Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Keine Impfprio mehr: Diese Bundesländer impfen schon jetzt jeden

Die Impfprio soll aufgehoben werden - allerdings erst ab Juni. In einigen Bundesländern ist der Astrazeneca-Impfstoff hingegen jetzt schon für jeden zugänglich. Wo das ist und welche Wege es für U-60-Jährige sonst noch gibt, um frühzeitig an eine Impfung zu kommen, erklärt finanzen.de!

Nachdem die EU zunächst mit angezogener Handbremse in die Impfkampagnen gestartet ist und Deutschland in puncto Impfquote weit abgeschlagen hinter den USA, Neuseeland, Israel und selbst Großbritannien zurückliegt, gibt es nun Anlass zur Hoffnung.

Wann gibt es Corona-Impfungen für alle?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Donnerstag im Bundesrat angekündigt, die Priorisierung bei den Impfungen spätestens ab Juni aufheben zu wollen. Dann könnte jeder volljährige Bürger, der eine Impfung erhalten möchte, auch einen Termin bekommen – unabhängig von Alter, Vorerkrankungen oder anderen Priorisierungsmerkmalen. Aktuell hat etwas mehr als jeder fünfte Deutsche seine Erstimpfung erhalten. Für Ende April plant Spahn mit jedem vierten, im Mai mit jedem dritten Deutschen.

Am Donnerstagmorgen hatte die Bild bereits berichtet, dass die Impfpriorisierung schon ab Ende Mai aufgehoben werden soll. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat diese Meldung laut der Zeitung auch bestätigt. Spahn sieht dies jedoch weniger optimistisch: „Ich möchte das hier nochmal klarstellen: Wenn es früher ist, bin ich froh. Wir sollten hier aber keine Erwartungen wecken, die später enttäuscht werden. Deswegen gehe ich Stand heute davon aus, dass wir im Juni die Priorisierung werden aufgeben können.”

Der Deutsche Ethikrat befürwortet eine solche Aufhebung der Impfpriorisierung, wenn genügend Impfdosen vorhanden sind. So sagte Ethikrat-Vorsitzende Alena Buy gegenüber der Rheinischen Post: „Je weniger knapp der Impfstoff, desto weniger Priorisierung ist nötig und gerechtfertigt.”

Wo gibt es schon jetzt die Möglichkeit zur Impfung ohne Priorität?

Seit Mitte der Woche ist in einigen Bundesländern eine Impfung mit Astrazeneca auch für Personengruppen ohne Priorität möglich. Aktuell können in Bayern, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen alle Altersgruppen mit Astrazeneca geimpft werden. Für unter 60-Jährige ist jedoch eine ausführliche Beratung durch den Impfarzt nötig. Dieser klärt sie über mögliche Risiken auf.

Grund dafür ist nicht, dass die Ärzte bei Nebenwirkungen in die Haftung treten, wie Friedemann Schmidt, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, im Interview mit MDR erklärt: „Das ist ein ganz normaler Vorgang, wie bei 1.000 anderen medizinischen Behandlungen auch. Da die EMA (Europäische Arzneimittelagentur) den Impfstoff ab 18 Jahren zugelassen hat, haftet für jede Impfung eines Erwachsenen, wie bei allen anderen zugelassenen Impfungen übrigens auch, der Hersteller.”

Ein Termin zur Impfung mit Astrazeneca kann in genannten Bundesländern nun – wie für Angehörige der Prioritätsgruppen – beim Hausarzt oder Facharzt gemacht werden. Einzig in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Erstimpfung für Erwachsene aus Nicht-Prio-Gruppen auch in den Impfzentren möglich.

Astrazeneca für unter 60-Jährige: Ist das eine gute Idee?

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA empfiehlt den Einsatz des Astrazeneca Impfstoffes ab 18 Jahren uneingeschränkt. Zwar wurde in der Bewertung der EMA vor zwei Wochen festgestellt, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen den aufgetretenen seltenen Gehirnthrombosen und dem Impfstoff gibt. Laut der EU-Agentur überwiegt der Nutzen die Risiken allerdings.

Dennoch ist die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland von dieser Empfehlung abgewichen. Hierzulande wurde die Impfung – bisher – nur noch für über 60-Jährige angeboten. Selbst Astrazeneca-Erstgeimpfte unter 60 Jahren erhielten in der Zwischenzeit das Moderna- oder Biontech-Vakzin als Zweitimpfung.

Andere europäische Länder entschieden anders: Dänemark stoppte die Impfungen mit Astrazeneca komplett. Großbritannien hingegen impft weiter alle über 30-Jährigen mit dem Astrazeneca-Vakzin.

