Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

ZDF WISO: Vorsorgevollmacht wichtiges Mittel zur Selbstbestimmung

Die Vorsorgevollmacht ist wichtig für jeden Menschen, der möchte, dass sein Wille in jeder Lebenslage durchgesetzt wird. Denn Angehörige werden nicht automatisch zur Ansprechperson, wenn Betroffene etwa nach einem Unfall oder im Alter nicht mehr eigenverantwortlich handeln können. ZDF WISO gibt aktuell wichtige Tipps zur Vorsorgevollmacht.

Veröffentlicht am 28 September 2015

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der Lebenspartner oder enge Verwandte automatisch die gesetzliche Vertretung übernehmen, wenn man plötzlich nicht mehr selbst über sein Leben bestimmen kann, so ZDF WISO. Wie wichtig dieser Hinweis ist, zeigen Erfahrungen der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). Demnach kommen zu ihr zwar „immer wieder Ratsuchende, die mit einer Patientenverfügung ihre medizinischen Wünsche festgelegt haben. Aber sie haben sich nicht um die rechtliche Seite gekümmert.“ Dafür ist eine sogenannte Vorsorgevollmacht notwendig. Diese regelt beispielsweise die Umsetzung der Patientenverfügung oder Vermögens- und Wohnungsangelegenheiten, so der UPD.

Worauf es bei der Vollsorgevollmacht unter anderem ankommt, zeigt aktuell ZDF WISO im Tipp.

ZDF WISO: Was kann eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht kann Angehörigen eine Generalvollmacht erteilt werden. Dies ist an der Formulierung „zur Vertretung in allen Angelegenheiten“ zu erkennen, so ZDF WISO. Generell sollte die Vollmacht zwei Bereiche abdecken: vermögensrechtliche sowie persönliche und medizinische Angelegenheiten. Während der erste Bereich etwa die Erledigung von Bankgeschäften abdeckt, regelt der zweite beispielsweise die Erlaubnis für das Öffnen der Post.

Tipp: Personen, die sich mit dem Thema Vorsorgevollmacht auseinandersetzen, sollten sich auch über finanzielle Aspekte Gedanken machen. Führt ein Unfall beispielsweise zu einer dauerhaften körperlichen Einschränkung, können mit dem Geld aus einer privaten Unfallversicherung teure Umbaumaßnahmen bewältigt werden. Sehr gute Tarife hat jüngst Stiftung Warentest ermittelt.

Werden Menschen zum schweren Pflegefall, kommen auf Angehörige neben der psychischen Belastung gegebenenfalls auch finanzielle Belastungen zu. Denn je nach Pflegestufe und Art der Betreuung müssen Pflegebedürftige bis zu mehreren hundert Euro pro Monat für die Pflege zahlen. Reicht deren Geld nicht aus, werden die Kinder zur Verantwortung gezogen (Elternunterhalt). Eine private Pflegeversicherung reduziert hingegen die Pflegelücke.

Mit einer Vorsorgevollmacht erhalten Bevollmächtigte umfassende Rechte, ergänzt der Verbraucherzentrale Bundesverband. Mit ihr sind sie befugt, „im Name des Vollmachtgebers tätig zu werden, Erklärungen abzugeben, Verträge zu schließen oder vor Gericht aufzutreten.“ Die Vollmacht muss schriftlich und im Original vorliegen sowie den Namen, das Geburtsdatum und die Anschrift des im Ernstfall Betroffenen beinhalten. Die Beglaubigung der Unterschrift ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber von Vorteil. Auch wenn die Vorsorgevollmacht Befugnisse für Bankgeschäfte erteilt, sollte zudem bei den jeweiligen Banken geklärt werden, ob spezielle Anforderungen erfüllt werden müssen.

Ohne Vorsorgevollmacht wird staatlich bestellter Betreuer eingesetzt

Wer keine Vorsorgevollmacht hat, wird durch einen staatlich bestellten Betreuer vertreten. Dieser kann eine Person aus dem Familienkreis sein. Doch ZDF WISO weist darauf hin, dass „die mit der Betreuung verbundene gerichtliche Kontrolle“ eine große psychische Belastung darstellen kann. Zudem sind mit dem Betreuungsverfahren Kosten verbunden.