Frau schaut zum Fenster raus
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Schutz vor dem Coronavirus: Büroarbeit bald nur noch aus dem Homeoffice?

Mit der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland steigt auch die Verunsicherung im öffentlichen Raum: Sollten Menschenansammlungen gemieden werden? Stellt der Gang zur Arbeit eine Gefahr dar? Die wichtigsten Fragen rund um Großveranstaltungen, Schulschließungen und Heimarbeit klärt finanzen.de!

Kinobesuche, Konzerte und öffentliche Verkehrsmittel – viele Deutsche fragen sich, wie sicher es eigentlich noch ist, sich in Menschenansammlungen zu begeben. Italien ergriff diese Woche Maßnahmen, die auch hier Realität werden könnten: Bis zum 15. März hat die Regierung Schulen, Universitäten, Kinos und Theater im ganzen Land geschlossen. 148 Menschen sind in Italien bereits an dem Virus gestorben, rund 3.860 haben sich bisher infiziert. Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen, Distanz zu halten und von Umarmungen abzusehen.



Quarantäne und Schulschließungen nehmen weltweit zu

Auch Griechenland hat auf der Halbinsel Peloponnes sowie der Insel Zakynthos seit Mittwochabend für 48 Stunden Schulen, Ausgrabungsstätten und andere Orte großer Menschenansammlungen geschlossen.

Israel ging jetzt einen Schritt weiter: Flüge unter anderem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden gestrichen und Touristen die Einreise verwehrt, haben sie sich zuvor nicht in eine 2-wöchige Heimquarantäne begeben. Auch aus dem betroffenen Ausland zurückkehrende Israelis müssen 14 Tage zuhause bleiben. Schulen sind ebenfalls geschlossen.

Als außerhalb Chinas am stärksten betroffenes Land hat Korea alle Schulen geschlossen, der Beginn des neuen Schuljahres wurde auf Ende März verschoben. Im Iran werden nicht nur Schulen und Unis geschlossen, sondern auch der Verkehr zwischen Großstädten eingeschränkt.

Hierzulande werden momentan nur einzelne Veranstaltungen abgesagt, so zuletzt die Hannover Messe, die Leipziger Buchmesse oder die ITB. Die Schließung von Schulen und Kitas erfolgt in Deutschland bisher nur vereinzelt oder regional, wenn konkrete Fälle von Infektionen im Umfeld nachgewiesen sind.

Wie wird entschieden, ob eine Veranstaltung abgesagt wird?

Veranstalter und Gesundheitsämter können gemeinsam oder auch unabhängig voneinander entscheiden, ob ein Veranstaltung im Zweifelsfall nicht stattfindet. Das Robert Koch-Institut ist mit der Krankheitsüberwachung beauftragt und hat eine Liste allgemeiner Handlungs­empfehlungen für Großveranstaltungen herausgegeben. Dabei gilt es vor allem zu beachten, wie groß das Risiko einer Übertragung des SARS-CoV-2 auf der Veranstaltung ist. Faktoren wie die Art der Veranstaltung, welche Teilnehmer dieser beiwohnen werden oder der Ort der Veranstaltung spielen hier eine Rolle.

Besondere Vorsicht sollte walten, wenn die Teilnehmer vorwiegend im hohen Alter sind oder Kontakte zu Regionen mit vielen Corona-Fällen hatten. Auch Veranstaltungen mit Gedränge und somit engem Körperkontakt sind kritisch, genauso wie die Austragung in einer Region, in der schon viele Infektionen verzeichnet wurden.

Nach dem Infektionsschutzgesetz kann das örtliche Gesundheitsamt auf Vorschlag des Landesgesundheitsamtes die Entscheidung zu einer Absage auch ohne Einverständnis des Veranstalters treffen. Im Fall der Reisemesse ITB konnte der Veranstalter die Auflagen des Gesundheitsamtes nicht einhalten, was letztlich zur Absage führte.

Wie kann die Ansteckungsgefahr im Büro gering gehalten werden?

Doch nicht nur auf Massenevents sind enge Kontakte zwischen Menschen ein Risikofaktor. Auch im Arbeitsumfeld – nicht nur in Verkauf und Gastronomie – sind sie unumgänglich. Grundsätzliche Hygienemaßnahmen sollten auf Arbeit keinesfalls vernachlässigt werden. So sind Griffe von Türen, Fenstern, Schubladen oder dem Wasserkocher potentielle Keimträger. Sie sollten bestenfalls gar nicht erst direkt mit der Hand berührt werden – ein Öffnen der Tür mit dem Ellenbogen oder einem Papiertuch kann hier hilfreich sein, bei Kontakt sollten Hände gleich im Anschluss gewaschen werden.

Gerade im Büroalltag bietet die Arbeit aus dem Homeoffice zudem eine gute Lösung um Ansteckungen vorzubeugen. Wer seinen Arbeitnehmern nicht schon längst Homeoffice anbietet, bereitet sich spätestens jetzt darauf vor – inzwischen haben Händler bereits mit Lieferproblemen bei Laptops zu kämpfen. Unternehmen, die in den letzten Tagen auf diese Möglichkeit im großen Rahmen zurückgegriffen haben, waren beispielsweise Ernst & Young. Nach einem Coronafall hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 1.500 Mitarbeiter in Düsseldorf ins Homeoffice geschickt. Auch bei der ProSiebenSat.1 Group ordnete man am Montag vorsorglich Heimarbeit für 200 Mitarbeiter an.

Können Arbeitnehmer aus Angst vor dem Coronavirus auf Heimarbeit bestehen?

Nur aus Sorge und ohne einen konkreten Verdachtsfall auf eine Infektion eines Mitarbeiters können Arbeitnehmer nicht einfach entscheiden, daheim zu bleiben. Bleibt der Arbeitnehmer zuhause, obwohl kein Verdacht auf eine Infektion besteht, kann er vom Arbeitnehmer abgemahnt und schließlich sogar verhaltensbedingt gekündigt werden.

Die Arbeit aus dem Homeoffice sollte also zuvor unbedingt mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Besteht ein konkreter Verdachtsfall und damit eine Ansteckungsgefahr, darf der Arbeitnehmer allerdings von zuhause arbeiten – wenn Tätigkeit und Wohnsituation dies ermöglichen.

Arbeitgeber dürfen ihre Mitarbeiter ebenfalls nicht zwingen im Homeoffice zu arbeiten. Verweigert ein Arbeitnehmer die Heimarbeit, kann der Arbeitgeber ihn nur heimschicken, indem er ihn bezahlt freistellt. Bei einer behördlich angeordneten Quarantäne oder einem Beschäftigungsverbot erhält der Arbeitnehmer sechs Wochen lang die volle Höhe des Verdienstausfalls. Der Arbeitgeber bekommt dieses Geld nach dem Infektionsschutzgesetz (§56 Abs. 1 IfSG) vom Gesundheitsamt erstattet. Danach werden die Zahlungen auf die Höhe des Krankengeldes reduziert. Selbstständige in Quarantäne bekommen übrigens ebenfalls Entschädigungszahlungen. Die Höhe beläuft sich bei ihnen auf ein Zwölftel des Arbeitseinkommens des Vorjahres. Haben sie einen Betrieb oder eine Praxis, werden weiterlaufende und nicht gedeckte Betriebsausgaben ebenfalls „in angemessenem Umfang” erstattet.