Lebensversicherung: Auszahlungen im Sinkflug

Eine neue Studie zeigt, dass die Auszahlungen der Lebensversicherer gesunken sind. Denn nicht nur durch eine Gesetzesänderung erhalten Kunden weniger Geld ausgezahlt als erwartet. Zudem drückt die Niedrigzinsphase die Ablaufleistung. Doch wer wissen will, welche Anbieter noch überzeugen, sollte sich die Studie genauer anschauen.

Veröffentlicht am 11. April 2016



Wie viel Geld erhält ein 30-Jähriger, der 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in seine Lebensversicherung eingezahlt hat? Mit dieser Frage hat sich der aktuelle Map-Report zur Ablaufleistung in der Kapitallebensversicherung beschäftigt. Deutlich wird dabei: Je früher der Vertrag abgeschlossen wurde, desto höher ist der Betrag, den Versicherte erhalten. So bekamen sie 2003 durchschnittlich noch über 100.000 Euro, 2014 nur noch 80.000 Euro. Im vergangenen Jahr zahlten die Versicherer im Schnitt rund 77.000 Euro aus.

Auch bei kürzeren Laufzeiten von 20 und 12 Jahren zeigt sich diese Tendenz. Laut dem Versicherungsjournal nennt die Studie als Grund das „politisch verordnete Zinsniveau“. Eine weitere Möglichkeit stellt das Lebensversicherungsreformgesetz dar, wodurch die Beteiligungen an Überschüssen gekürzt wurden.

Lebensversicherung: Hohe Auszahlungen nur noch bei wenigen Anbietern

Im Schnitt lag die Beitragsrendite bei einer im Jahr 2015 endenden Lebensversicherung mit 30 Jahren Laufzeit bei 4,56 Prozent. Allerdings gab es zwei Anbieter, die mit ihrer Auszahlung eine deutlich bessere Rendite aufwiesen: Debeka und Europa. Bei ihnen erhielt der Musterkunde zum Vertragsende einen Betrag von über 91.000 Euro ausgezahlt. Dies entspricht einem Plus von 14.000 Euro im Vergleich zum Durchschnitt.

Bei einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren betrug der Durchschnitt rund 36.000 Euro, in der Spitze waren knapp 41.000 Euro möglich. Wer 2003 eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, die 2015 auslief, erhielt durchschnittlich rund 17.000 Euro. Im schlechtesten Fall ermittelte der Map-Report bei den untersuchten Unternehmen eine Auszahlung von circa 16.000 Euro, im besten Fall von mehr als 18.500 Euro.

Leistung der Lebensversicherung: Schein und Sein liegen teils deutlich auseinander

Im aktuellen Map-Report wurde nicht nur untersucht, wie sich die Auszahlungen in der Lebensversicherung entwickelt haben. Zudem wird in der Studie ein Vergleich zwischen der Prognose und der tatsächlich erhaltenen Summe vom Versicherer gezogen. Dabei zeigt sich, dass die Anbieter „mit den erreichten Ablaufrenditen ihre eigenen Hochrechnungen deutlich verfehlen“. So wurde beispielsweise 1999 im Schnitt ein Betrag von rund 22.000 Euro in Aussicht gestellt, wenn der Vertrag 2011 endet. Auszahlt wurden jedoch nur durchschnittlich knapp 18.000 Euro. Mittlerweile jedoch „nähern sich die Hochrechnungen und tatsächliche Auszahlungen zunehmend an“, so das Versicherungsjournal. Bei einer Lebensversicherung mit 12 Jahren Laufzeit, die im letzten Jahr auslief, waren es nur noch knapp 1.000 Euro Differenz.

 

Erhält auch der Richtige das Geld der Lebensversicherung?

Dass die Auszahlungen sinken, ist schon ärgerlich. Frustrierend wird es erst recht, wenn im Todesfall der Falsche das Geld der Lebensversicherung erhält. Um dies zu vermeiden, muss das sogenannte Bezugsrecht eindeutig geklärt sein. Hier gehts zu den wichtigsten Tipps beim Bezugsrecht der Versicherung.

Wo die Auszahlung am meisten abweicht

Besonders hoch war der Unterschied zwischen Prognose und erbrachter Leistung bei Lebensversicherungen mit 12 Jahren Laufzeit bei der LV 1871. Der Anbieter zahlte 2015 rund 2.600 Euro weniger aus als in Aussicht gestellt. Dahinter folgen InterRisk (rund 2.300 Euro) und R+V (knapp 2.000). Zu den Unternehmen, bei denen die bei Vertragsabschluss prognostizierte Leistung und der ausgezahlte Betrag kaum voneinander abwichen, zählen DEVK Eisenbahn, ÖSA und DEVK. Beim erstgenannten Versicherer lag die Auszahlung sogar 110 Euro über der Prognose, bei den anderen Anbietern 22 Euro beziehungsweise 177 Euro darunter.