Vater mit Kindern im Zimmer
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Wie geht es mit der Lohnfortzahlung für Eltern weiter?

Viele Eltern müssen derzeit zu Hause bleiben, da sie ihre Kinder wegen geschlossener Schulen und Kindergärten selbst betreuen müssen. Um ihnen finanziell zumindest etwas unter die Arme zu greifen, haben sie Anspruch auf Lohnfortzahlung. Die Regelung gilt jedoch nur für maximal zwölf Wochen. Wie es für Eltern weitergehen soll, ist derzeit ungewiss.

  • Müssen Eltern wegen der Kinderbetreuung zu Hause bleiben, bekommen sie weiterhin 67 Prozent ihres bisherigen Nettogehalts ausgezahlt.
  • Die Regelung ist jedoch derzeit auf sechs Wochen pro Elternteil begrenzt.
  • Da Schulen und Kindertagesstätten jedoch noch länger brauchen werden, bis wieder Normalbetrieb herrscht, fragen sich viele Eltern, wie es für sie weitergeht.

Update 20. Mai 2020: Das Bundeskabinett will heute eine Verlängerung der Zahlung beschließen. Demnach soll jeder Elternteil zehn Wochen lang Anspruch haben, Alleinerziehende 20 Wochen.



Je nach Bundesland können in diesen Tagen wieder einige Kinder in die Kitas zurückkehren. Doch bis die Normalität die Notbetreuung ersetzt, müssen Eltern noch viel Geduld mitbringen. Für viele von ihnen bedeutet die unsichere Kinderbetreuung allerdings auch, dass sie auf der Arbeit kürzer treten. Um die Einkommensverluste auszugleichen, haben Eltern seit dem 30. März Anspruch auf eine Lohnfortzahlung in Höhe von 67 Prozent des Nettoeinkommens bis maximal 2.016 Euro.

Unsicherheit über Verlängerung der Lohnfortzahlung für Eltern

Je Elternteil wird der Lohn für sechs Wochen gezahlt. In der Summe haben Eltern somit zwölf Wochen Anspruch auf die Leistung. Ob dies jedoch für die Dauer der Corona-Einschränkungen bei den Kindergärten und Schulen reichen wird, ist ungewiss. Umso irritierender ist für Betroffene eine Aussage einer Sprecherin aus dem Arbeitsministerium gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Sie teilte mit, dass es „angesichts der verstärkt öffnenden Schulen und Kindergärten nach heutigem Stand keine Verlängerung der Regelung geben wird.“

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) beeilte sich jedoch, das Statement ins richtige Licht zu rücken. Ihm zufolge soll es für den Übergang eine neue Regelung geben. So steht das Thema Lohnfortzahlung für Eltern bei einem heutigen Treffen zwischen der Bundesregierung und Arbeitgebern auf der Agenda.

Politik ist sich bei Unterstützung bei Kinderbetreuung einig

Neben Heil machen sich weitere Politiker für eine faire Lohnregelung für Eltern mit kleinen Kindern stark. So fordert beispielsweise Annalena Baerbock, Parteivorsitzende der Grünen, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP ein Corona-Elterngeld, das nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch vor Kündigung schützt, wenn Eltern wegen fehlender Betreuungskapazitäten nicht arbeiten können. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch appelliert an Kanzlerin Merkel in der Neuen Osnabrücker Zeitung, die 6-Wochen-Frist unbürokratisch zu verlängern, bis Grundschulen und Kitas wieder im Regelbetrieb sind.

Auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer macht sich für eine Verlängerung der Lohnfortzahlung für Eltern stark. Der Saarbrücker Zeitung sagte sie, die Regel solle bis Ende des Jahres gelten. Zudem müsste die Zahlungsdauer von sechs auf zehn Wochen erhöht werden.

Angesichts der breiten Unterstützung aus unterschiedlichen politischen Lagern ist davon auszugehen, dass die Lohnfortzahlung nach Ende der Bezugsdauer nicht einfach aufhören wird. Eltern müssen nun etwas Geduld mitbringen, bis sich die Regierung auf konkrete Maßnahmen verständigt hat.