.000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten übernommen, wenn sich der Geschädigte rechtlich gegen eine Beleidigung bei Facebook wehrt.

Mit seinem Internet-Rechtsschutz für etwa 240 Euro pro Jahr sichert der Anbieter BNP Paribas Cardif unter anderem bei Online-Verträgen ab. Kaufen Verbraucher beispielsweise einen Artikel im Internet, der bei der Lieferung nicht die angegebene Ausstattung hat, zahlt die Versicherung im Streitfall bis zu 2.500 Euro im Jahr für zwei Fälle.

Lohnt sich der zusätzliche Online-Schutz?

Stiftung Warentest hebt positiv hervor, dass die Internet-Rechtsschutzversicherungen im Gegensatz zu vielen normalen Tarifen bei illegalen Downloads leisten. Dennoch kritisiert die Verbraucherorganisation, dass die angegebene Höhe der Kostenübernahme nicht ausreicht, sollte es tatsächlich zu einem Rechtsstreit kommen. Zudem ist der Internet-Rechtsschutz relativ teuer und sichert ausschließlich Online-Vorfälle ab. Für Probleme im realen Alltag benötigen Verbraucher eine zusätzliche Absicherung.

Stiftung Warentest rät Internet-Nutzern daher, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, die auch bei Ärger im Internet zahlt, selbst wenn der Tarif dann teurer wird. „Eine gute Police kostet so rund 300 Euro im Jahr. Wenn man das vergleicht, etwa mit dem teuersten Internet-Rechtsschutz-Angebot für 240 Euro, dann sind 300 Euro doch ganz ok“, sagt Michael Sittig von der Verbraucherorganisation gegenüber Deutschlandfunk. Welche sehr guten Tarife es gibt, zeigt der Rechtsschutzversicherung Test der Finanztest aus dem Jahr 2014.

Service:

Eine gute Rechtsschutzversicherung, die sowohl bei den Leistungen als auch beim Preis überzeugt, finden Interessierte mit dem Rechtsschutzversicherung Vergleichsrechner.