Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Riester Rente oder bAV im Vergleich: Was ist besser?

Ist die Riester Rente oder die betriebliche Altersvorsorge (bAV) die bessere finanzielle Absicherung für das Alter? Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ist nun dieser Frage nachgegangen. Die überraschenden Ergebnisse der Studie „Riesterrente oder betriebliche Altersversorgung – Was ist wann für wen besser geeignet?“ sind heute in Berlin vorgestellt worden.

Riester Rente oder bAV? Laut einer DIA-Studie gibt es „kein klares Votum für die eine oder andere Vorsorgeform“. Je nach persönlichen Voraussetzungen eignet sich demnach mal die staatlich geförderte Altersvorsorge, mal die Betriebsrente. Das Institut hat für seine Untersuchung in 34 Musterfällen die Renten für eine Riester Rente und für eine Direktversicherung in der betrieblichen Altersversorgung ermittelt. Die drei wichtigsten Faktoren sind dabei Einkommenshöhe, Kinderzahl und Familienstand, „von denen das Ergebnis bei Riester- und Betriebsrenten mit abhängt.“

Riester Rente oder bAV: Betriebliche Altersvorsorge unter Umständen besser

Die Studie widerlegt die Annahme und somit auch ein Fazit einer Untersuchung von Finanztest, dass sich die Riester Rente für Personen mit geringem Einkommen eher lohnt als die betriebliche Altersvorsorge. „Auch bei geringem Einkommen, sowohl für ledige als auch verheiratete Personen, kann die betriebliche Altersversorgung eine höhere Nettorente ergeben, als dies bei einem vergleichbaren Riester-Vertrag der Fall ist“, heißt es.

Jedoch sind die Rentenunterschiede teilweise sehr gering. Trotz der vielen vom DIA überprüften Musterfälle müssen Verbraucher immer für sich selbst entscheiden, welche Form der Vorsorge für sie besser ist. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge weist darauf hin, dass „vor der Entscheidung für einen Vertrag aber in jedem Fall eine Abwägung an Hand der individuellen Bedingungen vorgenommen werden“ sollten.

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Zulagen für Kind machen Riester Rente attraktiver

Das DIA kommt zu dem Schluss, dass sich je nach Lebenslage die Riester Rente oder die bAV besser für die Altersvorsorge eignet. Die Zulagen für ein Kind können zum Beispiel die Riester Rente gegenüber der Direktversicherung attraktiver machen. „Bei einkommensstärkeren Sparern (2.500 Euro/Monat brutto) hingegen liegt die Riester-Rente unabhängig von der Kinderzahl im Vorteil, während sich ab 3.000 Euro monatliches Einkommen die Situation wieder umkehrt“, so das Fazit der Studie.

Tipp: Wie hoch Ihre persönliche Förderquote bei der staatlich geförderten Altersvorsorge ist, erfahren Sie mit dem Riester-Rente Vergleichsrechner.

Finanztest vergleicht Riester Rente und bAV

Auch Finanztest hat im Juni 2013 getestet, ob sich eher die Riester Rente oder die betriebliche Altersvorsorge lohnt. Dabei kamen die Experten zu einem eindeutigeren Ergebnis als die DIA-Studie. Obwohl die bAV stärker gefördert wird, ist die Riester Rente die bessere Vorsorgeform für die Gesamtversorgung im Alter. Der Grund: Da das Brutto-Gehalt durch die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge reduziert wird, verringern sich die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung. Die gesetzliche Rente fällt so geringer aus. Diese müssen von der Betriebsrente erst ausgeglichen werden, was nicht immer gelingt.

Betriebliche Altersvorsorge in der Kritik

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat die Sozialabgabenbefreiung auf die Beiträge zur bAV bemängelt. Der Verband fordert die Befreiung abzuschaffen, sodass die gesetzliche Rente der Arbeitnehmer nicht weiter gedrückt wird. Finanztest weist indes darauf hin, dass sich die betriebliche Altersvorsorge im Vergleich zur Riester Rente lohnen kann, wenn sich der Arbeitgeber daran beteiligt. In vielen Unternehmen ist das allerdings nicht der Fall, sodass Arbeitnehmer beim Aufbau ihrer Betriebsrente auf sich alleine gestellt sind.

Riester Rente in der Kritik: Reform gefordert

Auch die Riester-Rente steht in der Kritik. Erstmals seit Einführung der staatlich geförderten Altersvorsorge ging die Zahl der Verträge zurück. Viele Kritiker sahen darin die Bestätigung, dass diese Vorsorgeform immer unbeliebter wird. Vor allem die niedrige Garantieverzinsung und die intransparenten, unflexiblen Verträge schrecken demnach Verbraucher ab. Aus diesem Grund wurde mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz geregelt, dass Versicherer nun ihre Kunden mit einem Produktinformationsblatt über die Kosten, Chancen und Risiken ihrer Riester-Rente informieren müssen.

Vorteile der Riester Rente und der betrieblichen Altersvorsorge

Sowohl die Riester Rente als auch die betriebliche Altersvorsorge haben ihre Vorteile. Versicherte einer Riester Rente erhalten vom Staat jährlich Zulagen für ihre private Altersvorsorge. Bei der betrieblichen Altersvorsorge können sich Arbeitgeber am Aufbau des finanziellen Polsters für das Alter beteiligen. Arbeitnehmer profitieren davon, dass sie einen Teil ihres Bruttogehalts sozialabgabenfrei in die bAV einzahlen. Der tatsächliche Netto-Aufwand für die Altersvorsorge fällt so niedriger aus als bei der Riester Rente.