Beim Wirkstoff von Johnson & und Johnson waren ähnliche Komplikationen wie bei Astrazeneca aufgetreten. Beide Vakzine sind Vektorimpfstoffe. Die EMA empfiehlt jedoch weiterhin eine Impfung ohne Einschränkungen ab 18 Jahren. Die Empfehlung der STIKO zu Johnson & Johnson steht derzeit noch aus.

Astrazeneca: Gerade für Männer eine empfehlenswerte Option?

Die seltenen Sinusvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Astrazeneca-Impfung sind vor allem bei jungen Frauen aufgetreten. Gerade für Frauen ist deswegen ein ausführliches Gespräch mit dem Hausarzt wichtig, um abzuklären, wie hoch das persönliche Thromboserisiko ist.

Bei Neigung zu Thrombosen – das gilt für Frauen und auch Männer – ist von einer Impfung mit Astrazeneca abzuraten. So ist auch für Raucher beider Geschlechter das Risiko höher. Bei Frauen kommt die Einnahme der Pille als möglicher Risikofaktor hinzu. Für gesunde, männliche Nichtraucher ohne Neigung zur Thrombose dürfte das Risiko gering ausfallen.

Ohnehin sind dies sehr persönliche Abwägungsgründe, die Personen immer im Licht der eigenen Lebensrealität entscheiden sollten. Haben sie eine hohe Anzahl täglicher Kontakte, haben sie auch ein höheres Ansteckungsrisiko mit Covid-19 – das Impfrisiko kann dann eine vergleichsweise geringere Rolle spielen als bei einer Person, die sich tagtäglich im Home-Office isoliert.

Generell scheint die Wahrscheinlichkeit, bei einer Covid-19-Erkrankung eine schwerwiegende Thrombose zu erleiden, deutlich höher zu sein als sie es durch eine Impfung ist. So hat eine Studie der Oxford University kürzlich ermittelt, dass von einer Million Covid-19-Erkrankter 39 innerhalb von zwei Wochen nach der Infektion eine Sinusvenenthrombose bekamen. Unter den Astrazeneca-Geimpften geht die EMA von fünf Personen bei einer Million Geimpften aus.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, um an eine Corona-Impfung zu kommen?

Trotz Impfgegnern ist die Anzahl derer, die am liebsten vorgestern schon eine Impfung erhalten hätten, immer noch riesig. So hatten sich in Berlin kürzlich innerhalb von zwei Tagen tausende Berliner als Wahlhelfer beworben. Grund für den Ansturm: Wahlhelfer steigen in die Prio-Gruppe 3 auf, erhalten also zeitgleich mit über 60-Jährigen Anspruch auf eine Impfung.

Auch können über Restbestände immer wieder Personen, die noch keine Impfeinladung erhalten haben, eine frühere Impfung bekommen. Ein Anruf beim Hausarzt klärt, ob dies im Einzelfall möglich ist. Die Verteilung der Restbestände in den Impfzentren läuft bundesweit sehr unterschiedlich. So bieten einige Kreise und Gemeinden Impflisten per E-Mail an. In anderen Kreisen, wie beispielsweise im hessischen Groß-Gerau, gibt es sogar Online-Impfbörsen für Restbestände. Aufgrund der uneinheitlichen Regelungen für Restbestände hilft im Zweifel eine Nachfrage beim örtlichen Impfzentrum.

Bis zu zwei enge Kontakte einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person oder einer schwangeren Person haben zudem ebenfalls Anspruch auf eine Impfung in den Prio-Gruppen zwei und drei.

Urlaub samt Immunisierung?

Wenn all das nicht klappt, kommt immer noch der neue Impf-Tourismus in Frage. So bietet der norwegische Reiseveranstalter „World Visitor” Reisen nach Russland samt Sputnik-V-Impfung an. Dafür müssen mindestens 2.000 Euro berappt werden.

Laut Angaben der Deutschen Botschaft können sich deutsche Touristen zudem in Serbien impfen lassen. Schon Ende März strömten zahlreiche Touristen deshalb nach Serbien. Die Tourismus-Branche wittert das große Geschäft mit den Impfungen, immer wieder kommen kurzfristig neue Reiseangebote auf den Markt, die dann meist zeitnah wieder verschwinden. Problematisch ist es aktuell noch häufig, den Impfstoff im Zielland legal und zertifiziert zu bekommen.

Im Januar hatte ein britischer Privatclub Schlagzeilen gemacht, der für seine gut betuchten Mitglieder Luxus-Impfreisen nach Dubai ab 45.000 Euro anbot.