Pflegereform 2015 beschlossen: So wird die Pflege jetzt verbessert

Der Bundestag hat heute die Pflegereform 2015 beschlossen. Zum 1. Januar 2015 werden damit die Leistungen für Pflegebedürftige, Pflegekräfte und Angehörige verbessert. Für sie stehen künftig rund sechs Milliarden Euro mehr zur Verfügung, die über einen höheren Pflegeversicherungsbeitrag finanziert werden.

Die Pflegereform kommt. Ab 2015 wird sich die Lage Pflegebedürftiger und deren Angehöriger durch höhere Leistungen in den Pflegestufen verbessern. Denn der Bundestag hat heute das entsprechende Pflegereformgesetz beschlossen. Dabei stellen die Entlastung von Pflegekräften sowie die Stärkung der häuslichen Pflege weitere zentrale Punkte der Pflegereform 2015 dar. Finanziert werden die Leistungsverbesserungen durch die Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrags um 0,3 Prozent. Der Beitrag für die gesetzliche Pflegeversicherung beträgt so im kommendem Jahr für Menschen mit Kindern 2,35 Prozent des Bruttoeinkommens und für Kinderlose 2,6 Prozent. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu verbesserten Pflegeleistungen, betonte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) heute im Bundestag.



Update 7. November 2014: Auch der Bundesrat hat heute wie erwartet der Pflegereform zugestimmt. Somit stehen den geplanten Änderungen ab 2015 durch das erste Pflegestärkungsgesetz nichts mehr im Wege.

Service: Trotz der Verbesserungen wird es die gesetzliche Pflegeversicherung nicht schaffen, die bei Pflege anfallenden Kosten voll zu decken. Ein Großteil der Pflegekosten müssen Betroffene nach wie vor selbst zahlen. Die Bedeutung eigener Vorsorge etwa in Form einer privaten Pflegeversicherung wird so immer größer. Jeder sollte sich daher möglichst früh absichern, um sich und seine Angehörigen im Pflegefall zu entlasten.

Pflegereform 2015: Was verändert sich?

Mit dem ersten Pflegereformgesetz werden 2,4 Milliarden Euro in den Ausbau der Pflegeleistungen gesteckt. Dies kommt sowohl teilstationärer Tages- und Nachtpflege als auch häuslicher und stationärer Pflege zugute. Außerdem wird das Pflegepersonal aufgestockt. Es soll künftig bis zu 45.000 Betreuungskräfte geben. Das sind 20.000 Personen mehr als im Jahr 2014. Das Leben der Pflegebedürftigen kann dadurch besser, individueller und menschenwürdiger gestaltet werden, so Gröhe. Für diese Verbesserungen steigt der Beitragssatz für die Pflegeversicherung um 0,2 Prozent.

Um weitere 0,1 Prozent erhöht sich der Satz für den Aufbau eines Vorsorgefonds. Mit ihm soll dem demografischen Wandel begegnet werden, sodass der Staat der steigenden Zahl von pflegebedürftigen Menschen auch in Zukunft gerecht werden kann. “Die Leistungsverbesserungen schulden wir den pflegebedürftigen Menschen unseres Landes”, erläuterte Gröhe.

Die Pflegereform 2015 beinhaltet folgende Leistungen im Überblick

  • Mehr Betreuungskräfte
  • Verbesserung der Pflegeleistungen
  • Bessere Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal
  • Entlastung für Angehörige
  • Vorsorgefond für nachfolgende Generationen

Die Pflegereform 2015: Ändert sich der Pflegebedürftigkeitsbegriff?

Neben den verbesserten Leistungen im Zuge der Pflegereform 2015 sieht das zweite Pflegereformgesetz, das im kommenden Jahr folgen soll, die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes vor. Der Pflegebedarf soll dann nicht mehr in drei Pflegestufen, sondern in fünf Pflegegrade eingeteilt werden, sodass differenzierter entschieden werden kann, welche Unterstützung Pflegebedürftige benötigen. Mit der Abkehr vom derzeitigen System soll künftig nicht mehr zwischen körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen unterschieden, sondern vielmehr die Alltagskompetenz der Betroffenen beurteilt werden.

Die Neudefinition würde so insbesondere der steigenden Zahl Demenzerkrankter begegnen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wird derzeit in der Praxis erprobt und soll zum 1. Januar 2017 eingeführt werden, wie der Pflege-Bevollmächtigte des Bundes, Karl-Josef-Laumann (CDU), der Nachrichtenagentur dpa mitteilte.

Weitere neue Projekte werden aus der Pflegekasse finanziert

Neben der Pflegereform 2015 haben die Politiker in dieser Woche ein weiteres Gesetz auf dem Weg gebracht, mit dem pflegende Angehörige besser unterstützt werden sollen. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch grünes Licht für den Gesetzentwurf für die Pflegezeit gegeben. Angehörige sollen so ab Januar 2015 eine bezahlte zehntägige Pflegezeit nehmen können, wenn sie ein pflegebedürftiges Familienmitglied, beispielsweise nach einem Schlaganfall, betreuen. Diese Leistung soll künftig aus der Pflegekasse bezahlt werden. Die geplante Familienpflegezeit erlaubt es Angehörigen zudem, ein zinsloses Darlehen aufzunehmen, wenn sie bis zu zwei Jahre ihre Arbeitszeit auf mindestens 15 Wochenstunden für die Pflege reduzieren.