Restschuldversicherung: Sinnvoll ist der Schutz nur selten

Eine Restschuldversicherung ist selten sinnvoll. Sie zahlt zwar dann, wenn Kreditnehmer eines Ratendarlehens ihre monatlichen Raten vorübergehend oder langfristig nicht mehr tilgen können. Doch sie ist sehr teuer und der Vertrag unflexibel. Für Verbraucher empfiehlt es sich deshalb eher, eine sinnvolle Alternative zur Restschuldversicherung zu nutzen.

Veröffentlicht am 8. Mai 2015
Aus Sicht der meisten Banken ist eine Restschuldversicherung immer sinnvoll. Deshalb legen die Kreditinstitute ihren Kunden beim Abschluss eines Ratenkredits nahe, eine Restschuldversicherung abzuschließen. Kein Wunder: Denn sie dient dem Kreditgeber als Sicherheit für ausfallende Rückzahlungen – etwa nach dem Tod des Kreditnehmers, während einer Zeit der Arbeitslosigkeit oder bei längerer Krankheit. Trotz dieses enormen Vorteils für die Bank lässt sie sich die vermeintlich sinnvolle Restschuldversicherung teuer bezahlen. Verbraucherzentralen schlagen daher Alarm und raten Kreditnehmern der Bank alternative Sicherheiten anzubieten.

Restschuldversicherung ist nicht sinnvoll, sondern teuer

Die Verbraucherzentralen Hessen und Sachsen haben aktuell untersucht, ob eine Restschuldversicherung sinnvoll ist. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Policen insgesamt zu teuer, zu unflexibel und nicht verbrauchergerecht sind. Bei der Untersuchung von 108 getesteten Fällen beim Vertrieb kamen sie zum Schluss, dass Restschuldversicherungen für Verbraucher meist nicht sinnvoll sind. Denn die Versicherung erhöht zunächst den aufgenommenen Ratenkredit, wodurch auch die Zinsen steigen. Laut der leitenden Beraterin der Verbraucherzentrale Hessen, Eva Raabe, steigt der Zinssatz für Ratenkredite und Restschuldversicherungen oft auf das Doppelte an – „manchmal auf 20 Prozent und mehr. Das grenzt schon an Wucher“, sagt sie dem Deutschlandfunk.

Im Gegenzug erhält der Kreditnehmer allerdings kaum Vorzüge. So wäre anzunehmen, dass sich die zusätzliche Sicherheit für die Bank in niedrigeren Zinsen widerspiegelt – Fehlanzeige.

Restschuldversicherung: Sinnvolle Alternativen

Der Untersuchung der Verbraucherschützer zufolge drängen viele Banken ihre Kunden dazu, eine Restschuldversicherung, übrigens auch Restkreditversicherung genannt, abzuschließen. Doch Kreditnehmer sind keinesfalls dazu verpflichtet einen solchen Vertrag zu unterschreiben, um ein Darlehen zu erhalten. Das geht sogar aus einem Gerichtsurteil des Bundesgerichtshofs (AZ.: IV ZR 289/13) hervor. Raabe äußert gegenüber dem Deutschlandfunk, dass „die Berater Kunden eigentlich darauf hinweisen müssten, dass es auch andere Möglichkeiten gebe“. Beispielsweise können eine bereits vorhandene Lebensversicherung oder ein Bausparvertrag ebenfalls als Sicherheiten für die Bank dienen. Als weitere Alternative bietet sich eine Risikolebensversicherung an. Zur teuren Restschuldversicherung gibt es folglich sinnvolle Alternativen, von denen einige Verbraucher nichts wissen.

Restschuldversicherung: Sinnvoll für Hinterbliebenenschutz

Die Restkreditversicherung schützt nicht nur die Bank vor einem Kreditausfall, sondern auch die Hinterbliebenen, falls der Kreditnehmer stirbt, bevor das Darlehen abgezahlt ist. Doch die schlechten Konditionen machen eine Restschuldversicherung nicht sinnvoll, sondern veranlassen Verbraucherschützer ihren Nutzen in Frage zu stellen.

Um die ursprünglich verbraucherfreundliche Idee des Versicherungsschutzes wieder in den Fokus zu rücken, haben Raabe und ihre Kollegin aus Sachsen, Andrea Heyer, nun neue Forderungen an Anbieter von Restschuldversicherungen formuliert. Diese betreffen beispielsweise die freie Anbieterwahl und die bessere Aufklärung seitens der Banken über Alternativen zur Restkreditversicherung. Es bleibt zu hoffen, dass künftig faire Konditionen für Verbraucher und Kreditinstitute eine Absicherung von Kreditnehmern und -gebern gleichermaßen ermöglicht.