Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Frage der Woche: Wie funktioniert ein Girokontowechsel?

Zu kompliziert und zu viel Papierkram: Noch immer nutzen nur wenige Bankkunden die Möglichkeit eines Girokontowechsels. Dabei ist ein Wechsel mittlerweile wesentlich einfacher als gedacht. Die Banken sind inzwischen sogar dazu verpflichtet, ihren Kunden beim Umzug des Kontos unter die Arme zu greifen. In Zeiten niedriger Zinsen kann ein neues Konto bares Geld sparen.

Was ist bei einem Girokontowechsel zu beachten?

Grundsätzlich können Bankkunden ihr Girokonto jederzeit wechseln beziehungsweise kündigen. Sie müssen ihre Entscheidung nicht begründen und in der Regel auch keine Kündigungsfristen beachten. Denn beim Konto sind diese eher unüblich. Selbst wenn Kontoinhaber in den Geschäftsbedingungen einer Frist zugestimmt haben, darf diese laut Gesetz maximal einen Monat dauern.



Sobald Wechselwillige ein neues Girokonto gefunden haben, können sie sich um den Umzug ihres Geldes kümmern. Kontoinhaber, die ihren Wechsel ohne Hilfe der Bank durchführen wollen, müssen selbst dafür sorgen, dass Einzahlungen wie das Gehalt und Ausgaben wie die Stromrechnung künftig über das neue Konto erfolgen. Eine kurze schriftliche Mitteilung an den Arbeitgeber, die jeweiligen Versorgungsunternehmen, Versicherungen und andere Zahlungspartner reicht dazu aus. Sind alle wichtigen Stellen informiert und die Aufträge auf das neue Konto übertragen, kann das alte Girokonto aufgelöst werden. Hierfür genügt ein Schreiben an die Bank, zu welchem Termin die Auflösung stattfinden und wie das restliche Guthaben ausgezahlt werden soll.

Banken müssen reibungslosen Girokontowechsel unterstützen

Viele Banken unterstützen ihre neuen Kunden bereits seit einiger Zeit beim Girokontowechsel. Bis vor wenigen Monaten war dies noch ein freiwilliger Service. Seit September 2016 sind die Geldinstitute jedoch gesetzlich dazu verpflichtet, beim Kontoumzug zu helfen beziehungsweise einen reibungslosen Wechsel zu ermöglichen. Dazu unterschreiben Bankkunden lediglich ein Ermächtigungsformular, das sie entweder bei ihrer alten oder der neuen Bank bekommen. Anschließend müssen sich beide Kreditunternehmen in maximal zwölf Tagen gemeinsam um den Wechsel kümmern:

  • Innerhalb von zwei Tagen muss das neue Geldinstitut die Ermächtigung an die bisherige Bank weiterleiten und die darin aufgeführten Leistungen wie die Kontoauflösung einfordern.
  • Die alte Bank hat anschließend fünf Tage Zeit, eine Liste aller regelmäßigen Zahlungseingänge, Lastschriften, Einzugsermächtigungen und Daueraufträge der letzten 13 Monate an den Konkurrenten weiterzugeben.
  • Das neue Bankunternehmen richtet wiederum binnen fünf Tagen die gewünschten Daueraufträge ein und informiert die Zahlungspartner über die neue Bankverbindung.

Klappt der Girokontenwechsel nicht ohne Probleme oder dauert länger, haften beide Geldinstitute für eventuelle Schäden wie Zahlungsrückstände oder Mahngebühren. Die einzige Voraussetzung für den Wechsel-Service ist, dass die Banken in Deutschland ansässig sind und die Konten dieselbe Währung haben. In den meisten Fällen werden keine Gebühren fällig.

Girokontowechsel per App: Praktisch, aber unsicher?

Einige Geldinstitute bieten ihren Kunden mittlerweile einen vollautomatischen Girokontowechsel an. Dieser erfolgt über den Computer oder über eine App am Smartphone. Dort melden sich Verbraucher mit ihren Zugangsdaten zum Online-Banking des aktuellen Kontos an, den Rest übernimmt die Software. Zum Abschluss prüfen Kontoinhaber noch einmal alle aufgelisteten Aufträge und Daten, bevor der Wechsel mit einer digitalen Unterschrift erledigt ist. Die Datensammlung läuft dabei jedoch über ein externes Unternehmen, sodass die Frage aufkommt, wie sicher dieses Verfahren ist. Immerhin liest das System sensible Informationen aus. Den Anbietern zufolge gelten dafür jedoch höchste Datenschutzrichtlinien. Bankkunden, denen die Methode dennoch zu unsicher erscheint, können den Girokontowechsel nach wie vor schriftlich vornehmen.

Welche Optionen haben Kunden beim Girokontowechsel?

Die Auswahl an Girokonten ist zwar riesig, doch vielen Bankkunden ist es wichtig, nichts oder möglichst wenig für das Konto zu zahlen. Kostenlose Girokonten sind aufgrund der aktuellen Niedrigzinslage jedoch inzwischen eher Mangelware. Laut dem Magazin Focus-Money (7/2017) bieten aktuell die DKB, die ING-DiBa und die Consorsbank die drei besten Online-Konten zum Nulltarif.

Tipp: Auch wenn ein Girokonto auf den ersten Blick gebührenfrei scheint, können noch versteckte Kosten hinzukommen. Mit dem Girokontovergleichsrechner finden Wechselwillige leicht heraus, welche Banken keine Zusatzgebühren aufdrücken.

Einige Banken belohnen Neukunden sogar mit einer Wechselprämie. Verbraucherschützer warnen jedoch, dass dies nicht der ausschlaggebende Punkt für die Kontowahl sein sollte. Ähnlich wie bei Versicherungspolicen kommt es immer darauf an, welche Leistungen Kunden wichtig sind. Soll das Geldabheben beispielsweise auch im Urlaub kostenlos sein? Oder ist ihnen eher eine hohe Disporate wichtig? Mit Hilfe von Checklisten können Kunden die Merkmale mehrerer Konten vergleichen und prüfen, worauf sie am meisten Wert legen.

Daneben spielt natürlich auch die Art der Bank eine Rolle. Manche Kunden bevorzugen ein klassisches Girokonto bei einer großen deutschen Bank, bei der sie sich gern persönlich beraten lassen. Andere regeln ihre Geldangelegenheiten dagegen lieber eigenständig und nutzen dazu ein Online-Konto bei einer Direktbank. Eine weitere Option ist der Wechsel zu einer „grünen“ Bank. Diese Geldinstitute investieren vorrangig in soziale Projekte und kooperieren ausschließlich mit ethisch und ökologisch vertretbaren Unternehmen.