Hausbau Dachstuhl
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Rasant steigende Bauzinsen bringen Immobilienkäufer in Bedrängnis

Seit Jahresanfang haben sich die Bauzinsen verdoppelt. Während Verbraucher Ende 2021 einen Immobilienkredit noch für unter einem Prozent vereinbaren konnten, sind es nun über zwei Prozent. Gleichzeitig steigen die Immobilienpreise weiter, sodass ein Eigenheim für viele Menschen immer schwieriger zu finanzieren ist.

  • Bessere Zinsen auf dem Kapitalmarkt und die Inflation lassen die Zinsen für Immobilienkredite steigen.
  • In den letzten Monaten schraubten sich die Bauzinsen so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr in die Höhe.
  • Auch die Hauspreise steigen weiter, sodass sich immer weniger Verbraucher ein Eigenheim leisten können.

Die Zeiten niedriger Bauzinsen enden. Dies zeigte bereits der aktuelle Baufinanzierung Test der Stiftung Warentest. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Effektivzins für flexible Darlehen um 0,5 Prozent gestiegen.

Für Standarddarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung gibt die FMH Finanzberatung derzeit einen Zins von 2,12 Prozent an. Ende letzten Jahres lag dieser noch bei unter einem Prozent. Dies sei der stärkste Anstieg seit über 30 Jahren, betont Max Herbst von FMH gegenüber dem Manager Magazin.

Schon im Sommer könnten die Zinsen drei Prozent betragen, spätestens jedoch bis zum Jahresende. Davon gehen verschiedene Immobilienfinanzierungsexperten aus.

Tipp:

Verbraucher, die absehbar einen Immobilienkauf planen, können sich das aktuelle Zinsniveau mit einem sogenannten Forwarddarlehen sichern. Wie bei jeder Baufinanzierung ist es dabei wichtig, mehrere Angebote zu berücksichtigen. Denn schon kleine Zinsunterschiede bedeuten mehrere tausend Euro Ersparnis.

Inflation, Bundesanleihen, Risikopuffer führen zum Bauzinsanstieg

Die Gründe für die anziehenden Bauzinsen sind unterschiedlich. Auf der einen Seite steigt generell das Zinsniveau an den Kapitalmärkten: Die Zinsen für Bundesanleihen erhöhen sich, an denen sich die Bauzinsen orientieren. Auf der anderen Seite tut die rasant zunehmende Inflation ihr Übriges. Im März lag diese bei 7,3 Prozent. „Damit erreichte die Inflation im März 2022 einen neuen Höchststand seit der Deutschen Vereinigung. Im früheren Bundesgebiet hatte es ähnlich hohe Inflationsraten zuletzt im Herbst 1981 gegeben“, so das Statistische Bundesamt.

Unklar ist, ob ein seit 1. April 2022 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin eingeführter Risikopuffer bereits Auswirkungen auf das Zinsniveau hat. Seit Monatsbeginn müssen die Banken zwei Prozent der Wohnimmobilienfinanzierung aus ihrem Eigenkapital zurücklegen. Allerdings haben die Kreditinstitute bis Februar 2023 Zeit, um den Risikopuffer aufzubauen.

Hauspreisspirale dreht sich weiter

In der Vergangenheit haben günstige Kredite Verbrauchern geholfen, sich ein Eigenheim trotz hoher Bau- und Kaufkosten finanzieren zu können. Erhöhen sich nun die Zinsen, wird dies schwieriger. Bei gleichzeitig steigenden Immobilienpreisen wird es für viele Bürger unmöglich, in die eigenen vier Wände zu ziehen. Laut dem Statistischen Bundesamt schraubten sich die Preise im vergangenen Jahr um elf Prozent in die Höhe.

Seit 2008 sind die Häuserpreise somit kontinuierlich gestiegen. Zunächst moderat um rund ein Prozent pro Jahr, dann stärker mit drei Prozent, seit 2015 sind es immer rund fünf Prozent oder mehr gewesen.

Wann platzt die Immobilienblase?

Aus Sicht der Bundesbank lassen sich die hohen Preise nur schwer erklären. Die Immobilien sind überbewertet und zehn bis 30 Prozent zu teuer, so Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Auch wenn 2022 noch mit keinem Preisabfall zu rechnen ist, könnten die nächsten Jahre Entspannung bringen: „Gerade in den Großstädten kann es zu Preiskorrekturen kommen, also zum Platzen der Immobilienblase“, erwartet Konstantin Kholodilin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.