Leere Brieftasche
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Steigende Inflation: Wie US-Notenbank und EZB jetzt handeln

Weltweit nimmt die Inflation zu. Warum die US-Notenbank jetzt auf eine strengere Geldpolitik setzt und was die Europäische Zentralbank plant, erklärt finanzen.de.

Im November erreichte die US-amerikanische Inflationsrate mit 6,8 Prozent den höchsten Stand seit 1982. In Europa betrug die Teuerung der Verbraucherpreise im gleichen Monat 4,9 Prozent – seit Beginn der Währungsunion die höchste Inflationsrate.

Lange Zeit hatten die Notenbanken weltweit bekräftigt, dass der aktuelle Inflationstrend nur vorübergehend sei und von alleine enden würde, sobald coronabedingte Lieferengpässe in Produktion und Energiesektor vorüber wären. Inzwischen schlägt die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) jedoch ganz andere Töne an und erhöht sogar den Leitzins wieder. Und auch die Europäische Zentralbank (EZB) lässt ihr Not-Anleihenkaufprogramm PEPP im nächsten Jahr auslaufen, will aber den Leitzins nicht erhöhen.

Was hat die amerikanische Fed beschlossen, um der steigenden Inflation Einhalt zu gebieten?

Ökonomen hatten es vorhergesehen: Die Fed verringert das Volumen ihrer Anleihenkäufe schneller als zunächst angekündigt. Begonnen hatte die Notenbank schon im November mit dem sogenannten „Tapering”: Zunächste wollte man die zuvor monatlichen Anleihenkäufe in Höhe von 120 Milliarden Dollar jeden Monat um 15 Milliarden kürzen. Jetzt haben sich die Notenbanker auf eine Kürzung um 30 Milliarden monatlich geeinigt, bis die Anleihenkäufe schließlich ganz eingestellt sind.

Mit dem Anleihenkauf, also dem Zufluss billigen Geldes, hatte die Fed ebenso wie die EZB seit dem Corona-Frühjahr 2020 versucht, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie auszubremsen. Durch den Anleihenkauf und geringe Zinsen werden Kreditkosten niedrig gehalten, was die Wirtschaft in Schwung hält.

Läuft das Ankaufprogramm nun im März 2022 aus, können die Zinsen wieder erhöht werden. Die Fed plant dafür jeweils drei moderate Erhöhungen des Leitzinses pro Jahr in 2022 und 2023 und weitere zwei Zinserhöhungen in 2024. In drei Jahren soll der Leitzins dann bei knapp über zwei Prozent liegen, aktuell liegt er zwischen null und 0,25 Prozent.

Kritiker befürchten, dass die Anpassungen der Fed zu spät kommen. So bezeichnete der Ökonom Mohamed El-Erian, früherer Chef der Allianztochter Pimco, die bisherige Geldpolitik der US-Notenbank mit Pochen auf eine vorübergehende Inflation als „schlimmste Fehleinschätzung in der Geschichte der Fed”.

Wie reagiert die die EZB jetzt?

Trotz der deutlichen Kehrtwende bei der Fed beschloss die Europäische Zentralbank in ihrer Sitzung am Donnerstag keine Erhöhung des Leitzinses. Dieser wird weiter, wie seit 2016, auf dem Rekordtief von null Prozent bleiben. „Unter den gegenwärtigen Umständen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir die Zinsen im Jahr 2022 anheben”, erklärt Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, während der Sitzung.

Die Europäische Zentralbank bleibt weiter bei der Annahme, dass die aktuelle Teuerung nur ein vorübergehendes Symptom ist. Die Notenbanker glauben an einen Rückgang der Inflation im nächsten Jahr, wenn Lieferengpässe und die Nachwirkungen der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung nachlassen und sich die Ölpreise erholen. Die aktuelle Lohnentwicklung, die bei einer zu schnellen Steigerung zu einer Inflationsspirale führen kann, befindet Lagarde als „deutlich schwächer als wir vorhergesagt hatten.“

Was die Anleihenkäufe anbelangt, handelt die EZB ebenfalls lockerer als ihr US-Pendant. So wird das Pandemienotprogramm PEPP zwar im März 2022 auslaufen. Das ältere Anleihenkaufprogramm APP läuft aber vorerst weiter. Mit APP werden monatlich Anleihen in Höhe von 20 Milliarden Euro gekauft. Ab dem zweiten Quartal 2022 will die EZB diese auf 40 Milliarden monatlich aufstocken. Im dritten Quartal sollen dann Anleihen in Höhe von 30 Milliarden und ab dem vierten Quartal wieder in Höhe von 20 Milliarden monatlich gekauft werden.

Die EZB bleibt damit – im Gegensatz zu Ländern wie den USA, Australien, Großbritannien oder Kanada, die allesamt die Zügel ihrer Geldpolitik mit Leitzinserhöhungen straffen – bei ihrer lockeren Geldpolitik. EZB-Präsidentin Lagarde sieht diese aufgrund der großen Unsicherheiten in der Corona-Pandemie weiterhin als notwendig an.

Warum ist die Inflation für Sparer und Verbraucher so problematisch?

Die in der Inflation sinkende Kaufkraft zeigt sich in allen Lebensbereichen der Verbraucher. „Inflation merkt letztendlich jeder, weil das heißt, dass mein Euro weniger wert ist und ich mir für mein vorhandenes Geld weniger kaufen kann”, verdeutlicht Stephanie Heise, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

So sind die Preiserhöhungen nicht nur an der Supermarktkasse, beim Tanken oder der Heizkostenabrechnung deutlich. Auch bei der Altersvorsorge und der Vermögensbildung sind die Folgen der Teuerung fatal. Grund dafür ist die aktuelle Niedrigzinsphase, die – wenn überhaupt – nur zu sehr geringen Erträgen bei sicheren Anlagen wie Rentenversicherungen mit voller Garantie oder bei Sparkonten führt. Die einzige Möglichkeit, das zu sparende Geld so anzulegen, dass die Inflation ausgeglichen wird und bestenfalls noch zusätzliche Rendite erwirtschaftet, ist ein Gang an die Börse. Das kann über fondsgebundene Rentenprodukte oder auch beispielsweise ETF-Sparpläne erfolgen.

Empfänger staatlicher Leistungen, wie Arbeitslose oder Rentner, trifft die Inflation besonders stark, da die Leistungen nicht so schnell wie die Preise angehoben werden. Entgegenwirken können Verbraucher den Auswirkungen der Inflation in einem gewissen Maße, indem sie beispielsweise Strom- und Gaspreise vergleichen und bei Bedarf den Anbieter wechseln oder beim Einkauf auf saisonale Lebensmittel setzen.