Mann im Krankenhaus
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Unfallrisiko Homeoffice: Wann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung?

Wann ein Arbeitsunfall als solcher gilt, ist schon in normalen Zeiten schwer festzulegen. Wer beispielsweise auf seinem Arbeitsweg einen kleinen Umweg einlegt, droht den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung zu verlieren. Im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen privater und beruflicher Tätigkeit noch mehr.

  • Viele Beschäftigte arbeiten seit Monaten im Homeoffice.
  • Anders bei als der Arbeit im Büro sind sie dabei nicht jederzeit über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.
  • Nur unter sehr engen Voraussetzungen zählt beispielsweise ein Sturz als Arbeitsunfall.

Für viele Beschäftigte zählt das Homeoffice seit Beginn der Corona-Pandemie im März zum Alltag – egal ob durchgängig oder zumindest für ein paar Tage im Monat. Höchste Zeit also, sich Gedanken über den Versicherungsschutz zu machen. Denn wer denkt, die gesetzliche Unfallversicherung wird schon bei Unfällen einspringen, der irrt. Darüber hinaus kann es beim bereitgestellten Equipment wie Firmenlaptop nicht schaden, die eigene Hausrat- und Haftpflichtversicherung zu überprüfen.



Wer kommt für Behandlungskosten nach Unfall im Homeoffice auf?

Generell gilt: Wer im Homeoffice stürzt oder sich anderweitig verletzt, kann sich sicher sein, dass seine Behandlungskosten übernommen werden. Denn die gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung springt ein. Fraglich ist jedoch, ob sich die Kasse das Geld für Arztkosten, Heilmittel und Reha-Maßnahmen bei der gesetzlichen Unfallversicherung wiederholen kann und ob Betroffene Anspruch auf weitere Leistungen der Unfallkasse haben. Dazu zählen etwa das Verletztengeld, eine Art Einkommensausgleich, und die Unfallrente, falls der Vorfall zu dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen führt.

Schutz der Unfallversicherung im Homeoffice eingeschränkt

Die gesetzliche Unfallversicherung greift generell nur bei Unfällen bei der Arbeit, in der Kita, in der Schule, in der Universität und jeweils auf direktem Weg dorthin und nach Hause. Im Homeoffice gibt es nun die Besonderheit, dass der Arbeitgeber – anders als im Büro – nicht für die Risiken innerhalb des Arbeitsbereiches haften kann.

„Die der privaten Wohnung innewohnenden Risiken hat nicht der Arbeitgeber zu verantworten und vermag der Versicherte selbst am besten zu beherrschen. Der Wohnbereich ist dem Versicherten im Regelfall besser bekannt als anderen. Für die mit ihm einhergehenden Gefahren ist der Versicherte selbst verantwortlich“, lautet ein entsprechendes Urteil des Bundessozialgerichts (B 2 U 5/15 R).

Aufgrund dessen gelten Unfälle im Homeoffice nur im sehr engen Rahmen als Arbeitsunfall. Dies ist lediglich der Fall, wenn Arbeitnehmer während des Unfallzeitpunkts eine arbeitsbezogene Beschäftigung ausüben oder in Zusammenhang damit einen Betriebsweg zurücklegen. Das bedeutet konkret:

  • USB-Stick aus der Tasche holen: Liegt ein USB-Stick, der für die Arbeit gebraucht wird, in einer Tasche in einem anderem Zimmer, sind Beschäftigte auf dem Weg dorthin und zurück zum Arbeitsplatz versichert. Sollten sie beispielsweise über eine Türschwelle stolpern und sich den Ellenbogen brechen, ist die Unfallkasse für sie zuständig.
  • Auf Toilette gehen oder aus der Küche etwas zu trinken holen: Brauchen Beschäftigte etwas zu trinken oder müssen auf die Toilette, sind sie weder in der Küche noch im Bad sowie auf dem Weg unfallversichert. Im Büro selbst gilt der Schutz dagegen in der Regel.
  • Gleiche Tätigkeit, aber ein Anruf kommt rein: Anders verhält es sich, wenn sich Arbeitnehmer in der Küche oder im Bad befinden und ihr Diensthandy klingelt. Auf dem Weg zum Telefon sind sie unfallversichert. Gleiches gilt, wenn sie eine Videokonferenz haben und zum Laptop eilen würden.

Tipp:

Wer einen Arbeitsunfall im Homeoffice hat, sollte möglichst schnell Beweise sichern, dass dieser im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit passiert ist, etwa getätigte Anrufe, bearbeitete Dokumente oder dem Arzt oder Nachbar den Unfallhergang beschreiben. Denn Zeugen sind im Homeoffice eher selten anzutreffen.

Arbeitslaptop beschädigt – was nun?

Neben den gesundheitlichen Gefahren sollten sich Arbeitnehmer auch damit beschäftigen, wie es um ihren Versicherungsschutz gestellt ist, sollte ihr Arbeitslaptop oder anderes vom Arbeitgeber ausgegebenes Equipment beschädigt werden. Die private Haftpflichtversicherung deckt solche Schäden in der Regel ab, wenn das Homeoffice angewiesen wurde. In allen anderen Fällen ist eine Überprüfung des Vertrags empfehlenswert.

Bei Diebstahl aus den vier Wänden ist die Hausratversicherung der Ansprechpartner. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Kriminellen gewaltsam Zugang in das Zuhause verschafft haben.