Mann sitzt auf einer Treppe
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

ZDF WISO zur Riester-Rente: Was bringt die Altersvorsorge noch?

Das Verbrauchermagazin ZDF WISO wollte in der aktuellen Sendung wissen, ob die Riester-Rente noch zu retten ist. Obwohl darin Kritiker und Befürworter sowie Sparer und Walter Riester, der Vater der Riester-Rente, zu Wort kamen, wurde die Frage nicht beantwortet. Die Antwort lautet je nach Sichtweise ja oder nein.

  • ZDF WISO klärt für vier Riester-Versicherte, ob sich ihr Vertrag noch lohnt.
  • Fraglich ist, wie es mit der geförderten Altersvorsorge weitergehen soll.

Seit rund 20 Jahren gibt es die Riester-Rente nun, über 16 Millionen abgeschlossene Verträge verbuchen die Anbieter. Eine Erfolgsgeschichte, könnte man meinen. Doch viele Versicherte sind unzufrieden mit ihrer Riester-Rente, Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine Reform oder sogar eine Abkehr von der geförderten Altersvorsorge.

Für das Verbrauchermagazin ZDF WISO Grund genug, sich eine komplette Sendung lang mit der Riester-Rente zu beschäftigen. Dabei stehen verschiedene Riester-Versicherte im Fokus, die mit ihrer Versicherung hadern. Hier klärt ZDF WISO, ob die Riester-Rente für sie noch sinnvoll ist beziehungsweise welche Alternativen es gibt. An die Beantwortung der grundsätzlichen Frage, ob die geförderte Altersvorsorge noch zu retten ist, traut sich das Magazin jedoch nicht.

Viele Riester-Sparer unzufrieden

Eine vierköpfige Familie, eine Alleinerziehende, ein baldiger Rentner und ein Sparanfänger erzählen in der aktuellen ZDF WISO-Sendung, welche Riester-Rente sie wann abgeschlossen haben. Dabei kommen bestimmte Punkte zur Sprache, für die die Altersvorsorge seit Jahren in der Kritik steht. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich Riestern aufgrund der staatlichen Förderung für bestimmte Personengruppen immer noch lohnen kann.

Die Kunden haben sich entweder für eine fondsgebundene Riester-Rente oder einen Riester-Banksparplan entschieden. Letzterer hat den Vorteil, vergleichsweise günstig zu sein. Allerdings fallen mit dem Rentenalter Kosten an, wenn das angesparte Kapital verrentet wird. Diese Verrentung ist Pflicht, nur 30 Prozent können sich Versicherte maximal auf einen Schlag auszahlen lassen. Für manche Sparer ist diese Erkenntnis jedoch eine unangenehme Überraschung.

Hohe Kosten sind nur für Versicherer gut

Bei den fondsgebundenen Riester-Renten fallen vor allem die hohen Kosten auf. Die Effektivkosten beim Vertrag des Sparanfängers belaufen sich auf 3,48 Prozent – viel zu teuer. Er hat seinen Beitrag daher auf den Mindestbeitrag von fünf Euro im Monat heruntergeschraubt. Experten zufolge lohnt sich sein Vertrag nur noch, wenn er demnächst eine Familie gründet und die Kinderzulagen bekommt oder beruflich aufsteigt und von den Steuervorteilen profitieren kann. Bleibt es wie jetzt, sollte er den Vertrag beitragsfrei stellen und einen ETF-Fondssparplan als Alternative prüfen.

Ähnlich sieht es bei der Familie aus. Beide Verträge der Ehepartner lohnen sich unter gewissen Umständen weiterhin – was vor allem an den Zulagen für die Kinder liegt.

Auf niedrige Kosten achten und hohe Zulagen nutzen

Die Kritik an der Riester-Rente lässt sich in drei Kernpunkte zusammenfassen:

  • Hohe Vertragskosten
  • Nachgelagerte Besteuerung (wie bei der gesetzlichen Rente)
  • Komplizierte Verträge

Die Analysen von ZDF WISO zeigen allerdings: Bei einem kostengünstigen Anbieter kann sich die Riester-Rente aufgrund der Zulagen noch rentieren – trotz der Kritik. Wichtig ist es dabei, nicht nur einen günstigen Versicherer zu wählen, sondern auch zwischen klassischer Riester-Rente, fondsgebundener Riester-Rente und Riester-Banksparplan die Form zu finden, die individuell passt.

Tipp:

Personen, die sich unsicher sind, ob sich der Abschluss einer Riester-Rente für sie noch lohnt, sollten sich individuell unverbindlich beraten lassen. Mit der Hilfe des Experten finden sie unkompliziert heraus, mit welcher Altersvorsorge sie am ehesten einem sorgenfreien Ruhestand entgegenblicken.

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Kein Grundverständnis zur Zukunft der Riester-Rente

Ursprünglich sollte die Riester-Rente in dieser Legislaturperiode reformiert werden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft wünscht sich dabei eine einfachere, standardisierte Riester-Rente. Für Verbraucherschützer sind die Tage der geförderten Altersvorsorge dagegen gezählt.

Ebenso uneins ist man sich auf politischer Ebene. So scheiterte die Reform daran, dass ein gemeinsames Grundverständnis fehlt. „Der Austausch mit den betroffenen Gruppen hat ergeben, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen und Vorschläge gibt“, so das Finanzministerium auf Anfrage von ZDF WISO.

Bleibt es allerdings bei der Untätigkeit, droht der Riester-Rente 2022 das Ende. Denn mit dem Absenken des Garantiezinses auf nur noch 0,25 Prozent wird es kaum noch Anbieter geben, bei denen neue Verträge abgeschlossen werden können. Will die Politik allerdings erreichen, dass Verbraucher weiterhin privat für das Alter vorsorgen, muss zeitnah eine Reform oder ein Start einer anderen staatlich geförderten Altersvorsorge folgen. Andernfalls wäre viel Vertrauen verspielt, das sich kaum wiedergewinnen lässt.