Älteres Ehepaar unterschreibt Vertrag
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Wie schlecht steht es wirklich um die Lebensversicherung?

Wie gut können die Lebensversicherungen auch in Extremsituationen gewährleisten, dass ihre Versicherten ihr Geld bekommen? Dies hat der Bund der Versicherten (BdV) zusammen mit Zielke Research Consult anhand der Solvenzquote der Anbieter untersucht. Die Studie zeichnet dabei ein düsteres Bild. Die Branche übt jedoch deutliche Kritik an der Untersuchung.

  • Eine neue Studie warnt vor ernsthaften Problemen bei den Lebensversicherungen.
  • Sie fordert daher ein Umdenken bei den Anbietern.
  • Von Krisenstimmung will der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft jedoch nichts wissen.

Statistisch gesehen hat jeder Bürger mehr als eine Lebensversicherung abgeschlossen. Lange galten sie als beliebtes Mittel, das Ersparte gut und sicher anzulegen. Damit die Versicherer die Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden auch wirklich bedienen können, selbst in extremen Situation wie einer Wirtschaftskrise, müssen sie über genügend Eigenmittel verfügen. Seit ein paar Jahren gilt im Rahmen der Richtlinie Solvency II, dass die europäischen Anbieter das Verhältnis von vorhandenen zu erforderlichen Mitteln mit der Solvenzquote angeben müssen.



Der Bund der Versicherten hat diese nun untersuchen lassen. Zudem blickte er auf die Transparenz sowie die Gewinnerwartung von 82 Versicherungsgesellschaften. Dabei zeigte sich: 16 Versicherer liegen mit ihrer Quote unter 100 Prozent, bei 16 geht die Studie zudem von keiner positiven Gewinnerwartung aus. Im Bereich Transparenz überzeugen nur drei Anbieter vollends. Zusammengefasst kommt die Analyse des BdV zu dem Fazit, dass es um 22 Lebensversicherer nicht besonders gut steht.

Wo sieht die Studie Probleme bei den Versicherern?

Die schlechteste Solvenzquote unter den Lebensversicherern weist 2019 Frankfurter Münchener Leben mit -11 auf. Als Richtwert gilt dabei, dass die Quote über 100 liegen sollte. Zu den 16, die 2019 dieses Ziel nicht schaffen, gehören unter anderem

  • HDI,
  • DEVK
  • Ergo Lebensversicherung,
  • Debeka.

Für 2020 rechnet das Institut bei 20 Prozent der Gesellschaften mit einem weiteren Rückgang der Quote, sodass dann mehr als 20 unter 100-Marke liegen. Damit sich dieser Trend nicht fortsetzt, rät der BdV dazu, dass die Versicherer ihr Eigenkapital stärken und ihre Anlagen breiter streuen. So scheinen vor allem die Unternehmen Probleme zu haben, die vorwiegend auf Staatsanleihen setzen. Sie sollten eine höhere Aktienquote in Betracht ziehen.

Diesen Lebensversicherern geht es gut

Viele Lebensversicherer übertreffen die Solvenzquote von 100 jedoch auch deutlich. Am besten steht Europa Vorsorge mit 520 da. Über 300 erzielen zudem unter anderem: Alte Leipziger, Generali (ehemals AachenMünchener), VGH, LVM, Zurich, LV 1871, Hannoversche, Swiss Life, Continentale, Ergo Vorsorge, Provinzial NordWest, Sparkassen-Versicherung Sachsen, Nürnberger und R+V. Für die letzten drei genannten geht die Studie jedoch anhand der Gewinnerwartung davon aus, dass sie im laufenden Jahr Verluste machen werden.

GDV kritisiert Studie als „fragwürdig“

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt sich wenig erfreut über die Studie. „Alle deutschen Lebensversicherer haben eine Quote über 100 Prozent, kein Unternehmen ist also pleite“, teilt er mit. Ende 2019 lagen die Solvenzquoten durchschnittlich bei 387 Prozent und somit weit über dem geforderten Maß. Zudem kritisiert der GDV „Kernaussagen und die Methodik der Untersuchung sind in wesentlichen Punkten fragwürdig.“ Viele Versicherer weisen ebenfalls darauf hin, dass ihre Quote ausreichend ist.

Auch wenn Kritik an der Studie geübt wird, so rückt die Studie bei Interessierten ins Bewusstsein, auch einen Blick auf die wirtschaftliche Lage der Versicherer zu werfen und diese gegebenenfalls mithilfe eines Versicherungsexperten miteinander zu vergleichen. Schließlich binden sie sich für viele Jahre an einen Anbieter. Versicherte sollten daher die Gewissheit haben, dass dieser seine Verpflichtungen jederzeit erfüllen kann.