Frau putzt sich die Nase
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Corona oder doch nur Erkältung – Wann der Gang zum Arzt sein muss

Halskratzen, laufende Nase und Kopfweh? Wer jetzt mit solchen typischen Erkältungssymptomen zu kämpfen hat, fragt sich schnell, ob eine Covid-19-Infektion vorliegt. Wie man die Symptome zur Grippe und Erkältungen abgrenzt und wann Erkrankte zum Arzt sollten, klärt finanzen.de.

Grauer Himmel, Wind und Dauerregen: Der Herbst ist da und mit ihm die Erkältungssaison. Wer sich im letzten Jahr noch mit Schmerztablette und Nasenspray auf Arbeit durchschlug, wird diesen Herbst vor die Frage gestellt: Ist es wirklich nur eine harmlose Erkältung, vielleicht doch die Grippe oder sogar eine Infektion mit SARS-CoV-2?



Woher weiß ich, ob es Corona ist?

Kurz und knapp: Nur ein Test kann Klarheit darüber geben, ob eine Corona-Infektion vorliegt. Die Infektion mit SARS-CoV-2 weist bisher keinen typischen Krankheitsverlauf vor und kann bei jedem Einzelnen ganz unterschiedlich ausfallen. Von keinerlei Symptomen, über leichte erkältungsartige Anzeichen bis zu einer der Influenza ähnlichen Erkrankung konnten Mediziner bei Corona-Patienten eine Vielfalt von Krankheitsverläufen beobachten.

Dennoch treten einzelne Symptome signifikant häufiger bei der Corona-Infektion auf als beispielsweise bei einer Erkältung. So leiden Infizierte sehr häufig an Fieber und trockenem Husten, der teilweise sogar bis zur Atemnot führen kann. Auch Erkältungssymptome wie Halsweh oder Kopf- und Gliederschmerzen können auftreten. Relativ selten kommt es nur zu Schnupfen oder laufender Nase. Niesen ist häufiger ein Indiz auf einen simplen grippalen Infekt und kommt bei Corona-Infizierten selten vor.

Ärzte berichteten in der Vergangenheit häufig von einem Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes bei Covid-19-Erkrankten, auch wenn kein Schnupfen vorlag. Dies kann jedoch auch bei der Grippe passieren, ist also auch kein eindeutiger Indiz auf eine Covid-Infektion.

In der Tabelle findet sich ein Überblick der Symptome und bei welcher Erkrankung sie am häufigsten auftreten:

Symptome COVID-19 GRIPPE ERKÄLTUNG
Fieber sehr häufig sehr häufig gelegentlich
Trockener Husten sehr häufig häufig häufig
Geruchs- und Geschmacksverlust häufig selten selten
Schwächegefühl häufig häufig gelegentlich
Atemnot gelegentlich selten nie
Kopf- und Gliederschmerzen gelegentlich sehr häufig häufig
Halsschmerzen gelegentlich gelegentlich häufig
Verstopfte / laufende Nase selten gelegentlich sehr häufig
Niesen selten selten sehr häufig
Husten mit Auswurf selten selten sehr häufig

Was sind typische Grippesymptome?

Gerade die Abgrenzung zur Grippe ist ohne einen Test sehr schwer. Bei der Influenza, auch echte Grippe genannt, verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Erkrankten rapide, oft treten Fieber und Schüttelfrost auf. Trockener Husten ist ebenfalls eine häufige Begleiterscheinung der Grippe, genauso wie bei Covid-19.

Aufgrund der enormen Schwächung des Immunsystems und der Atemschleimhäute durch die Influenza-A-Viren kann es sogar zu schweren Komplikationen wie einer Lungenentzündung kommen. Da auch bei der echten Grippe das Risiko einer Epidemie und Pandemie besteht, existiert ein weltweites Überwachungssystem. Nachgewiesene Grippeerkrankungen sind beim Gesundheitsamt meldepflichtig.

Gerade Risikogruppen, also Personen mit Vorerkrankungen, Schwangere, obdachlose Menschen und jedem über 60 Jahre, wird eine jährliche Grippeimpfung empfohlen. Da in diesem Jahr eine besonders hohe Nachfrage auf die Impfung besteht, kommt es teilweise zu Lieferengpässen in den Arztpraxen.

Am Mittwoch bekräftigte jedoch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass es sich dabei nur um lokale und kurzfristige Lieferprobleme handele. Für den Impfstoff selbst soll es aktuell keine Engpässe geben. Das Bundesgesundheitsministerium hat für diese Grippe-Saison 26 Millionen Dosen bestellt – weit mehr als in anderen Jahren – wie Spahn auf der Pressekonferenz mitteilte.

Zur Arbeit oder zum Arzt – Was tun, wenn man sich krank fühlt?

Weder noch: Statt direkt den Hausarzt aufzusuchen und damit die Ansteckung weiterer Personen zu riskieren, sollten Erkrankte den Hausarzt telefonisch kontaktieren. Wer keinen Hausarzt hat oder diesen nicht erreicht, kann stattdessen Kontakt zum ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefonnummer bundesweit 116 117) aufnehmen. Hier werden weitere Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Gerade bei ersten Krankheitssymptomen sollten AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) strikt eingehalten werden, wie das Bundesgesundheitsministerium rät.

Bei einem leichten Halskratzen bietet es sich natürlich – wenn möglich – an, aus dem Home Office zu arbeiten. Andernfalls sollten Verbraucher auch bei leichten Symptomen zunächst einen Arzt telefonisch kontaktieren, um eine Handlungsempfehlung zu erhalten. Dieser entscheidet, ob ein Corona-Test angeordnet wird. Bei Verordnung durch einen Arzt ist der Test für den Patienten kostenlos.

Die Schritte bei einem oder mehreren Erkrankungssymptomen im Überblick:

  1. AHA-Regeln strikt einhalten (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske), Zuhause bleiben und Kontakt zu Risikogruppen vermeiden
  2. Telefonisch Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 kontaktieren
  3. Ärztlichen Anweisungen folgen, falls angewiesen Teststelle aufsuchen

Digitale Sprechstunden und telefonische Krankschreibungen sind möglich

Viele Arztpraxen und große Krankenhäuser bieten inzwischen auch Online-Sprechstunden an, um mögliche Covid-19-Erkrankungen abzuklären. Beispielsweise wird mit der Teleclinic auch in Deutschland ein Online-Arzt-Service angeboten, der von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

Tipp:

Nicht bei jeder gesetzlichen Krankenversicherung ist das Angebot digitaler Arztsprechstunden gleich groß. Wer nicht zufrieden ist, kann in der Regel unkompliziert wechseln.

Ab 19. Oktober 2020 gilt zudem eine erneute Ausnahmeregelung, nach der sich Patienten mit leichten Ateminfekten wieder telefonisch beim Hausarzt krankschreiben lassen können. Spahn hatte diese Regelung am Mittwoch angekündigt, um das Ansteckungsrisiko in Arztpraxen zu vermindern. Am Donnerstag beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) angesichts der bevorstehenden Erkältungs- und Grippesaison die erneute Regelung.