Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Kindergelderhöhung 2017 vom Bundeskabinett beschlossen: 2 Euro mehr

Das Bundeskabinett hat die Kindergelderhöhung 2017 auf den Weg gebracht. Damit steigt das Kindergeld in den kommenden zwei Jahren um jeweils zwei Euro pro Monat und Kind an. Zusammen mit weiteren Anpassungen etwa beim Kinderfreibeitrag haben Eltern mit Kindern 2017 insgesamt nur etwas mehr Geld im Portemonnaie. Künftig könnte das Kindergeld sogar um 25 Euro steigen.

Veröffentlicht am 12. Oktober 2017
Zwei Euro mehr im Monat pro Kind – das sieht die Kindergelderhöhung 2017 vor, die vom Bundeskabinett beschlossen wurde. 2018 steigt die Leistung um weitere zwei Euro, sodass für das erste Kind 194 Euro ausgezahlt werden. Dabei ist das höhere Kindergeld nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen die Bürgerinnen und Bürger bis 2018 um insgesamt 6,3 Milliarden Euro entlastet werden. Denn das Gesetz aus dem Finanzministerium beinhaltet auch eine Erhöhung des Grundfreibeitrags, des Kinderfreibetrag, des Kinderzuschlags, des Unterhaltshöchstbetrags und eine Anpassung, um die sogenannte kalte Progression einzudämmen.

Die damit einhergehenden steuerlichen Entlastungen sind allerdings nur zum Teil politisch gewollte Steuersenkungen. In Wahrheit handele es sich überwiegend „um pures Verfassungsrecht“, erklärt der Präsident des Bundes der Steuerzahler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dieses sieht die automatische Anpassung der Freibeträge vor, damit das Existenzminimum nicht besteuert wird.

Update 15. November 2017: Im Zuge der Sondierungsgespräche sollen sich die Unterhändler der Union, FDP und Grüne darauf verständigt haben, dass das Kindergeld künftig um 25 Euro angehoben wird. Auch eine Anpassung des Kinderfreibetrags und des Kinderzuschlags sind geplant. Der Kompromiss steht allerdings unter Finanzierungsvorbehalt. Nur wenn die benötigten rund 4,5 Milliarden Euro für die Kindergelderhöhung zur Verfügung stehen, könnten die Pläne umgesetzt werden. Ab wann, ist bisher unklar.

Kindergelderhöhung 2017: Nach 2015 und 2016 dritte Anpassung in Folge

Durch die Kindergelderhöhung 2017 steigt die Leistung für das erste und zweite Kind auf 192 Euro, für das dritte Kind auf 198 Euro und für jeden weiteren Nachwuchs auf 223 Euro pro Monat. Der Kinderfreibetrag erhöht sich laut Bundesfinanzministerium zunächst von 4.608 Euro auf 4.716 Euro, 2018 dann auf 4.788 Euro. Da sich der Freibetrag aus dem Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf und dem sächlichen Existenzminimum des Kindes, der nun angepasst wird, zusammensetzt, verschiebt sich die Grenze insgesamt auf 7.356 Euro beziehungsweise 2018 auf 7.428 Euro.

Der steuerliche Grundfreibeitrag steigt ebenfalls in zwei Schritten auf 8.820 Euro (2017) beziehungsweise 9.000 Euro (2018). Die Höhe des Kinderzuschlags wächst 2017 um zehn Euro. Eltern, die aufgrund der Ausgaben für ihre Kinder auf Hartz 4 angewiesen wären, erhalten je Kind dann bis zu 170 Euro.

Mehr Leistungen durch Kindergelderhöhung 2017/2018

  • 1.+2. Kind: 192 Euro/194 Euro
  • 3. Kind: 198 Euro/200 Euro
  • für jedes weiteres Kind: 223 Euro/225 Euro

Neben den Anpassungen bei den Freibeträgen und beim Kindergeld werden 2017 und 2018 die Tarifeckwerte des Einkommenssteuertarifs ausgeweitet. Dadurch soll der Einfluss der sogenannten kalten Progression eingedämmt werden. Diese zeigt sich bei Gehaltserhöhungen. Durch das Zusammenspiel von progressiver Besteuerung und Inflationen bleibt Beschäftigten trotz der Gehalts- beziehungsweise Lohnerhöhung weniger Geld im Portemonnaie.

Tipp: Da Kindergelderhöhung und Co. kaum finanzielle Entlastung bringen, können Eltern an anderen Stellschrauben drehen, um mehr Geld am Monatsende zu haben. Eine Möglichkeit ist der Versicherungscheck: Wer schon länger eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung im Schrank abgeheftet hat, sollte diese mit neuen Tarifen vergleichen. Oftmals lassen sich mit einem Versicherungswechsel Beiträge einsparen.

Kindergelderhöhung 2017 und Co.: Entlastung bis zu 390 Euro im Jahr

Wie hoch die Entlastungen im Zuge der Kindergelderhöhung 2017 sowie der weiteren Anpassungen ausfallen, hängt vom Bruttoeinkommen ab. Laut einer Berechnung des Steuerexperten Frank Hechtner für die dpa haben Eltern mit zwei Kindern zwischen 4 und 32,50 Euro mehr pro Monat in der Tasche. Auf das Jahr gerechnet beläuft sich das Plus beispielsweise für Familien, bei denen ein Partner 2.000 Euro brutto, der andere 2.500 Euro brutto verdient, auf insgesamt 155 Euro. Singles werden zwischen zwei und zwölf pro Monat entlastet.

Für Gutverdiener hat das Bundeskabinett eine weitere wichtige Entscheidung getroffen. Denn durch die beschlossenen neuen Bemessungsgrenzen der Renten- und Krankenversicherung für 2018 müssen sie sich auf höhere Sozialabgaben einstellen. Auch die Versicherungspflichtgrenze wird angehoben, was den Wechsel für Arbeitnehmer von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung erschweren wird.