Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Ist Covid-19 mit Grippe-und Sodbrennen-Medikamenten therapierbar?

Seit Ausbruch der Corona-Krise wurde mit Hochdruck an Impfmitteln geforscht. Doch auch Medikamente sind im Kampf gegen die Pandemie essentiell. Ein neues Grippemittel bringt nun Hoffnung auf einen durchschlagenden Erfolg und auch ein Medikament gegen Sodbrennen könnte helfen.

Nach aktuellem Stand soll am 27. Dezember 2020 die deutsche Impfkampagne mit dem Impfstoff der Firma Biontech starten. Experten hoffen, dass Ende 2021 dann flächendeckend in Deutschland geimpft wurde. Dies ist ein wichtiger Schritt im Wettlauf mit dem Pandemiegeschehen. Doch steigende Infektions- und Todeszahlen zeigen auch, wie wichtig es ist, Covid-19-Erkrankungen effektiv zu behandeln und zu heilen, bevor der Patient schwersterkrankt.



Molnupiravir & Co. – Welche Hoffnungsträger gibt es derzeit?

Das orale Medikament Molnupiravir (auch MK-4482/EIDD-2801 genannt) ist aktuell ein besonders vielversprechender Kandidat. Der antivirale Wirkstoff soll innerhalb von 24 Stunden die Übertragung des Coronavirus komplett verhindern. Dies berichten US-Forscher der Georgia State University of Atlanta im medizinischen Fachmagazin „Nature Microbiology”. Das Forscherteam hatte ursprünglich an einem Influenza-Medikament gegen die saisonale Grippe gearbeitet. Nach Ausbruch der globalen Pandemie wurde die Zielsetzung jedoch auf ein Coronamittel angepasst.

Die Einnahme des Medikaments soll nicht nur das Fortschreiten der Corona-Erkrankung hemmen. Auch Quarantänezeiten könnten dadurch verkürzt und lokale Ausbrüche letztlich besser kontrolliert werden.

Eine klinische Studie an Menschen steht aktuell noch aus, Versuche an Frettchen waren nach Angaben der Forscher aber extrem vielversprechend. Die erkrankten Tiere bekamen Molnupiravir zweimal täglich verabreicht. Neben einer deutlichen Reduzierung der Viren in den oberen Atemwegen steckten die Frettchen bei Kontakt mit gesunden Tieren diese nicht mehr mit dem Coronavirus an.

In einer Placebo-Kontrollgruppe infizierten sich hingegen alle Kontakte kranker Frettchen mit Corona. Sollte Molnupiravir auch in Studien mit Menschen die Virus-Übertragung komplett blockieren, könnte das Medikament ein echter Gamechanger in der Pandemie werden.

Wie steht es um das Sodbrennen-Mittel Famotidin?

Nachdem US-Präsident Donald Trump den Säureblocker Famotidin neben zahlreichen anderen Medikamenten während seiner Corona-Erkrankung verabreicht bekam, gab es in den USA einen riesigen Run auf das Mittel. Inzwischen ist das Medikament in den Vereinigten Staaten großflächig vergriffen.

Auch in Deutschland gibt es „durchaus eine erhöhte Nachfrage”, wie der Arzneimittel-Hersteller Stada auf Anfrage der WirtschaftsWoche erklärte. Dies könnte allerdings auch daran liegen, dass ein anderes populäres Medikament gegen Sodbrennen, Ranitidin, kürzlich vom Markt genommen wurde und so eine Alternative für viele Sodbrennen-Patienten notwendig macht.

Reduzierte Sterberate durch Einnahme?

Erstmals zur Annahme, dass Famotidin die Sterberate bei Corona-Erkrankten senken könnte, kam US-Arzt Michael Callahan. Er wertete die Patientenakten von 6.000 Patienten in Wuhan aus.

Bei den älteren Patienten, die wegen chronischem Sodbrennen Famotidin einnahmen, soll die Sterberate um die Hälfte reduziert gewesen sein. Statistische Relevanz hatte diese Auswertung der Patientenakten zwar nicht. Zwei weitere US-Studien der Hartford Hospitals in Connecticut und vom Columbia Medical Center kamen später aber zu ähnlichen Annahmen.

Hierzulande fallen die Einschätzungen zur Wirksamkeit des Mittels gegen Covid-19 hingegen verhaltener aus. Laut einer Studie der Universität Ulm zeigt der Säureblocker „keinerlei inhibitorische Wirkung” gegen das Coronavirus, wie die Doktorandin Jana Krüger erklärt. Eine andere Wirkart sei jedoch nicht ausgeschlossen. Auch von der Uniklinik Hannover heißt es durch Heiner Wedemeyer, Professor und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologen, dass es „keine Evidenz für eine Empfehlung” zur Prophylaxe mit Famotidin gibt.

Wie wird bisher behandelt?

Ein Blick auf die möglicherweise neuen Möglichkeiten der Medikation und teilweise gegensätzlichen Studienergebnisse zeigt, dass im Kampf gegen das neuartige Coronavirus immer wieder getestet, probiert und Ansätze notfalls auch verworfen werden müssen.

Ähnlich geschehen ist dies beim Mittel Remdesivir. Gegen Ebola und Hepatitis entwickelt, galt Remdesivir vor einigen Monaten als vielversprechendes Medikament gegen Corona. Breit angelegte Studien der WHO konnten dies jedoch bisher nicht untermauern.

Häufig bei Erkrankten eingesetzt wird auch Aspirin. Denn die blutverdünnende Wirkung vermindert laut Studien das Risiko einer der häufigsten Todesursachen in Verbindung in der Infektion: einer Thrombose.

In der Entwicklung neuer und in der Erprobung vorhandener Medikamente gegen Covid-19 lassen sich laut Ärzten zumeist vier Typen unterteilen:

  • Antivirale Medikamente (Medikamente die ursprünglich gegen andere Viren entwickelt wurden, können auf ihre Wirksamkeit gegen das neue Coronavirus getestet werden. Sie sollen ein Eindringen der Coronaviren in die Körperzellen verhindern.)
  • Herz-Kreislauf-Medikamente (beispielsweise gegen Thrombosen)
  • Medikamente für die Lungenfunktion
  • Dämpfende Immunmodulatoren (Eine Verschlimmerung der Viruserkrankung ist oft darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem zu stark reagiert und dabei mehr zerstört als der Virus. Immunmodulatoren regulieren diese Reaktion.)

Die Wirkung der jeweiligen Medikamententypen hängt dabei auch stark vom Stadium der Krankheit ab, wie Dr. Rolf Hömke vom Verband Forschender Pharma-Unternehmen (vfa) in einem Podcast des vfa erklärt: „Das heißt, wenn ein Medikament gefunden wird, das in einer bestimmten Situation hilft, ist es gut dafür, aber nicht für alle anderen.”