Bundestag mit Fahne
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Wahlprogramm 2021: So packen die Parteien das Thema Rente an

Bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 wird das Thema Rentenreform eine besonders große Rolle spielen. Ob Abschaffung der Riester-Rente, Einführung einer Fondsrente oder allgemeine Garantierente - in den Wahlprogrammen is alles dabei. finanzen.de gibt einen Überblick zu den Plänen der Parteien.

Das Umlageverfahren des Rentensystems droht an der alternden Gesellschaft in Deutschland zu scheitern. Immer weniger Arbeitnehmer müssen einer wachsenden Anzahl von Rentnern den Ruhestand finanzieren. Sobald die Generation der Babyboomer – also der geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1970 – ins Rentenalter eintritt, wird sich die Schieflage eklatant verschlimmern.

Eine Anpassung des Rentensystems sowie die Stabilisierung der Beitragssätze und Rentenbezüge gleichermaßen sind in der anstehenden Legislaturperiode also von höchster Priorität. An der Positionierung der Parteien zur Rentenreform werden so nicht zuletzt auch viele Wähler ihre Entscheidung im September bei der Bundestagswahl festmachen.

Welche Vorschläge bringen die Parteien zur Rentenreform in den Wahlkampf 2021?

Aktuell haben CDU/CSU noch kein Wahlprogramm vorgelegt, es soll am 21. Juni vorgestellt werden. Eckpunkte zur Rente sind dennoch bereits bekannt. Armin Laschet, der Kanzlerkandidat der CDU, befürwortet eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters. Seine Begründung: Die Menschen leben inzwischen länger, deswegen müssten sie auch länger arbeiten. Auch die durch die GroKo eingeführte Rente mit 63 hält er für einen Fehler. Bei den sogenannten Familienunternehmertagen in Berlin Ende April sagte er: „Man wird dann auch über die Lebensarbeitszeit sprechen müssen. Ich würde allerdings nicht heute sagen, es muss 70 sein.“

Mit der Forderung nach einer Erhöhung des Renteneintrittsalters steht die Union allein auf weiter Flur. Die SPD will die Rente ab 67 Jahren und für besonders lang Versicherte ab 63 Jahren beibehalten. Auch die Grünen halten am Renteneintritt mit 67 fest, wollen aber eine frühere Teilrente ermöglichen. Die Linke will das Alter auf 65 Jahre senken, nach 40 Arbeitsjahren auf 60 Jahre. AFD und FDP wollen hingegen ein flexibles Renteneintrittsalter einführen.

Selbstständige und Aktien – die letzte Hoffnung für die gesetzliche Rentenversicherung?

Wird Armin Laschet Bundeskanzler, will er die Rentenreform in jedem Fall parteiübergreifend und für die nächsten 15 Jahre ausarbeiten, um „ein Vertrauen über die Regierungszeiten hinweg“ und nicht nur für eine Legislaturperiode zu schaffen.
Die Idee von Staatsfonds-gekoppelte Renten, wie es sie in Skandinavien gibt, befürwortet die Union dabei nicht. Selbstständige sollen außerdem in die gesetzliche Rentenversicherung als Pflichtversicherte eingegliedert werden. Aktuell ist dies bei der überwiegenden Mehrheit der Selbstständigen nicht der Fall.

Grüne, SPD und Linke wollen sogar alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung eingliedern. So würden zukünftig beispielsweise auch Beamte und Freiberufler in die Rentenkasse einzahlen. Die AFD hat sich dafür ausgesprochen, dass künftig auch Staatsbedienstete in der Rentenversicherung pflichtversichert werden. Beamte bei der Bundeswehr, Polizei, Finanzverwaltung, Justiz oder dem Zoll sollen jedoch weiterhin wie gewohnt Pensionen erhalten.

Am skandinavischen Vorbild der Staatsfonds orientieren sich die Grünen bei ihren Lösungsansätzen zum Rentenproblem. Mit einem obligatorischen Bürgerfonds wollen sie verpflichtend für Arbeitnehmer einen bestimmten Prozentsatz des Bruttolohnes in einen Fonds fließen lassen. Auch die FDP will die gesetzliche Rentenversicherung um eine gesetzliche Aktienrente erweitern. Dafür soll der überwiegende Teil der Abgaben weiterhin in die umlagefinanzierte Rentenversicherung fließen, ein kleinerer Betrag jedoch in Fonds.

Die aktuellen Partei-Vorschläge zur Rente im Überblick

CDU/CSU

  • Eingliederung Selbstständiger als Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Späterer Renteneintritt durch Kopplung der Regelaltersgrenze an die durchschnittliche Lebenserwartung
  • Reformierung der Riester-Rente über ein Aktien basiertes Standardprodukt für jeden Bürger
  • Verpflichtende betriebliche oder private Altersvorsorge für jedermann
  • Eventuell Abschaffung Rente mit 63 (die Mittelstandsunion ist dafür, die Arbeitnehmerschaft der Union dagegen)

SPD

  • Eingliederung von Selbstständigen, Freiberuflern und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung
  • Beibehaltung des Renteneintrittsalters ab 67 Jahren und der Rente ab 63 für besonders langjährig Versicherte
  • Beibehaltung des Rentenniveaus von 48 Prozent oder höher
  • Breitere Etablierung der betrieblichen Altersvorsorge
  • Beibehaltung der Riester-Rente, jedoch Senkung der Kosten dieser
  • Einführung einer neuen privaten Altersvorsorge die nicht von Versicherungskonzernen, sondern öffentlichen Institutionen angeboten wir

Grüne

  • Eingliederung von Selbstständigen, Minijobbern, Langzeitarbeitslosen, Beamten und Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung
  • Beibehaltung des Renteneintrittsalters mit 67, aber Möglichkeit früher in Teilrente zu gehen
  • Beibehaltung des gesetzlich festgeschriebenen Rentenniveaus von 48 Prozent .
  • Abschaffung der Riester-Rente
  • Einsetzung eines obligatorischen Bürgerfonds zusätzlich zur gesetzlichen Rente
  • Einführung einer Garantierente (anstelle der Grundrente) für langzeitig erwerbstätige, pflegende oder erziehende Bürger. Die Bezüge sollen oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegen

Linke

  • Eingliederung von Selbstständigen, Freiberuflern und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung
  • Senkung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre und ab 40 Arbeitsjahren auf 60 Jahre
  • Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent
  • Abschaffung der Riester-Rente
  • Einführung solidarischer Mindestrente in Höhe von 1.200 Euro
  • Einführung Sozialversicherung in jedem Arbeitsverhältnis
  • Einführung einer Mütterrente mit drei Entgeltpunkten pro Kind

FDP

  • Ermöglichen eines flexiblen Renteneintritts ab 60 Jahren mit entsprechenden Abzügen
  • Einführung einer gesetzlichen Aktienrente
  • Organisierung der Altersvorsorge in einem Baukastensystem, sodass sich der Mix aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge an den Lebenslauf anpasst

AFD

  • Eingliederung Abgeordneter in die gesetzliche Rentenversicherung
  • Einführung eines flexiblen Renteneintrittsalters
  • Eltern sollen pro Kind 20.000 Euro Beiträge zur Rentenversicherung aus Steuermitteln erstattet bekommen

Die Rentenpolitik der Großen Koalition sieht aktuell unter anderem vor, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent zu senken. Als Anhaltspunkt für die 48 Prozent gilt das Nettogehalt eines Durchschnittsverdieners. Experten gehen davon aus, dass im Ruhestand jedoch etwa 80 Prozent des letzten Nettogehaltes benötigt werden. Eine private Altersvorsorge ist deshalb unabdinglich, um die Rentenlücke zu schließen.
Welche Möglichkeiten Verbraucher dafür haben, zeigt ein Blick ins Renten-Tool, das über individuelle Vorsorgeoptionen informiert. Auch die persönliche Beratung durch einen Experten hilft bei der Planung der Altersvorsorge.